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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-01-05 · Heft 1 (5.1.1869) · p. Seite 12

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 1 (5.1.1869)
Date
1869-01-05
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 — Bor einigen Tagen fanven sich beim Abgeordneten Dr. Kosch die Herren vr. Graf und Bankdircctor Gabriel als Deputirte der jüdischen Gemeinde zu Königsberg ein, um ihm nachstehende Arier ken rinn ngs-Adresse zu überreichen, welcher sich die Vorstände von 414 Synagogengemeinden der alten und neuen Provinzen angeschlossen hatten: Hochzuverehrcnder Herr Doctor! Seit einer langen Reihe von Jahren treten Sie in jeder Session des Landtags mannhaft und in beredter Weise für unsere Glaubensgenossen ein und fordern immer von Neuem auch für diese ihre vollen ungeschmälerten staatsbiirgerlichen Rechte. Im Gefühle der stolzen Befriedigung, mit welcher die Preußen jüdischen Glaubens Sie als den muthigen und beharrlichen Vorkämpfer für ihr Recht verehren, erlauben wir uns, Ihnen, hochgeehrter Herr, unfern tief gefühlten Dank und zugleich die Hoffnung auszusprechen, daß es Ihnen noch vergönnt sein wird, sich der Früchte Ihrer hochherzigen Bestrebungen im vollsten Maße zu erfreuen; denn auch wir theilen mit Ihnen die Ueberzeugung: „Alan kann unser Recht verleugnen, aber nicht leugnen." Die Adresse befand sich in reichem, kunstvollem Einbande und der Abgeordnete Di-. Kosch sprach der Deputation auf ihre Anrede in einigen bewegten Worten seinen Dank aus. O e st e r r e i ch i s ch e r K a i s e r ft a a t. Prag, Ende Novembr. lPrivatmitth.) Alle meine goldgewebten Träume, eine reiche Ausbeute für mein Studium hier zu finden, sind verschwunden. Prag hat sein heiteres Aussehen verloren. Die frühere politische Aufregung ist jetzt in eine Apathie umgewandelt. Man begegnet nur stummen und schweigenden Gestalten, Menschen, denen der unterdrückte Grimm deutlich auf der Stirne geschrieben steht. Auf der Bibliothek fand sich nicht — so sagte man mir gleich — was ich suche, und mich selbst suchen zu lassen, fand man nicht für rathsam, weil ein Fremder sich kaum hier zurecht finden möchte. So in meinen Erwartungen getäuscht, wollte ich, da ich einmal hier war, die Bibliothek des sel. Rapoport besuchen, der sie bekanntlich der Prager Gemeinde zum öffentlichen Gebrauche überlassen hatte. Aber zu meinem Staunen erfuhr ich, daß die Bibliothek jetzt noch in Kisten verpackt sei; auch ist noch kein Katalog davon angefertigt. Diese Nachricht war für mich niederschlagend. Wo ist die alte jüdische Pietät geblieben? Wo bleiben die Erben, die so etwas ruhig hinnehmen? Oder glauben sie in? •'an -i ran ’-e“ a^pb msn?m;; maa naya na. Aber in Prag selbst scheint man den großen Werth und den Einfluß auf die Wiederbelebung des jüdischen Geistes durch die Aufstellung dieser Bibliothek sehr zu unterschätzen oder gar nicht zu fühlen. — Die Bibliothek des sel. Rapoport scheint ein eigenes Schicksal zu haben. Zuerst sollte sie laut Testament desselben drei Monate nach seinem Hinscheiden der jüdischen Gemeinde übergeben werden; aber diese drei Monare haben länger denn die n?i»n" n-rb ttv gedauert, und während dessen, da kein Katalog vorhanden war, soll vieles verschleppt und gestohlen worden sein. Und jetzt steht sie in Kisten! Möchte es doch der löblichen Gemeinde und besonders dem Vorstande der Bibliothek belieben, diesem Vandalismus durch öffentliche Aufstellung und Anfertigung eines Kataloges ein Ende zu machen. Selbst der Druck eines solchen Katalogs wird sich reichlich durch Verkauf bezahlt machen. Donausürstenthümer. Bukarest, 22. Dez. lPrivatmitth.) Gestatten Sie mir, Ihnen einen auf die hiesige Judenfrage bezüglichen Streit zwischen zwei Journalisten mitzutheilen, welcher gegenwärtig in der ganzen Hauptstadt von sich sprechen macht: Bekanntlich existircn hier zwei Zeitungen, welche den Zweck haben die Rechte der Israeliten zu vertheidigen: Die Eine „L’Echo danubien“, seit vier Jahren bestehend, redigirt von Herrn S. Carmellin, eine Zeitung, welche allen Stürmen getrotzt hat und trotz aller Verfolgungen der guten Sache unerschütterlich treu geblieben ist; die Andere, genannt „Israeliiul rornnn,“ ein anonymes Blatt, welches angeblich von einem gewissen Armand Levy redigirt werden soll, wofür wenigstens der Umstand spricht, daß besagter Herr nach seiner Ankunft hier und auf Grund großer Versprechungen, welche er der hiesigen jüdischen Gemeinde gemacht hat, die dahin lauteten, daß er durch seine intime Stellung zu Herrn Bratiano und zu anderen

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