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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-01-12 · Heft 2 (12.1.1869) · p. Seite 38

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 2 (12.1.1869)
Date
1869-01-12
Page
Seite 38 (sequence 18)
Language
German
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38 setzte, war die Verwirklichung des weisen Spruches Tvn bstü seine Bescheidenheit gränzte an Demuth und hat seinem Character das Siegel des Vortrefflichen aufgedrückt. Mit außerordentlicher Theilnahme ward ihm auch die letzte Ehre erwiesen. Ein großer Zug mit ganz besonderer Feierlichkeit folgte seinem Sarge. Am Grabe sprach Schreiber dieses Worte, welche die Anwesenden alle seine Verdienste, seinen Character und die Größe des Verlustes für unsere Gemeinde würdigen und betrauern lehrten, -p^ruzra nbi yna&n by ban: Die Alten gehen dahin, lassen große Lücken in der Reihe der ersten Vertreter der Wissenschaft des Judenthums zurück, o daß doch die jüngere Generation strebe diese Lücken auszufüllen*). Mit au, Novbr. 1868. S. Puch er, Rabbiner. Aus dem Jahre 1848 In den letzten zwei Jahren sind von dem als Culturhistoriker nicht unrühmlich bekannten I o h a n n e s S ch err zwei sehr eigenthümliche Schriften erschienen.**) In der ersteren behandelt er einige frühere historische Momente, in der zweiten beleuchtet er die ewig denkwürdigen Ereignisse von 1848 — 1851 auf dem europäischen Continente. Der Verfasser stellt sich als der radicalste Pessimist dar, der dem ausgesprochensten Buddhisten, dem strengsten christlichen Anachoreten und Kohelet in seinem äußersten Ausspruch: „Eitelkeit der Eitelkeiten, Alles ist eitet!" an der Seite steht. Seine Ansicht geht darauf hinaus: Alles ist Krieg Aller gegen Alle, Schein und Betrug — und aus diesem Gesichtspunkte betrachtet er die Ereignisse der gedachten Jahre. Wir brauchen nicht zu bemerken, daß diese Ansicht auch nichts weiter als eitel, Schein und Trug ist. Denn die Menschenwelt bietet noch immer weit mehr Arbeit Aller für Alle, friedlichen Austausch und Hingabe unter Allen, und könnte ohne dies keinen Augenblick bestehen. Hinter dem Schein ist doch auch ein sehr kräftiges Sein gelegen, und der Trug wird nur darum so viel betrieben, weil dennoch Wahrheit und Recht die eigenthümlichen Lebenspunkte, Triebfedern und Ziele des Menschengeschlechtes sind. Die Erde und der Mensch auf dieser sind weder zum Himmel noch zur Hölle gemacht, und wie in der Natur auf der Erde sich Schönes und Häßliches, Wärme und Kälte, Festes und Flüssiges, Angenehmes und Unangenehmes, Befruchtendes und Zerstörendes mischen und vereinigen: so auch im Menschen *i Die Trauerrede des Rabb. Pucher ist im Druck erschienen und stellt das Bild des Verewigten in den würdigsten Zügen dar. Redact. **) „Aus der Sündftuthzeit." Leipzig, Wigand. 1867. „Von Achtundvierzig bis Einundfunfzig." Eine Komödie der Weltgeschichte. Erster Band. Wigand, Leipzig, 1868. Wahrheit und Trug, Recht und Unrecht, Arbeit und Genuß, Tugend und Sünoe. Wer hiervon nicht ausgeht, wer die Dinge nur von der einen Seite betrachtet, der verfällt in Jrrthum, in Verbitterung und Verketzerung, und selbst in Schein und Trug. Wer nicht begreift, daß trotz alledem die Menschheit außerordentliche Fortschritte zur Wahrheit, zum Reckte und Frieden gemacht hat und macht, sieht die Menschenwelt durch schwefelgelben Dunst, wie der Idealist durch rosenrothen Nebel. Hier und da muß denn auch Herr Scherr nicht wider seinen Willen, aber wider seine Absicht das Bessere eingestehen. Er sieht in dem Menschen nur die schlecht gezähmte Bestie, und doch bewundert er die edle Uneigennützigkeit des Volkes in den Februartagen zu Paris, in den Märztagen zu Wien und Berlin, mit der es seine Gegner schonte und die größten Kostbarkeiten und Reichthümer unangetastet ließ. Sonst aber sieht er überall nur Schwäche, Mängel, Fehler, Ohnmacht, belächelt und beschimpft es, und glaubt, Jedem eine Maske und Larve abgerissen zu haben. — Dennoch würde man irren, wenn man diese Schriften für langweilig oder für gefährlich erachtete. Der Verf. hat Geist und Witz, und wenn er nicht zu viel nach ungebräuchlichen und oft abstrusen Wörtern haschte und seinen Periodenbau vernachlässigte, würde er gut schreiben. Er besitzt Kraft und Schärfe, und was er sagt, amustrt; seine Entwickelungen sind spannend; von Parteistandpunkten sieht er ab. Gerade darum ist auch in mancher Beziehung das Lesen der beiden Schriften nützlich, da der Verf. nicht von einem Parteistandpunkte aus überschwenglich lobt oder tadelt, sondern aus seiner Anschauung heraus Alles tadelt, und dies ist wiederum überall so stark betont und aufgetragen, daß man es leicht durchschaut und nicht nachhaltig davon beeinflußt wird. Es versteht sich, daß, da er hier und da auch auf die Juden kommen mußte, er diese nicht glimpflicher behandelt, als alle Anderen; bei all seiner barokken Weise zeigt er keinen besonderen, spezifischen Haß gegen die Juden, keinen Haß, wenn auch Borurtheil. Er schlägt auf alle Völker los, am meisten aber auf die Engländer und Deutschen. Die Letzteren stellt er mit den Juden zusammen. Er sagt über beide: „Aber woher rührt denn das Unheil, daß die Deutschen in der Politik ohne Schick und Takt, ohne Spontaneität und Initiative, ohne eigenwüchsigen Willen und elementare Thatkraft sind? Daher, daß sie von Anfang an ein theologisches Volk waren und bis zum heutigen Tage blieben, d. h. ein Volk, dessen höchstes Sinnen und Minnen nicht der „gemeinen Wirklichkeit der Dinge," sondern den eingebildeten „Urformen" galt und gilt, stets bereit, das Wort der That vorzuziehen und für Phantome Wesenheiten hinzugeben. Falls aber des römischen Poeten bekanntes Sprüchlein : ,,So]amen miseris socios liabuise malorum“ — (dem Unglücklichen ist es ein Trost, einen Genossen

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