Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1869)
- Date
- 1869-01-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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33. Jahrgang. Allgemeine M 3 Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philipps«« in Bonn. Leipzig, den 19. Januar 1869. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 2Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig 1 Thlr. Inserate werden mit i '/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das Königl. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Die gottesdienstlichen Fragen. VI. — Liter arisch er Wochenbericht: Bonn. Zeitungsttachrichten: Deutschland: Berlin, Leipzig, Aus der Provinz Posen, Vloto. O e st e r r ei ch i s ch e r Kaiserstaat: Wien, Pest. Donaufürstenthüm er: Bukarest. Frankreich: Paris. Italien: Nom, Aus Oberitalien. Amerika: Aus Nordamerika, New Jork. Feuilleton-Beilage: H. Heine von Strodtmann. — Erinnerungen. — Kleine Mittheilungen. Leitende Artikel. Bonn, 10. Januar. Die gottesdienstlichen Fragen. VI. «Fortsetzung.» Unsere eigentliche Frage ist hier also: welches war das gegenseitige Verhältniß des Opfercultus und des Gebetcnltüs im jüdischen Alterthnm? wie wurden beide in ihrem Werthe aüfgefaßt und verstanden? Bei allen alten Völkern findet sich der Opfercultus, und zwar als die ursprüngliche Form der Gottesverehrung, des Gottesdienstes. Jede Nation bildete sich denselben in eigenthümlicher Weise aus; in einzelnen ^Nationen ward er zu einer großen Mannigfaltigkeit gebracht; selbst der Opfercultus der einzelnen Gottheiten hatte mehrfache Formen; manche dieser Forinen war Eigenthum eines Geschlechtes, einer Familie, wie z. B. in Athen von den alten Geschlechtern fast jedes im Besitze eines besonderen alterthümlichen Opferritus war und daher einen priesterlichen Character hatte. Auch die Vorfahren der Hebräer hatten Opfercultus, und dieser zeigte sich frühzeitig im Widerspruch mit anderen Völkern, wie 2. Mos. 8, 22. Moses in Aegypten zu opfern verweigert, weil die Hebräer opferten, was den Aegyptern Abscheu einflößtc, nämlich solche Thiere, welche die Aegypter als Götter verehrten und deren Tödtung sie mit dem Tode bestraften. Diesem Opfercultus gab das Gesetz in der Thora eine sorgfältig geordnete Form, die sich in wesentlichen Zügen von allen heidnischen Opferriten unterschied. Es ist merkwürdig, daß, während das mosaische Gesetz in politischer und socialer Beziehung eine vollständige Decentralisation in Stamm- und Ortsgemeinde aufstellte, es in cultueller Beziehung energisch die Centralisirung anordnete. Das ganze Volk sollte nur eine Opfercultusstätte haben, der eigentliche Ritus wurde für die ganze Nation instituirt, und die Opferthierarten auf vier beschränkt; das Individuum hatte nur als Glied der Nation daran Theil; nur bei bestimmten Vorgängen und Vergehungen war ihm ein Opfer als Reinigungsmittel, als Wiederherstellung seines Verhältnisses zum Heiligthmne auferlegt, und alle anderen Gaben waren seiner Freiwilligkeit überlassen. Dieser Opfercultus blieb denn auch bis zur Zerstörung des zweiten Tempels bestehen. Es versteht sich, daß während der großen Periode des Schwankens zwischen Gotteslehre