Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1869)
- Date
- 1869-01-05
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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9 zweiten Vicepräsidenten Banquier Moritz Wahr mann designirt. Ferner wurden zu Schriftführern ausersehen die Provisor. Schriftführer Oberrabbiner Dr. Ko Hut, Dr. jur. Isidor Rosenberg, Dr. Simon, so wie Dr. jur. Mezei und Kaufmann Jaques Oblat laus Totis), schließlich der zur orthod. Partei gehörende Deputirte Weinberger, ohne Berücksichtigung dessen, ob diese Gegenpartei in ihren Conferenzen dieselbe Rücksicht für die Fortschrittspartei walten lassen werde. Die Congreßsitzung vom 15. war eine geschlossene. In derselben constituirte sich der Congreß in fünf Sectionen zur Vornahme der Verisication der Wahlen. Von den Obmännern dieser Sektionen gehörte nur Einer der orthodoxen Partei an. Als die Sectionen constituirt waren, wurde sofort mit den Wahlverisicationen begonnen und bis auf die der zweiten Section sind dieselben auch bereits beendigt. Im ganzen wird der Congreß über die Giltigkeit von 70 — 80 beanstandeten Wahlen zu entscheiden haben, wozu in der öffentlichen Sitzung vom 15. der Anfang gemacht wird. Im Fortschrittsclub kam am 15. Abends folgender Gegenstand zur Berathung. Der Herr Cultusminister hatte den Wunsch geäußert, von den Intentionen und Beschlüssen der Parteien durch Vertrauensmänner fortlaufend Kunde zu erhalten. Nach einem Berichte des „P. L." trat gegen das Willfahren dieses von Sr. Excellenz selbst ausgesprochenen Wunsches Oberrabbiner Hochmut h aus Veszprim auf und meinte, es könnte dadurch die Freiheit des Congresses eventuell beschränkt werden. Diese Meinung bestritten die Herren Dr. Kohn, Prediger in Pest, und Leo Holländer aus Eperies mit Erfolg, indem sie bemerkter., es handle sich hier nicht um Beeinflussung des Congresses durch Se. Excellenz, sondern einfach darum, daß der Herr Cultusminister die Ansichten der Parteien kennen lerne, um im Falle etwaiger ernster Spaltungen im Schoße des Congresses vermittelnd und versöhnend einwirken zu können. Diesen Ansichten schloß sich die Majorität des Clubs an. Drei Vertrauensmänner wurden gewählt u. z. die Herren Leo Holländer, Paul Wallfisch laus Arad) und Löbl Aronsohn lSiebenbürgen). Die Gegenpartei hat, wie bestimmt verlautet, die Herren Oberabbiner Dr. Hildesheim, Stefan Schwarz (aus Erlau) und Israel Grün (aus Siebenbürgen) ihrerseits zu Vertrauensmännern designirt. In der Sitzung vom 16. wurde die Constituirung des Congresses in Angriff und glücklich ins Werk gesetzt. Wir sagen „glücklich", weil unsere Concordatler im Congresse, die sogenannte Schomre hadath-Partei, (ungarisch: „hitörsßg,“ aber richtiger: .chitorttlts^g," d. i. Clique des Glaubenswahnsinns) eben als die Wahl der Congreßfunctionäre vor sich gehen sollte, ön Bewußtsein ihrer Minorität einen Trumpf ausspielten und ein Skandälchen hervorriefen, was übrigens nur ein Sturm im Glase Wasser war und diese Clique in den Augen der Welt höchst lächerlich macht. Die Sache kam nämlich so: Um 10 Uhr Vormittags eveffnete Alterspräsident Leo H olländer die Sitzung mit der Anzeige, daß die bisherige Prüfung der Wahlen eine hinreichende Anzahl unbeanstandeter Deputirten ergeben habe (nach §.10 der von der Regierung ausgearbeiteten Geschäftsordmmg ad hoc müssen dies mindestens 50 sein) und das Haus demnach in der Lage sei, sich zu constituiren. Vorerst wurde jedoch das Protocoll der Eröffnungssitzung und zwar in ungarischer Sprache verlesen. Die ZeitungsreLkcteure und Deputirten Fenyvessi und Tenzer finden dasselbe nicht objectiv genug abgefaßt, welcher Ansicht die Versammlung beistimmt. Der orthodoxe Rabbiner Coloman Weiß aus Szepsi St. Moldau (Oberungarn) tadelt, daß das Protocoll nicht auch deutsch abgefaßt wurde u. z. mit Recht, da viele Deputirte nicht ungarisch verstehen, worauf der Alterspräsident auf die Ueberfülle der Geschäfte des vorhergehenden Tages hinweist und versichert, daß die Protocolle künftighin, wie es wohl auch beschlossen werden wird, in beiden Sprachen abgefaßt werden sollen. SKun sollte, der Geschäftsordnung gemäß, zur Wahl des Präsidenten geschritten werden. Da ergriff der eifrige „Glaubenswächter" Israel Grün uns Siebenbürgen, ohne sich vorher gemeldet zu haben (er glaubte wahrscheinlich eben bei einer Kohels-Sitzung von Anno dazumal sich zu befinden) das Wort; doch nicht um zum Gegenstände zu sprechen, sondern um quasi ein Parteiprogramm zu entwickeln. Die Rechte (Fortschrittspartei) protestirte, worauf die Linke uniLono mit einem heftigen (Hören wir ihn) antwortete. Es erhebt sich nun ein Tumult, wie man ihn sich kaum ärger vor stellen kann. Die mit den parlamentarischen Gebräuchen wohl noch nicht genug vertraute Linke ist weder durch die Mahnrufe noch durch die Bitten des Präsidenten, noch endlich durch das Zureden der angesehensten Mitglieder der Fortschrittspartei, welche den Sturm persönlich zu beschwichtigen versuchen, davon zu 1