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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-01-19 · Heft 3 (19.1.1869) · p. Seite 43

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 3 (19.1.1869)
Date
1869-01-19
Page
Seite 43 (sequence 3)
Language
German
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43 beweist, das Verständniß des Opfers ab, so daß es eben nur noch als eine überkommene Verpflichtung angesehen und ausgeführt wurde. Die Natur des Opfers war vorzugsweise eine symbolische mit zwei Hauptrichtungen, der Darbringung als Dank an die Gottheit für erhaltene Wohlthaten und als Sühne für begangene Sünden. Die Symbolik und ihr Verständniß war eben das Unmittelbare der menschlichen Einbildungskraft; sie brauchten nicht gelehrt zu werden, denn mit ihrem Ausdruck im Wort, war ihr Verständniß schon als dem menschlichen Geiste entwichen vorausgesetzt, und präsumirte bereits eine bedeutende Verstandesbildung. Wenn, um nur ein bekanntes Beispiel anzuführen, in der Thora das Anschauen der Schnur von tiefblauer Wolle an den Zipfeln der Gewänder (4. Mos. 15, 38 ff.) als das Gedenken an alle Gebote Gottes hervorrufend bezeichnet wird, so ist damit der Zweck des Symbols angegeben, aber nicht der gedankliche Zusammenhang zwischen dem Symbol und seiner Wirkung. Derartige Andeutungen finden sich auch bei dem Opferritus, verrathen uns die symbolische Natur desselben, lassen aber der Erklärung des Symbols einen weiten Spielraum. Je mehr aber Gemüth und Verstand sich entwickelten und bestimmte Vorstellungen im menschlichen Geiste hervorbrachten und forderten, desto mehr wurde die Unmittelbarkeit der Einbildungskraft abgeschwächt und das Verständniß der Symbole kam dem Geiste abhanden und ging darum verloren. Noch heute haben wir nach den verschiedensten Richtungen hin überlieferte Symbole; wir kennen ihre herkömmliche Bedeutung, nur aber wenn geschichtliche Andeutungen vorhanden sind, können wir den gedanklichen Zusammenhang zwischen dem Symbol und seiner Bedeutung herausbringen. Das Scepter in der Hand der Könige stellt uns dann den Hirtenstab vor, als die Könige noch die „Hirten der Völker" genannt und als solche gedacht wurden (Homer). So verhielt sich und ging es auch mit dem mosaischen Opfercultus. Es ist eine zu Jrrthümern veranlassende Meinung, daß er innerhalb der mosaischen Institutionen nur „eine Concession" gewesen. Eine Concession kann ja nur gemacht werden, wenn eine unabweisliche Forderung vorhanden, und das Zugeständniß, daß eine solche vorhanden, macht ihre Befriedigung zu einem wesentlichen Elemente der Institution selbst. Die Wahrheit liegt darin, daß zur Zeit der mosaischen Gesetzgebung das religiöse Geistesleben noch ganz in jener Unmittelbarkeit der Einbildungskraft wurzelte, daß aber die Tendenz und der Zweck der mosaischen Lehre und Gesetzgebung im Verstandes- und Gemüthsleben lagen, dessen Entwickelung voraussetzten und energisch förderten. Erfahren wir ja genugsam, daß das israelitische Volk noch lange nicht Verstand und Herz genug hatte, um diese Lehre zu begreifen, und dieses Gesetz zu verwirklichen, daß es noch eines Jahrtausends bedurfte, um bis zu dieser Stufe zu gelangen. Aber inzwischen ging seine Verstandes- und Gemüthsbildung vorwärts, und deren erstes Product, selbst noch vor dem Auftreten der großen Propheten des Wortes, war die Psalmendichtung, war das geflügelte Wort der Gefühle und bestimmter Anschauungen von Gott und seinem Wirken. Hiermit war es von selbst gegeben, daß das Verständniß der Symbolik des Opfercultus immer mehr abnahm, daß er zu einer Form ward, welche die religiöse Empfindung nicht mehr selbst und von Innen heraus gab, sondern nur noch von Außen nach Innen anregte, daß er darum zur bloßen Formheiligkeit führte und zu Heuchelei und falschen Ansichten verleitete. Dagegen erhoben sich die großen Propheten, Samuel an der Spitze, der streng am Opferritus hielt, aber doch ihn allein mit Gehorsam gegen die Gesetze Gottes verbunden für gottgefällig erklärte. Allein diese Polemik der Propheten und Anderer gegen den Mißbrauch des Opfercultus — während doch der zweite Theil des Buches Ezechiel eine Erneuerung desselben versuchte, welche durch die Rückkehr des Volkes zur mosaischen Institution überflüflig wurde, und die späteren Propheten nur auf die Reinigkeit der Opfer dringen — klärt uns nicht über den Werth aus, den man ihm beilegte, und noch weniger über die Bedeutung, die man in dem Gebetcultus fand. Hierüber liegen uns aber sehr ausführliche Zeugnisse vor, die wir jetzt näher in Augenschein nehmen wollen. Dieselben liegen in dem Gebete Salomos bei der Tempelweihe (2. Kön. 8.) und in dem ganzen Psalmenbucke vor uns. Was das Erstere betrifft, so brauchen wir hier auf die Streitfrage, welche die Kritiker erhoben haben, nicht einzugehen, ob die Worte wirklich so von Salomon gesprochen seien oder ob sie nach Art vieler alten Geschichtsschreiber vom Verfasser der Bücher der Könige eingelegt worden, um die Situation zu zeichnen. Es ist genügend für uns, die darin wallende Anschauung zu kennen, welche doch jedenfalls eine des jüdischen Alterthums ist. Salomon hat zum Hinaufbringen der Bundeslade aus Zion in den Tempel und zur Einweihung desselben alle Stamm- und Familienhäupter Israels in Jerusalem ver- Z*

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