Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 2 (12.1.1869)
- Date
- 1869-01-12
- Page
- Seite 26 (sequence 6)
- Language
- German
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26 Sonnabend? Dann wäre sie ungerecht gegen die Juden. Soll sie nur die evangelischen und katholischen und nicht die besonderen Feiertage der Juden feiern? AuL dies wäre ein Unrecht gegen die Juden! *) D, über diese Gerechtigkeitsliebe des Herrn v. Mühler! Diese zarte Rücksicht gegen die Juden! Wie strömt von seinen Lippen der Eifer für das Recht der Juden! Wie empört sich sein edles Herz bei dem Gedanken an ein Unrecht gegen die Juden! O, ihr Undankbaren und Verblendeten, die ihr einen solchen Mann anzugreifen wagt, die ihr ihn gern beseitigen möchtet aus dem Rathe der Krone, diese Säule des Rechts! Diese Zufluchtsstätte für das gekränkte Recht der Juden! — Freilich einem jüdischen Realschullehrer, der zur größten Zufriedenheit des christlichen Directors und Schulraths wirkt, die definitive Anstellung hartnäckig versagen, das ist in den Augen des Herrn v. Mühler kein Unrecht gegen die Juden, denn es können doch unmöglich zwei definitiv angestellte jüdische Lehrer an einer und derselben christlichen Schule wirken! Den jüdischen Candidaten der Philologie und des höheren Lehramts die Aussicht auf gleichberechtigte Anstellung mit ihren nichtjüdischen Commilitonen verschließen, das ist für das Rechtsgefühl unseres Herrn Cultusministers keineswegs ein Stachel. Denn warum studiren sie Philologie? Einer jüdischen Realschule, die ob ihrer vorzüglichen Leistungen auch von christlichen Schülern besucht wird, diese zu rauben, indem man mit Verkürzung ihrer Rechte droht, sobald sie es wagen sollte, auch fernerhin christliche Schüler aufzunehmen, das ist heiliges, göttliches Recht, ad majorein dei gloriam, das doch ohne Frage dem Rechte der Juden voransteht! Zwar widerlegt die bisherige Praxis dieser Realschule eine Theorie des Herrn Ministers aufs gründlichste, indem man noch nicht gehört hat, daß ihre nichljüdischen Schüler weniger gute Christen seien, als die anderer Lehranstalten; allein haben diese Schüler denn schon in einer Prüfung des Herrn Pastor Kuak bestanden? Laßt nur erst in Frankfurt die Schulvisitationen ä la Berlin in Schwung kommen! sieben dem Rechte der Juden ist es das Eigenthumsrecht der christlichen Jugend, welches der Herr Cultusminister v. Mühler durch die confesfionslosen Schulen nicht verletzen lasten will. „Bei den Prüfungen in lin- *) Und wie verhält es sich für die Juden in den confessionellen Schulen, die sie aus Mangel an anderen Lehranstalten besuchen müssen? Die Red. serer Schule ist es üblich am Schluß das Lied: „Nun danket Alle Gott" zu singen, was gewiß keinen exclusiven confessionellen Character trägt; dieses Lied enthält in seinem dritten Verse ein Bekenntniß zu dem dreieinigen Gotte. Wenn die Schule nicht mehr christlich, wenn sie confestionslos sein soll in dem Sinne, daß auch jedes nichtchristliche Bekenntniß volle Gleichberechtigung haben muß, dann darf auch dieses Lied nicht mehr gesungen werden. Sie berauben also die Jugend dieses Liedes." Wenn ein Schüler in einem deutschen Aufsatze einen solchen Satz schreibt, wie der Herr Minister für Cultus, Unterricht rc. rc. ihn hier gesprochen, so muß jeder logisch denkende Lehrer denselben wegen seiner Widersprüche unterstreichen. Denn zuerst trägt das Lied: „Nun danket," oder das Singen desselben am Schlüsse der Prüfungen keinen exclusiven confessionellen Character, und gleich darauf enthält es in seinem dritten Verse ein Bekenntniß des dreieinigen Gottes, ist also doch exclusiv gegen Alle, die nicht an diesen dreieinigen Gott glauben, ja sogar so exclusiv, daß diejenigen, welche die confessionslose Schule wollen, die Jugend dieses Liedes berauben! Ist das nicht ein schreckliches, raubsüchtiges Verlangen? Ein horrendes sacrilegium! Kann die Wahl wohl zweifelhaft sein? Auf der einen Seite: Bereinigung der Jugend aller Confessionen in den Schulen vor Lehrern aller Confessionen ohne trennenden Unterschied; Hinwegräumung menschenschändender Vorurtheile mit der Wurzel und von Grund aus; Begründung der Humanität an den Bildungsquellen des Volkes! auf der andern Seite aber: Verlust des Liedes: Nun danket Alle Gott am Schluffe der öffentlichen Prüfungen! Wer wagt es nun noch, für confestionslose Schulen zu sprechen? — Es wäre in der That zum Lachen, wenn es nicht aus dem Munde dessen käme, der die Macht hat, dessen Gründe, ob noch so hinfällig, leider doch den Sieg davon tragen.— Allein über diese Rede des Ministers, so betrübend und uiederschlagend sie für uns auch ist, könnte man sich doch noch mit der Hoffnung auf den Wechsel alles Irdischen trösten, dem ja auch ein Cultusmiuister unterworfen ist. — Sind wir doch von den Cultusministern unseres Vaterlandes in Betreff unserer Angelegenheiten überhaupt nicht allzusehr verwöhnt! Wir haben bis jetzt kein Glück gehabt in dieser speeies von Ministern. Selbst der dem liberalen Ministerium ungehörige v. Bethmann-Hollweg hat sich bei einer ähnlichen Debatte durch das dictum unsterblich gemacht: „Das Judenthum ist verfolgungssüchtig!" — Von grö-