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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-01-19 · Heft 3 (19.1.1869) · p. Seite 52

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 3 (19.1.1869)
Date
1869-01-19
Page
Seite 52 (sequence 12)
Language
German
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52 im Konsistorium von den wichtigen Ereignissen in Spanien gesprochen und die Gefahren der Kirche speciell in Betreff der Einheit des Glaubens beklagt, der stets der Ruhm dieses katholischen Volkes gewesen sei." (Es ist nun einmal unser Schicksal, daß wir uns meist dessen freuen müssen, worüber sich der Papst beklagt. Auf welche Weise die Glaudenseinheit in Spanien eingeführt, durch welche Mittel sie bis jetzt daselbst aufrecht erhalten und welche Wirkungen durch sie hervorgebracht worden, ist allbekannt, und nur Wenige machen daraus der spanischen Nation einen Ruhm. Was überhaupt die Folge solcher ausschließlicher Glaubcnseinheit ist, hat jüngst wieder eine Thatsache erwiesen. Die officicllen Ermittelungen über die Verbreitung der Schreibkunst in der k. k. österreichischen Armee haben erwiesen, daß cs in ihr damit sehr schlecht bestellt ist, indem nack> Abzug der Uuterofficiere, die schreiben können müssen, nur 11 Procent der Armee zu schreiben verstehen. Aber am schlimmsten, schlimmer als bei den Kroaten und Slovaken, sieht es bei den Tyrolern aus; denn in den Tyrolcr Regimentern konnte nur ein halb Procent schreiben, also von 200 tyroler Soldaten nur Einer! Und dies sind die jungen kräftigen Männer. Rechnet man die Frauen und Greise hinzu, so kann inan sich eine Vorstellung von dem Volksunterrichte in Throl machen. Wahrscheinlich wird man uns von gegnerischer Seite einwenden, daß es besser sei, ivenn das Volk nicht schreiben kann. Wir bitten dann nur, neben dem „Ruhm der Glaubenseinheit" auch stets gleich den der krassesten Unwissenheit aufzuführcn. Redakt. d. A. Z. d. I.) Aus Oberitalien, 8. December. lPrivatmitth.» Um den Grad zu bezeichnen, welchen die volle Einbürgerung unserer Religionsgenosscn in Italien einnirnnlt, darf es ilicht mit Stillschweigen übergangen werden, daß einer der drei angesehenen Bürger, welche die Stadt Pesaro nach Paris sandte, um sich durch dieselben bei den Lcichenfeierlichkeitcn Rossini's vertreten zu lassen, Herr Sanson D'Ancona, ein Jsraelite ist. Derselbe vertritt die Stadt Pesaro auch im Parlament, und hatte durch Bestimmung der Dircction, welche die. bezüglichen Feierlichkeiten leitete, die Auszeichnung, an der Gruft seines unsterblichen Mitbürgers und Freundes nach zwei französischen Sprechern die dritte Grabrede zu halten. Und die Ansprache war der feierlichen Gelegenheit vollkommen entsprechend. Sonst habe ich vom Laufe der diesseitigen Begebenheiten nichts besonderes hervorzuheben. Unsere ital. isr. Zeitschriften enthalten nur locale Notizen; jedoch ist die Poleinik nicht zu übersehen, welche sich vor einigen Monaten zwischen dem Prediger von Livorno Rabbiner E. Benhamozegh und dem Professor am Rabbiner - Collegiunt Rab. E. Lolli entsponnen hat. Gegenstand dieser Polemik, welche Anfangs bloß im Corriere Jsraelitico von Triest gehalten wurde, letzthin aber auch im Educatore Jsraelita ein Plätzchen einnehmen zu wollen scheint, ist — die Kabbalah. Die nächste Veranlassung hierzu gab ein vom Rab. Benhamozegh veröffcntliches Werk „La Morale juive,“ worin der den kabbalistischen Lehren und Ideen ganz zugethane Verfasser dieselben nicht anders als unsere Theosophie nennt, als wäre die kabbalistische Gotteslehre die vom Judenthum als wahr anerkannte, oder als hätte eben das Judenthum keine andere Gotteslehre als diese. Diese Anschauungsweise schien dem Prof. Lolli zu sehr auf die Spitze getrieben, weßhalb er einen Artikel veröffentlichte, worin er mit nüchternen, aber recht scharf geführten Beweisen das Jrrthümliche und Gefährliche im Verfahren des gelehrten Predigers darthut, ja dafür hielt, seinen Artikel als eine Art Protestation gegen jene Behauptung gelten zu lassen. Nun, der Livorneser Prediger ist für seine Ansicht gar sehr eingenommen; und da er ein talentvoller, scharfsinniger Gelehrter und eindringlicher Schriftsteller ist, welcher seine Meinungen mit rücksichtsloser Zuversicht, und als gar keinem Zweifel unterworfen, hergiebt, so blieb er natürlich die Antwort nicht schuldig. Hierbei kommen aber weder die Leon Modena, noch die Mendelssohn, noch die Jellinek, Luzzatto und Reggio sehr glimpflich davon; natürlich herrscht er allein in unangefochtener Glorie sammt den großen kabbalistischen Lichtern auf seinein Gebiete. Leider hat man bei aller Tüchtigkeit der beiden ereiferten Kämpfer für das Wissen und die Wissenschaft noch keinen Nutzen und Fortschritt in dieser Polemik wahrnehmen können. Schade, daß solche Kräfte sich mit so undankbaren und nutzlosen Mühen abnützen. Wir stehen hier vor einem Gegensätze zwischen Mystik und lichtvoller Prüfung des Gegenstandes unserer Religion. Können sich diese je verständigen? Was hilft da Spiegelfechterei und haarspaltcnde Discussion?

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