Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 2 (12.1.1869)
- Date
- 1869-01-12
- Page
- Seite 29 (sequence 9)
- Language
- German
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29 gen werde. Die kroatischen Munizipien haben schon vor zwei Jahren die Bereitwilligkeit hierzu an den Tag gelegt. Der Congreß könnte in dieser Angelegenheit entweder nur petitivniren oder nrgiren. Petitionirt haben die Israeliten Ungarns selbst in ihrer eigenen Angelegenheit nicht, und zu urgiren hat der Congreß kein Recht. Sv viel über den ersten, auf die Gleichberechtigung der kroatischen Israeliten bezüglichen Theil des Antrags. — Was die beabsichtigte Berufung derselben zum Congreß anbelangt, so könnte diese nur auf Grund der Gleichberechtigung geschehen, deren die Israeliten in Kroatien und Slavonicn zur Stunde noch entbehren. Jeder Einfluß, welchen der Congreß in dieser Angelegenheit ausüben wollte, würde den Betreffenden eher Verlegenheiten bereiten, als ihnen einen Dienst erweisen. Die Giltigkeit der Cvugreßbeschlüsse auf die Israeliten Kroatiens und Slavoniens auszudehnen, dazu habe der Congreß kein Recht. Jndeß wäre es schmerzlich, wenn man über den vorliegenden Antrag stillschweigend zur Tagesordnung übergehen sollte; ihr jüdisches Herz gestattet den Versammelten nicht den einfachen Uebergang zur Tagesordnung. Deshalb beantragt der Redner die motivirte Tagesordnung, l Lebhafter Beifall.) Nach ausgesprochener Gleichberechtigung, schließt Redner, wird es gewiß uns alle freuen, unsere Brüder aus Croatien und Slavonien an unseren Berathungen theilnehmen zu sehen. vr. Rözsa i und C. L. Rosner schließen sich der Ansicht des Oberrabbiner Steinhardt an, ebenso Oberrabbiner Weiße aus Neustadt! a. d. Waag, welcher die Debatte mit einer launigen, beifällig aufgenommenen Rede beschließt. Redner bezeichnet den Congreß als ein unter Schmerzen gebornes uns allen theures Kind, „welches wohl ganz besonders lebenskräftig sei, sich im Anfänge aber noch ein wenig störrisch geberde, und sich namentlich das linke Händchen nicht einwickeln lasten wolle. Zu einem solchen Kinde könne man die kroatischen und flavonischen Brüder nicht laden. Wenn aus dem Kinde aber einmal ein gesunder braver Junge geworden sein werde, dann soll es uns freuen, wenn auch die Kroaten und Slavonier dasselbe besuchen kommen." Die noch vorgemerkten S Redner sowie der Antragsteller verzichteten aufs Wort, und es wurde die von Oberrabbiner Steinhardt vorgeschlagene motivirte Tagesordnung angenommen. Schluß der Sitzung 1 Uhr Nachmittag. Sal. Blum. Sitzung vom 23. December. Die Sitzung wurde mit langen unfruchtbaren Debatten und später sämmtlich verworfenen Amendements über die Frage der zu wählenden Schulrc. Cominissioncn ausgefüllt. Sitzung vom 28. December. Es liegt vor ein Antrag auf die Wahl von drei 25er Commissionen für Schul und Gemeinde-Organisation und für ein neues Wahlgesetz. Zu diesem Anträge sind nicht weniger als zehn Ammendements angemeldet. Heinrich Deutsch plaidirt für den Antrag in dessen ursprünglicher Fassung und beantragt, die 25er-Schulcommission solle auch über die zu errichtenden jüdischen Mittel- und Hochschulen berathen. Salomon Beutum beantragt, der Congreß solle vorläufig blos über das Schul- und Gemeindestatut berathen, das Wahlstatut aber erst dann in Verhandlung gezogen werden, wenn der Congreß Garantien dafür bietet, daß er kein parteiisches Wahlstatut schaffen wird. Di'. Sidon sagt, es gebe keine Parteien; die Religion sei Jedem heilig, llebrigens sollen sich die Orthodoxen vor einem parteiischen Wahlgesetze nicht fürchten, da ja die öffentliche Meinung des Landes orthodox ist. Rabbiner Hildes heim sagt, die Volksschule sei eine selbständige Anstalt. Sie habe keine Rücksicht zu nehmen auf eine eventuelle Talmudschule, sondern habe blos die Aufgabe tüchtige Staatsbürger heranzubilden. Cvloman Weiß sagt, weder das Präsidium noch das Cultusministerium sei competent, in religiösen Fragen zu entscheiden. Es solle eine Rabbiner-Synode einberufen werden, die dem Congreß seinen Wirkungskreis vorschreibe. Kohut will für die Seminarien eine eigene 25er- Commiffion wählen lasten. Albert Friedlieber sagt, es solle hierbei auf die Parteischattirungen Rücksicht genommen werden. Dem gegenüber erklärt nun Rabbiner Kohn, daß es im Cougresie keine Parteien gebe. Es wird nun Schluß der Sitzung beantragt und angenommen. 2