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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-01-12 · Heft 2 (12.1.1869) · p. Seite 30

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 2 (12.1.1869)
Date
1869-01-12
Page
Seite 30 (sequence 10)
Language
German
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so Sitzung vom 29. Deeember. Es hatten sich die Congreßmitglieder 'in den Parteiconferenzen geeinigt, zur Beruhigung der Orthodoxen, wenn dieselben ihre Anträge zurückziehen, auch fortschrittlicherseits alle auf das Seminar abzielenden Amendements fallen zu lassen. Demgemäß entsagten auch die meisten der eingezeichneten Redner dem Wort, und nur Wenige hielten dem Geheule und Gejohle gegenüber wacker Stand und ließen sich nicht einschüchtern. Bei Aufnahme der Tagesordnung verzichten bei 20 Redner, welche sich zur Debatte hatten vormerken lassen, aufs Wort. Rabbiner Di-. Kohnn aus Fogaras will gegen den Antrag sprechen. Die ganze Versammlung versucht ihn mit dem Rufe „eläll“ zu übertöuen. Es herrscht großer Lärm in demselben. Präsident bedauert, daß die gewohnte Ruhe heute hier nicht herrsche, und weist auf das Unstatthafte des Vorganges hin, einen Redner moralisch oder gar durch physische Mittel daran zu behindern, seine Ueberzeugung auszusprechen. Allein auch diese Mahnung genügt nicht zur Wiederherstellung der Ruhe, und Herr Rabbiner Or. Kohnn sieht sich endlich nolens volens gezwungen, von der beabsichtigten Rede abzustehen. Es werden die weiteren vorgemerkten Redner aufgerufen. Die Meisten derselben verzichten aufs Wort. Dies Alles wurde umwogt von einem entsetzlichen Lärm, der selbst das Sturmläuten des Präsidenten übertönte. Nack langer Zeit wurde endlich die Ruhe wiederhergestellt, und Pappen heim überreicht einen neuerlichen Protest gegen den §. 08 der Geschäftsordnung, indem er sich gleichzeitig gegen die Errichtung eines Rabbiner-Seminars verwahrte. Es wurde nun abgestimmt und wurde der Antrag auf Wahl dreier Commissionen nahezu einstimmig angenommen, die Wahl der Commissionen aber für morgen auf die Tagesordnung gesetzt. Sitzung vom 30. December. Die heutige Sitzung war unbedeutend und von kurzer Dauer. Der Antrag Mittelmanns auf Verlegung der am Samstag abgehaltenen Wochenmärkte auf einen anderen Tag wird nicht verhandelt, sondern in geschlossener Sitzung erledigt werden. Ignaz Barnay, Referent der Budget-Commission, liest den Bericht derselben vor. Die Commission hat sich zunächst über das Princip geeignet, daß den Deputirten Diurnen ausgezahlt werden, die von Niemandem zurückgewiesen werden dürfen. Die Diurnen sind auf fünf Gulden täglich festgesetzt; außerdem erhält jeder Deputirte dreißig Gulden Quartierpauschale. Die Diurnen und Quartiergelder werden vom IO. d. an gefangen bis zum Ende des Monats und von da weiter halbmonatlich und nachträglich ausgezahlt. Für die Zeit der nach erlangtem Urlaube eingetretenen Abwesenheit der Deputirten werden die Diurnen abgezogen. Die erforderlichen Gelder werden dem israelitischen Landesschulfonds als Darlehn entnommen. Als Modus der Zurückzahlung wurde bestimmt, daß der Gesammtbetrag und die sechspercentigen Zinsen auf die Wahlbezirke nach Maßgabe der von denselben entsendeten Congreß-Deputirten repartirt und binnen zwei Jahren zurückgezahlt werden. Die Kosten des Congresfes belaufen sich für die Zeit vom 10. bis 31. l. M. auf 31,598 fl. (!) Die Verhandlung über diesen Bericht wurde gleichfalls der geschlossenen Sitzung Vorbehalten. Nach einer kurzen Pause wurden die Stimmzettel zur Wahl der Gemeinde- und der Schulcommissiou abgegeben. Characteristisch ist, daß in die Schulcommission fünf Rabbiner, neunzehn Kaufleute und sage Ein Schulmann gewählt wurden. Ebenso für die Wahlstatut- und Hausordnungs- Commission. Sodaan verwandelt sich die Sitzung in eine geschlossene. Dieselbe dauert bis Nachmittags zwei Uhr, erzielte jedoch bezüglich keiner einzigen der ihr vorbehaltenen Fragen ein Resultat. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 28. Decbr. Wir haben in vor. Nummer die Adresse mitgetheilt, welche eine Deputation aus Königsberg im Namen und Aufträge von fast sämmtlichen Synagogengemeinden der Monarchie dem Abgeordneten L)r. Kosch hier überreicht hat. Es erübrigt noch, die Erwiderung mitzutheilen, welche Herr Dr. Kosch der Deputation auf ihre herzliche Ansprache gegeben hat;, dieselbe lautet: „Durch Ihr persönliches Erscheinen haben Sie mir

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