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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-01-12 · Heft 2 (12.1.1869) · p. Seite 23

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 2 (12.1.1869)
Date
1869-01-12
Page
Seite 23 (sequence 3)
Language
German
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wegte." — Dennoch will Joel nicht darauf ein gehen, sondern zu dem Auskunstsmittel greifen, am Sabbathmorgen nur einen Theil der Sidra, den Rest an den drei Zeiten lesen zu lassen, wo sonst noch Vorlesung aus der Schrift stattfindet. Wir haben uns bereits gegen dieses Auskunftsmittel erklärt, und müssen es heute noch entschiedener. Dasselbe ist viel antitalmudischer als der dreijährige Cyclus, wie Herr Dr. Joel selbst weiß (vgl. Megilla 31b.), mehr gegen den Gesammtgedanken der Vorlesung, der diese vorzugsweise dem Sabbathmorgen zuertheilte und dem Sabbathnachmittag, dem Montag und Donnerstag nur Wiederholungen gab. Ganz besonders aber ist der Grund entscheidend, daß auf diese Weise dem größten Theile der Synagogenbesucher die Thora nur in bestimmten einzelnen Stücken, und zwar jedes Jahr den selbigen Stücken, zur Vorlesung käme; denn wie es um den Besuch des Sabbathnachmittags und gar des Montags und Donnerstags in den überaus meisten Synagogen steht, brauchen wir nicht erst zu bemerken, und die Folge wäre, daß jetzt an den meisten Orten die übrigen Theile der Sidra garnicht verlesen würden. — Die Haftora auch aus den Chethubim zu entnehmen, ist nicht nach dem Sinne unseres Verfassers. Er beruft sich dies Mal auf die mischnische Vorschrift und auf den Segensspruch. Ob er in dieser Weise consequent vorgeht, ob es keine Willkür ist, einmal gegen die Lalmudische Ansicht, einmal ihr gemäß zu entscheiden, wollen wir unerörtert lassen. Wenn er aber als Grund jeder Veränderung die zwingende Macht eines Gedankens fordert, damit sie nicht als ein sie volo sic jubeo erscheine, so müssen wir uns bei dem vorliegenden Gegenstände sehr über ihn verwundern. Schon in Cassel wurde mit großer Lebhaftigkeit und fast mit Einstimmigkeit anerkannt, daß gerade der Gedanke, der die Vorlesung der Thorah und die Vorlesungen aus den Propheten begründet, durchaus auch zu Vorlesungen aus den Chetubim zwingt: nämlich der, dem Volke die h. Schrift im Bewußtsein zu erhalten und es im Zusammenhänge mit derselben immerfort zu stärken und zu befestigen. Dies ist der gedankliche Grund aller dieser Vorlesungen, und dieser nothigt in seiner Eonsequenz auch zu einer Auswahl aus den Chetubim wie aus den Propheten. Joel bespricht nun die Gebetsverändernngen, und widerlegt hier in angemessenster Weise die Folgerungen, welche man aus der bekannten Regel Berachoth 40b. für die Unveränderlichkeit der Gebetsfonneln gezogen hat. — Wir verweisen auf die Schrift selbst. Steht doch der Wortlaut selbst der Schemone ESre durchaus nicht fest, und sind die Varianten bei den verschiedenen Autoren überaus zahlreich. Joel findet hier nun zwei principielle Differenzpunkte: „sie betreffen Jerusalem und das Opfer." Hinsichtlich des ersteren führt er aus, daß die Erwähnung desselben im Gebete, ja auch die Bitte, „daß der Herr es aus dem traurigen Zustande erhebe, in dem es sich befindet," niemand aus dem jüdischen Gebetbuche beseitigt haben will. Die principielle Differenz fange erst da an, wo der Wunsch nach persönlicher Rückkehr im Gebete seinen Ausdruck erhalte. „Ob und wie sich dieser Streit beilegen lasse, davon später." Allein wir finden in der vorliegenden Broschüre nichts weiter darüber, und berufen uns daher nur auf das, was wir in unseren früheren Artikel darüber gesagt. — Den zweiten Punkt bilden die Opfer, deren Erwähnung und Aufzählung in den Gebeten" Man war bis jetzt darüber einig, daß die Bitten um Wiederherstellung der blutigen Opfer unserem Bewußtsein völlig widersprechen und darum aus unseren Gebeten .schwinden müssen, daß hingegen, da der jüdische Cultus die bedeutendsten geschichtlichen Momente im Bewußtsein erhalten und den Zusammenhang der Gegenwart mit der großen Vergangenheit unseres Glaubens bewahren muß, die Erinnerung an den Opfercultus in angemessener Weise eine Stelle in unserem Gottesdienste wohl haben solle. Dies war stets unsere Meinung, wie wir sie z. B. bei der zweiten Rabbinerversammlung vertheidigteu, und in unseren letzten Artikeln aussprachen; dies ist auch die Meinung Joels, und er beruft sich mit Recht auch auf alle neueren Gebetbücher, z. B. das des Br. Geiger. Jüngst aber trat Geiger hiergegen auf, erklärte jede Erwähnung des Opfers als unstatthaft, „weil es niemals der berechtigte Ausdruck der jüdischen Frömmigkeit gewesen sei." Joel erhebt sich gegen diese Behauptung mit Nachdruck. Geiger beruft sich hauptsächlich auf die scharfe Polemik der Propheten gegen die Opfer; aber Joel zeigt, wie dies bereits so oft geschehen, daß sich die Propheten nicht gegen die Opfer als Cultusform aussprachen, an deren Stelle sie eine reinere edlere setzen wollen, sondern nur gegen die Heuchelei und Lasterhaftigkeit, welche sich nicht entblöden, Opfer zu bringen dadurch Gott wohlgefällig zu sein und ihre Sündhaftigkeit und Verbrechen damit zu decken glauben. Dies beweisen die Hauptstellen geradezu (Jesaias 1, 13. 11.) 2*

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