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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-01-05 · Heft 1 (5.1.1869) · p. Seite 8

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 1 (5.1.1869)
Date
1869-01-05
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 ausüben. Sahen wir bei dieser Debatte doch schon das Eine erreicht, daß die Rechte des Hauses völlig schwieg, keine Widerlegung versuchte und dadurch ihr Zugesländ-- niß ausdrückte. Der rmgarisch-israelitische Congreß. n. Wir hegen die lebhafteste Theilnahme und die besten Wünsche für den Fortgang und die Erfolge dieses Congresses. Denn allerdings halten auch wir von vornherein mancherlei Bedenken, und zwar weniger vom theoretischen als vom practifchen Gesichtspunkte. Die Autonomie der jüdischen Gemeinden sehen wir noch nicht durch die Thatsache des Cvngresses geschmälert an, sondern dies würde erst eintreten, wenn das von diesem zu beschließende Statut zu sehr abgrenzende und eentralisirende Momente aufstellen würde. Dagegen wird es ein Segen sein, wenn für die Gemeinden ein ordnendes Statut gesetzlich bestehen wird. Denn die Verhältnisse der jüdischen Gemeinden sind örtlich durchaus nicht so verschieden, daß allgemeine Grundzüge nicht für sie passen sollten. Es muß eben nur bei bestimmt gezeichneten Gruudzügen bleiben. Ebenso kann die Einrichtung des Schulwesens ohne allgemeine Reglements nicht bleiben und gedeihen, wenn auch der Ortsgemeiude ein genügender Spielraum gelassen werden muß, da hier in der That Stadt und Land, Landschaften, die mehr oder weniger eultivirt sind, in ihren Bedürfnissen zeitweise variiren. Endlich Institute wie Rabbiner und Lehrerseminare lassen sich nur durch Gemeinsamkeit Herrichten. Was uns aber das meiste Bedenken einflößte, war die große Zahl von Deputaten, aus denen der Congreß bestehen sollte. Diesen Gedanken hielten und halten wir für unglücklich. Eine Versammlung von 220 Deputirten ist überall und noch mehr wo parlamentarische Schulung nicht vorausgesetzt werden kann, sehr ungeschickt und schleppend, um ein Gemeinde- und Schulstatut zu Stande zu bringen. Eine Anzahl von 30 bis 40 Vertretern würde viel geeigneter gewesen sein. Denn abgesehen von der Ausdehnung der Debatten kann nicht angenommen werden, daß eine aus den verschiedenstell Elementen bestehende Bevölkerung von circa 300,000 Seelen 220 zu solchem Werke einsichtsvoller und passender Männer aufzubringen vermag, so daß also voll vornherein sehr ungeeignete Instrumente in den Congreß kommen mußten. Endlich ist nicht zu verkennen, daß durch diese ganze Veranstaltung die Leidenschaften in der Masse sehr aufgeregt werden mußten. Wenn wir dies jetzt äußern, so geschieht es, weil wir einerseits uns freuen werden, wenn unsere Befürchtung sich als unbegründet Herausstellen wird, andererseits aber jetzt schon gegen eine Verurteilung unserer ungarischen Glaubensgenossen protestiren wollen, wenn der Congreß seine Aufgabe nicht lösen sollte. Nicht minder wollen wir hiermit aber auch unsererseits die Mitglieder des Cvngresses auf's Dringlichste auffordern und ermahnen, Alles aufzuwenden, um einen günstigen Ausgang herbeizuführen. Wir erkennen die Borwürfe durchaus nicht als gerechtfertigt an, welche von gewisser Seite her schon jetzt der Fortschrittspartei im Congresse gemacht werden, daß sie der orthodoxen Seite Conceffionen mache. Wir glauben auch, Entschiedenheit genug zu besitzen, aber es kommt kein menschliches Machwerk zu Stande, das nicht der Verbesserungen fähig ist und der Entwickelung übergeben werden muß. Wenn daher nur in den Hauptzügen der Fortschrittscharacter nicht gefälscht wird, so kann jede große Partei der Maffe und des Congreffes eine Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse verlangen. Es wäre nicht blos dem Geiste der Gerechtigkeit, sondern auch dem Werke der Entwicklung selbst zuwider gehandelt, in einer für eine gesammte Bevölkerung bestimmten Institution nur den fortgeschrittenen Theil berücksichtigen zu wollen. Nur dürfen nicht Einrichtungen getroffen werden, durch welche die Weiterentwickelung von vornherein gebunden und unmöglich würde. Wir werden von unseren Freunden und Correspondenten mit dem umfänglichsten Material betreffs des Congreffes versehen, danken ihnen dafür herzlichst und bitten sie, damit fortzufahren. Allein der Raum und die Tendenz unseres Blattes gestatten uns nur eine Auswahl dessen zu treffen, was uns von Wichtigkeit und dauerndem Interesse erscheint. Wir haben dabei stets die Wißbegierde der Gegenwart und das Interesse der zukünftigen Geschichtsschreibung im Auge, und von diesen Gesichtspunkten aus treffen wir unsere Auswahl. Neu-Verbaß, 18. December 1868. Am 13. Abends hatte der Fortschrittsklub einstimmig beschlossen, vr. Hirschler zum Präsidenten und Grundbesitzer Leopold Popper zum Vicepräsidenten des Congreffes zu erwählen. In der Conferenz vom 14. Abends wurde noch für die eventuelle Wahl eines

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