Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 2 (12.1.1869)
- Date
- 1869-01-12
- Page
- Seite 28 (sequence 8)
- Language
- German
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28 im Abgeordnetenhause bedarf. Denn gerade bü dieser Debatte war Orr und Zeit geeignet, in der Wider legnng der die Juden als Hinderniß der confeffionölvseu Schule hinstellenden Rede des Herrn v. Mühler die einschlägigen Principien des Judenthums hervorzuheben und somit zu zeigen, wie nicht die Inden, sondern die Anschauung des Ministers von der Religion rein und allein der Stein des Anstoßes sei. 4. Daß es somit noch keinesweges an der Zeit ist, den Berns Israels in der Geschichte als erfüllt und die Erinnerung an denselben und seine Erwähnung in den Gebeten als obsolet zn betrachten; daß vielmehr dringender als je die Mahnung an uns herantritt, Zeugniß abzulegen von der humanen, menschon- und völkerverbindenden Aufgabe des Judenthums, stets von Neuem laut zu verkünden und nach Innen wie nach Außen zu bethätigen, daß es eine Blasphemie ist, um der Religion Willen und in ihrem Namen die Menschen zu Lreiuiell und an der Erreichung ihrer höchsten, von den Propheten erschauten Ziele zu behindern; daß die Religion nicht Selbstzweck, sondern ein Mittel zur Veredlung des Menschengeschlechts ist. Dr. Buchhvlz, Rabbiner. Neu-Berbaß, 27. December. Der ungarisch-israelitische Congreß. in. Ränke der „Glanbenswächter." Den Bericht über die Sitzung vom 21. Dec. glauben wir am besten mit folgender Kennzeichnung des Vorgehens der „Glaubenswächter" durch den „Wanderer" zu beginnen. „Sv ungebildet die orthodoxen Mitglieder dieser Versammlung sind, ebenso schlau find sie. Jede bis heute stattgehabte Sitzung wurde zum Legen einer Mine benützt und nur der Takt des Präsidenten hat bisher einen Conflict hintangehalten." Der orthodoxe Rabbiner Frankel aus Zsmnbokrst macht den Anfang und drückt den Wunsch aus, daß der Congreß Wege finde, damit die Majorität die Linke nicht „bcsizen könne." Albert Friedlieber aus Ujhely (ebenfalls Schomrehadathler) beantragt hierauf die Aasarlrikwg einer neuen Geschäftsordnung, da die vom Congreß bisher benutzte eine von der Regierung aufoctroyirte sei. Der Präsident wies ihn aber mit folgenden Worten zurück: „Wir haben eine Geschäftsordnung und ein Wahlstatut zu schaffen, welche für die zukünftigen Versammlungen der ungarischen Israeliten giltig sein sollen. Wir haben aber nicht die Aufgabe, eine Geschäftsordnung für den gegenwärtigen von Sr. Exc. dem Eultusminister auf Basis des uns aufoctroyirterr Wahlstatutes zusammengerufenen Congreß zu verfertigen." s Unsere Rückschrittler können es nicht verwinden, daß sie die Minorität im Congreffe bilden, und daß die Fortschrittspartei nicht so tanzen will wie sie pferfen.) Der Antrag betreffs der Israeliten deS dreieimgen Königreichs. Die Hauptzeit der Sitzung vorn 22. fiel abermals den Kniffen einiger „Glaubenswächter" zum Opfer. Israel Grün, der Ultramantone von jenseit des Kirülyhägo lBerg zwischen Ungarn- und Siebenbürgen), muthete dem Congreffe in einem Anträge zu, derselbe möge seine Wirksamkeit bloß auf die Abfassung eines Wahlstatuts für einen fünftigen Congreß beschränken, da der gegenwärtige Congreß, als auf Grundlage eines octrvyirten Wahlstatuts zusammengetreten, seiner Ansicht nach der gesetzlichen Basis entbehre; ebenso versuchten Rabbiner Frankel, Markus Wolf und Oberrabbiuer Hildesheimer, neuerdings gegen die Geschäftsordnung des Hauses Bresche zu schießen. Es entstand eine lange leere Debatte, die mit dem Uebergange zur Tagesordnung endete. Außer der Wahl einer Commission zur Prüfung des Diariums und einer Petitionseommission kam noch in dieser Sitzung der auf die politische und bürgerliche Gleichberechtigung der Israeliten Croatiens und Slavoniens, sowie auf deren Theilnahme am Congreß bezügliche Antrag des Dr. Rocken stein zur Verhandlung. Der Antragsteller motivirte seinen Antrag in einer länger» Rede und versuchte darzuthun, daß der Congreß die Verpflichtung habe, für das Recht der Glaubensbrüder im dreieinigen Königreich einzustehen. Oberrabbiner Steinhardt ans Arad ergriff hierauf das Wort unv erklärte, daß er, so schwer ihm dies auch falle, ge ge kl diesen Antrag sprechen müffe. Es sei nicht anzunehmen, daß die kroatische Nation, welche in der lchten Zeit solche Beweise politischer Reife gegeben, die Idee der Gleichberechtigung nicht zur Geltung brin»