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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-01-19 · Heft 3 (19.1.1869) · p. Seite 42

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 3 (19.1.1869)
Date
1869-01-19
Page
Seite 42 (sequence 2)
Language
German
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42 und Heidenthum im ersten Jahrtausend oft heidnische Riten nicht blos bei dem Volke, sondern selbst in den Tempel Eingang fanden; aber sie wurden immer wieder beseitigt, und zuletzt der mosaische mit aller Strenge und in seiner Reinheit hergestellt und mit gleichem Eifer bis zur letzten Stunde der Existenz des Tempels vollführt. Im Gesetze der Thora findet sich keine Spur, daß mit dem Opfercultus irgend ein Gebetcultus oder nur ein musicalisches Element verbunden gewesen. Die Priester sprachen eine vorgeschriebene Segensformel, und nur bei Uebergabe der Erstlinge war dem Individuum eine Bekenntnißformel vorgeschrieben, die mit einem Bittwort endigte. Was sich über das Beten in der Thora findet, brauchen wir hier nicht weiter zu erörtern und können auf unsere Artikel hierüber in einem früheren Jahrgange verweisen. 4. Mos. 10, 1 ff. wird vorgeschrieben, daß zwei silberne Trompeten gemacht werde» sollen, mit denen die Priester die Versammlung der Fürsten und des Volkes berufen, zum Aufbruch der Lager, und an den Freuden-, Fest- und Neumondstagen bei den Opfern blasen sollten. Allerdings sehen wir Beispiele, daß bei großen Ereigniffen Siegeshymnen verfaßt und gesungen wurden, aber es geschah dies, so weit wir darüber Nachricht haben, außerhalb des Heiligthumes und inmitten des Volkes selbst. So verblieb es bis zu David's und Salomo's Zeit. Als David die Bundeslade nach dem in Zion errichteten Heiligthume brachte, wurden zahlreiche Opfer dargebracht, aber zugleich „mit Zithern und Harfen, mit Pauken, Klingeln, und Zymbeln" musicirt (2. Sam. 6, 5. 14). Als Salomo den von ihm erbauten Tempel einweihte, wurden zahllose Opfer gebracht, von Musikbegleitung verräth sich nichts, wohl aber hält Salomo längere Gebete voll Innigkeit und Wärme. Es erscheint also hier zum ersten Male der Opfercultus im Vereine mit Musik und Gebet. Daß die Musik eine frühe und bedeutende Entwickelung bei dem israelitischen Volke gehabt, die aber erst von Davids Zeit an von besonderem Schwung und Ausbildung wurde, dafür sprechen alle Zeugniffe. Auf David und Salomo wird denn auch die Jnstituirung von geschulten Levitenchören, welche im Tempel Psalmen sangen, zurückgeführt.*) Daß später regelmäßiger Psalmengesang im Tempel stattfand, ist nicht abzuleugnen. Dafür sprechen Psalmen selbst, z. B. *.) Siehe 1. Ehr. 23 ff. Die Einwände, die dagegen erhoben worden, und wie sie zu beanworten, siehe in unsrem Commentar zur Stelle besonders 1046. 118, 26—29, wo der Psalm aus dem Tempel denen segnend und heilbegrüßend entgegenquillt, welche in das Heiligthum eintreten, und die Festopfer mit Gesang bis an die Hörner des Altars geleitet werden. Ebenso Psalm 134, wo die, welche „im Hause des Ewigen in den Nächten stehen," zum Gebet und Lobpreis im Heiligthume aufgefordert werden. So überliefert uns auch der Schluß der Mischna Thamid, wann von den Leviten gesungen ward und welche Psalmen regelmäßig gesungen wurden (7, 3. 4). — Andere Nachrichten sagen uns, daß von den während des zweiten Tempels entstandenen Gebetformeln einige, wenn auch in kürzerer und anderer Form, während des Morgen- und Abendopfers auch im Tempel recitirt wurden (Thamid 3, 1). — Wir sehen demnach, daß bis zur David-Salomonischen Zeit der Opfercultus ganz allein bestand, ohne musicalische unu gebetliche Begleitung, so sehr, daß das Beten des Individuums selbst im Heiligthume auffiel (1. Sam. 1, 13.) — daß aber von der gedachten Zeit an zwar der Opfercultus den eigentlichen und officiellen Gottesdienst ausmachte, aber mit Musik, Gesang und Gebet nach und nach verbunden erscheint. Wir können hier nicht unterlassen, die Bemerkung einzuschalten, daß es abermals ein Beweis gegen die Ansicht der jetzigen Kritiker über die Abfassung der Thora ist, daß in derselben der Opferritus ohne alle Musikbegleitung und Verbindung mit Psalmen instituirt wird. Es wäre dies im achten Jahrhundert nicht mehr möglich gewesen, wo Musik und Psalmendichtung bereits einen so großen Aufschwung genommen und eine Stelle im Tempel selbst gefunden hatten. Dies wäre also das factische Verhältniß; allein dies klärt uns über die ideelle Seite dieses Verhältnisses noch nicht auf. Wir haben noch das wichtigere Moment zu erörtern, welche Anschauungen über die Bedeutung der beiden Cultusformen vorhanden und vorherrschend gewesen. Wir wollen hier auf den geistigen Inhalt des Opfercultus nicht näher eingehen. Die Unmittelbarkeit seines Ursprungs im höchsten Alterthume des Menschengeschlechts erweist, daß er eben aus der ursprünglichen Beschaffenheit des Menschengeistes entstanden ist. Leicht zu erkennen ist es, daß diese Geistessphäre weder die des Verstandes, noch die des Gemüthes, sondern die der Phantasie gewesen. Denn mit dem sich entwickelnden Gemüths- und Verstanvesleben drängte es den Menschen nach dem klaren Ausdruck im Wort, und nahm, wie die Geschichte

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