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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-12-29 · Heft 53 (29.12.1868) · p. Seite 1055

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 53 (29.12.1868)
Date
1868-12-29
Page
Seite 1055 (sequence 13)
Language
German
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um solche Aeußerungen schwebt, giebt ihnen einen hohen, unvergleichlichen Werth; und wir verweilen um so lieber bei ihnen, als sie zu den Aeußerungen eines entgegengesetzten Sinnes, die uns leider noch so häufig aus dem Vaterlande zugehen, einen wohlthuenden Contrast bilden. So ist es ein nicht genug zu schätzendes Ehrenzeugniß, daß die Freiheit Alt-Englands noch immer nicht eine so vollkommene Armenpflege geschaffen hat, um das auf jüdischem Gebiete Angestrebte zu erreichen. Ein Auffatz in der „Lancet," einer populärmedicinischen, sehr verbreiteten Zeitschrift, hat über das jüdische Armenwesen einen sehr lesenswerthen Artikel. Vor allem aber ist es das bereits erwähnte treffliche Buch des vr. Stallard, welches das Rühmliche in den bez. Einrichtungen der Israeliten in die weitesten Kreise trägt. In der großen Wandergesellschaft für exakte und spekulative Wissenschaften (British Association) las Dr. Richardson eine Abhandlung, welche die größere Lebensdauer der Juden mit all den daraus fließenden günstigen moralischen Folgerungen nachwies. Auch folgende Thatsache, die sicher nicht allein steht, verdient einen Platz in der Geschichte der Toleranz. Eine öffentliche Prüfung der jüdischen Freischule zu Manchester ward in der Neu-Jerusalem-Kirche abgehalten, welche die Gemeinde der Swedenborgianer zu diesem Zwecke aufs Bereitwilligste eingeräumt hatte; und zwar geschah dies am ersten Festtage der christlichen Welt, am Weihnachtstage. Freilich fordert die Gerechtigkeit, daß wir auch von auffallenden Kundgebungen des Gegentheils sprechen. So enthielt das Cor chill-Magazin neulich einen Aufsatz über Kabbala und Magie, worin mit kecker Halbwisserei dem Judenthum allerlei absurder Aberglaube und Mißbrauch angedichtet wird. Wiederholt haben wir von rühmlichen Auszeichnungen zu berichten, die verdienten Glaubrnsgenossen zu Theil geworden. Herr Simon Jacobs ward zum Lolioitor general für die Capkolonie ernannt, nachdem er dasselbe hohe Amt für das Kaffernland bekleidet. Herr Abdoolah D. Sasson in Bombay erhielt den Orden des Sterns von Indien. Durch das Vertrauen ihrer Mitbürger wurden mehrere Andere zu Stadträthen, Armenpflegern und dgl. erwählt. Diese Fälle sind so zahlreich, daß wir fortan durch unser Verschweigen ihre erwünschte Wiederkehr constatiren. — Die berühmte Freischule in Bell-Lane zählt jetzt 2400 Schüler, nämlich 1400 Knaben und 1000 Mädchen. Im vorigen Jahre beging dieselbe ihr fünfzigjähriges Jubiläum, wobei hervorzuheben ist, daß sie mit 850 Schülern ihre Thätigkeit begann. Vor einiger Zeit ward wegen des massenhaften Zuwachses der Schüler den .bereits so umfangreichen Baulichkeiten ein umfassender Neubau hinzugefügt. Zu den« bevorstehenden Parlamente werden von israelitischer Seite zwei homines novi sich um Sitze bewerben. Herr Simon, Serjeant at law, erhielt schon während der abgelaufenen Parlamentsperiode eine Aufforderung, sich für Nottingham als Kandidat darzustellen. Er lehnte damals ab, verfolgt aber die Kandidatur für Dewsbnry jetzt mit um so größerem Eifer und mit vieler Aussicht auf Erfolg. Eine ähnliche Aufforderung von Halifax hat er abgelehnt. Herr Worms ist für die Seestadt Sandwich aufgetreten; er ist zugleich der erste Jude, der für die conservativen Interessen um diese Ehre wirbt. — Herr Julian Goldsmid, der seit dem Tode seines Vaters 1866 als dessen Nachfolger für den Flecken Honiton Mitglied des Unterhauses war, hat diesen Einfluß durch die neue Reformbill verloren, da dem kleinen Flecken die Wahlgerechtigkeit entzogen ist. East Devon hat ihm eine Einladung geschickt; er wird aber für den neu geschaffenen Wahlbezirk Mid Surrey in die Schranken treten. Ueber den Fortgang der übrigen Kandidaturen werde ich Ihnen später berichten. Durch Verfügungen eines edlen Wohlthätigkeitssinues in ihren Testamenten 'haben sich Denkmäler gestiftet: die Hrn. Frederick D. Goldsmid, Maurice Worms, Jacob N a t h a n in Plymouth, Scott und Hall. Die beiden Letzteren sind Christen. Herr Hall hat der jüdischen Gemeinde Londons £ 2000 vermacht und die spezielle Verfügung dem Ermessen des Sir Anthony Rothschild, Bart., anheimgestellt. Herr Nathan hat £ 15,000 zu zahlreichen Legaten angewiesen. Wie viel bei gutem Willen auch mit mäßigen Mitteln gewirkt werden kann, davon gibt uns der kürzlich erschienene erste Bericht des in Manchester bestehenden Armenraths Kunde. Diese Behörde war im Juli vor. Jahres nach dem Vorgang Londons geschaffen worden, um für die Unterstützung Hilfe suchender fremder Glaubensgenossen einen Mittelpunkt zu bieten. Und in den neun Monaten seines Wirkens vom 1. Juli bis 31. März hat das Institut an 535 Bitt-

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