Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1869)
- Date
- 1869-01-19
- Page
- Seite 51 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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51 Frankreich. Paris, 1. Januar. Am 17. December fand im Consistorialtempel der Trauergottesdienst um den Baron James von Rothschild statt. Wir geben hier die Schilderung in wörtlicher Uebersetzung wieder, welche die Arch. isr. von dieser Feier geben. Ein großer Luxus in der Trauerdecoration und der Beleuchtung war entwickelt; der Tempel und der innere Hof waren vollständig mit schwarzen Decken, die mit Silber durchwirkt, bekleidet; eine große Menge war versammelt: aber, wie es oft bei den jüdischen Ceremonien vorkommt, waren keine genügenden Vorkehrungen getroffen, um alle Persönlichkeiten, welche einen Anspruch darauf, hatten passend zu placiren, und mehrere von ihnen mußten beim Eingang des Tempels stehen bleiben. Auch mußte man sich wundern, daß, da die Administration durchaus keine Oeffentlichkeit zu wünschen schien (nicht einmal die jüdische Presse wurde dazu benutzt) doch die weltlichsten Journale, der „Figaro" und der „Gaulois," die Feierlichkeit officiell angekündigt hatten und zwar in sehr schlecht gewählten Ausdrücken. Wie dem auch sei, das gewöhnliche Abendgebet fand mit Orgel- und Chorbegleitung statt; dann sprach der neue Großrabbiner von Paris, Herr Zadoc Kahn, eine Trauerrede auf den Verstorbenen, welche gut geschrieben, gut gedacht und gut vorgetragen war, aber vielleicht ein wenig kalt. Der ehrenwerthe Redner sprach übrigens sehr richtig über den Reichthum und die Wohlthätigkeit. Nach anderen Musikstücken sprach Herr Isidor, Großrabbiner des Centralconsistoriums, einige bewegte Worte und trug das Gebet für die Verstorbenen vor. Die ganze Familie des Verstorbenen war versammelt; die Söhne und die Enkel sagten am Anfang und zum Schluffe des Gottesdienstes den Kadisch in der gewöhnlichen Form, zusammen mit allen denen, welche an demselben Tage einen Trauertag hatten. Der charakteristischeste Vorfall ereignete sich beim Hinausgehen aus dem Tempel: ein Individuum, wie man uns sagt, ein Concierge aus einem der Häuser der rue Notre-Dame de Nazareth, scheute sich nicht, ganz laut vor einer der Gruppen zu sagen: „Für einen schlechten Juden so viel Lärm und Aufsehens zu machen!" Diese ungezogene Anrede brachte dem, der sie sich erlaubt, einige derbe Zurechtweisungen von Seiten eines ganz billiger Weise erzürnten Israeliten ein: ein ziemlicher Tumult folgte darauf, die Polizei kam dazwischen, um den entstehenden Streit zu unterdrücken. Sollte man es für möglich halten, daß es in Paris so dumm fanatische Menschen giebt, die fähig sind, das öffentliche Gefühl zu beleidigen! Paris, Ende Dec. Der Oberstlieutnant S6e vom 35. Infanterieregiment, ein Glaubensgenosse, ist zum Obersten des 65. Infanterieregiments ernannt worden. Sonntag, den 26. Dec., hat der Pater Hyacinth seine religiösen Conferenzen in der Notre-Dame-Kirche von neuem begonnen. Er hat zum Thema die jüdische Religion genommen, die er für ewig erklärt, da sie dem auflösenden Einflüsse der Jahrhunderte des Aberglaubens , des Heidenthums und der Jrrthümer siegreich widerstanden habe. Als der ehrwürdige Pater ausrief: „Vergessen Sie nicht, daß das jüdische Volk wahrhaft ist und immer sein wird dasVolkGottes!" da sah Hr. Veuillot den Cultuöminister an, dieser den Erzbischof von Paris uud alle drei erhoben die Augen zum Himmel. Ferner sagte der Pater: „Gott selbst hat durch die Beschneidung sein Volk bezeichnet! es ist dies ein Bündniß im Fleische, welches die Söhne Jehova's durch die Jahrhunderte tragen werden; dieses Zeichen der Trennung von den übrigen Menschen ist die feierliche Weihe zum Cultus des wahren Gottes!" Gestern, den 27., rief er mit Deborah aus: „Volk Gottes! du hast der Welt die Ideen der Brüderlichkeit, Gleichheit und Menschenliebe offenbart, die bis dahin unbekannt gewesen waren, und weil du deinen Glauben gesetzt in deinen Gott und dein Vaterland in deinen Gott, hat man dich vergebens verfolgt, zerstreut, bekämpft; dein Glaube und deine Kraft sind ungeschwächt, unzerstörbar geblieben, wie der einzige Gott, der stets dein König ist." So weit gehen die Berichte der französischen Blätter; interessant wäre es, die Folgerungen zu erfahren, welche der ehrwürdige Pater aus diesen Prämissen gezogen hat. Italien. Rom, 26. Decbr. Eine telegraphische Depesche in den öffentlichen Blättern berichtet: „Der Papst hat 3*