Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1869)
- Date
- 1869-01-19
- Page
- Seite 47 (sequence 7)
- Language
- German
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47 stimmung getroffen, daß die Kriegsdenkmünzen von 1813 — 15 nach dem Tode von deren Inhabern in den katholischen und evangelischen Kirchen auf eine Tafel neben dem Namen der verstorbenen Krieger befestigt und aufbewahrt wurden. Die jüdischen Krieger überging man mit Stillschweigen. Einige Gemeinden, z. B. in Magdeburg, stellten in gleicher Weise eine Tafel mit den Namen, Orden und Denkmünzen der in ihrer Mitte verstorbenen Krieger auf. So war es früher; ist es jetzt noch so? Es scheint. Denn betreffs der Kriegsdenkmünzen von 1864 und 1866 sind an die katholischen und evangelischen Geistlichen ähnliche Weisungen erftoffen; an die Juden nicht. Jndeß hat solches Verfahren immer seine zwei Seiten; denn auf diese Weise bewahrte sich das Judenthum in Preußen bis zum Judengesetze von 1847 seine völlige Autonomie, und selbst unter diesem noch einen ziemlichen Schatten davon. — Berlin, 5. Jan. (Privatmitth.» Unsere Leser erinnern sich, daß am Ende des Jahres 1867 ein jüdischer Handelsmann aus Preußen und sein Kutscher von russischen Grenzsoldaten ohne alle Ursachen auf's schändlichste mißhandelt wurden. Die Angelegenheit führte auch zu einer Interpellation im preußischen Abgcordnetenhause. Jetzt ist nun unser Ministerium des Aeußercn von der russischen Regierung benachrichtigt worden, daß durch Urtheil des warschauer Kriegsgerichtes zwei der betreffenden Grenzsoldaten zu acht Jahren Zwangsarbeit in einer sibirischen Festung und die beiden anderen zu sechs Jahren Zwangsarbeit in den sibirischen Bergwerken verurtheilt worden sind. — So traurig es ist, daß solche Barbareien, wie die Mißhandlung jenes unschuldigen Handelsmannes, noch im Herzen Europa's Vorkommen, ebenso traurig ist es, daß die russischen Soldaten nur durch solch' schreckliche Strafen in Ordnung gehalten werden können. Berlin, im Januar iPrivatmitth.) Der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde hat folgenden Aufruf zur Unterstützung der Juden inWestrußland erlassen: „Erschütternd sind die Nachrichten, welche von Neuem uns über die traurige Lage der Juden in Westrußland von den verschiedensten Seiten zugehen. Seit 2 Jahren von Hungersnoth und Krankheiten heimgesucht, sind daselbst auch die größeren Gemeinden so sehr verarmt, daß nur noch ein äußerst winziger Theil ihrer Bevölkerung und auch dieser nur im allergeringsten Maße den Hülfsbedürftigen beizustehen vermag. Einer Menschenpflicht nur glauben »vir daher zu genügen, wenn wir die Hülfe aller Mildthätigen für die so schwer Bedrängten anrufen, um die Roth derselben möglichst zu lindern. Wir hoffen, daß der auch aus der Ferne kommende Reltungsruf in dem wohlthätigen Berlin nicht verhallen und jeder edle Menschenfreund gern bereit sein wird, sein Scherflein zur Unterstützung so schwer leidender Mitmenschen beizutragen. Gaben für diesen Zweck, über welche von uns öffentlich Rechnung gelegt werden wird, bitten wir an unseren Vorsitzenden, Herrn Stadtrath Magnus, Bellevuestr. No. 8, gefälligst gelangen zu lassen." Der „Frauen-Verein von 1833 zum Besten israelitischer Waisenmädchen" hat seinen fünf und dreißigsten Jahresbericht veröffentlicht. Wie alljährlich hat er auch diesmal im December eine Ausstellung weiblicher Handarbeiten und anderer Gegenstände veranstaltet, um deren Verkauf zu bewirken. Gegenwärtig werden zwölf Waisenmädchen durch dieses Institut erzogen. Bon den entlassenen ist eins in dem Conservatorium des Herrn Prof. Stern zur Musiklehrerin ausgebildet, eins ist Schneiderin und zwei Kindergärtnerinnen geworden. Die Einnahmen des Vereins im Vorjahre beliefen sich auf 2476 Thlr. 6 Pf. die Ausgaben auf 2283 Thlr. 5 Sgr. Außer dem Ueberschuß von 192 Thlr. 25 Sgr. 6 Pf. besitzt er Effecten im Betrage von 11220 Thlrn. Die Familie des verewigten Prof. Samuel David Luzzatto in Padua beabsichtigt, dessen hinterlassene Bibliothek en bloc oder auch partienweise an Meistbietende zu verkaufen und hat zu diesem Behufe einen 64 Seiten starken Katalog herausgegeben. Die Sammlung enthält 1) 121 Nummern Manuscripte, meist der seltensten Art, 2) Hebraica, Druckwerke bis zum Jahre 1600, worunter viele Jncunabeln und Raritäten, 274 Nummern, 3) Hebraioa nach 1600, 867 Nummern, 4) Judaica und Orientalin 615 Nummern. Der Katalog ist von dem Sohne des Verewigten, Hrn. atuä. jnr. Giuseppe Luzzatto, zusammengestellt. Offerten werden nur bis Ende d. M. von dessen älterem Bruder, Hrn. Jsaia Luzzatto in Padua, entgegengenommen. —ch.