Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 53 (29.12.1868)
- Date
- 1868-12-29
- Page
- Seite 1051 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Commentar sich möglichst kurz zu fasten und alles nicht streng hierher Gehörende auszuscheiden. Die Schire Haschirim, 176 Octavseiten, enthalten bloß 29 und darunter sehr kleine Gedichte, wodurch natürlich die Vollendung der Sammlung, wenn der Commentar über 190 verschiedene Dinge sich ausläßt, unmöglich gemacht wird. Jedenfalls muß jeder Freund der hebr. Literatur Herrn Sachs wie desten Gönner, dek Familie Günzburg, für die freundliche Gabe danken und zugleich innigst wünschen, daß der Herausgeber und Commentator für seine Hingebung und Aufopferung für den Dichter und Philosophen Gabirol, wovon jede Seite unseres Werkes Zeugniß gibt, reichlichen Lohn, die gebührende Unterstützung und Anerkennung finden. Möge es Herrn S. gegönnt sein, die Fortsetzung der Schire Haschirim, so wie die Biographie Gabirols recht bald erscheinen zu lasten. Rabb. D. Oppenheim. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 18. Decbr. (Privatmitth.) Auch in der Fortsetzung der General- und Spezialdebatten über den Etat des Cultus- und Unterrichtsministeriums kam die Frage wegen Anstellung jüdischer Lehrer und der sg. konfessionslosen Schule noch außer dem bereits Berichteten mehrmals zur Sprache. So drückte in der Sitzung vom 15. der Abgeordnete Laster in seiner Rede sich folgendermaßen aus: In Posen streitet der Minister Jahre lang mit der städtischen Behörde, ob bei einer von ihr errichteten Anstalt ein jüdischer Lehrer angestellt werden dürfe, obschon er doch neulich hier den Satz aufgestellt hat, daß die Anstellung eines jüdischen Lehrers selbst an einer evangelischen Schule mit der evangelischen Toleranz sehr wohl vereinbar sei. Dieser Lehrer sollte nur die neueren Sprachen unterrichten, die doch mit dem größtem Zwange nicht unter den Spiegel eines speciellen Confessionalismus gebracht werden können. Ich habe mich, beiläufig gesagt, über den neulichen Ausspruch des Herrn Cultus-Ministers sehr gefreut, weil ich nämlich ein Dokument in.Händen habe, das allerdings schon sechs Jahre alt ist, in welchem derselbe Herr Cultus-Minister einem Schulamts-Candidaten zum Bescheide giebt, daß der Unterricht eines jüdischen Schulamts-Candidaten an einer evangelischen Schule gesetzlich unzulässig sei. Es freut mich, daß er nunmehr eine andere Auffassung des Gesetzes erlangt hat, weil auch die Zeitströmung ja eine andere geworden, als sie damals gewesen ist, und der Hr. Minister es mit der größten Toleranz vereinbar findet', daß sogar ein angestellter Lehrer unterrichten könne in einer Schulanstalt/' — Eine ausführliche Rede über die Stellung der Juden zur Schulfrage hielt Herr vr. Kosch in der Sitzung vom 16. December, und ist besonders auch die Antwort des Cultusministers auf diese von Wichtigkeit. Auf beide werden wir zurückkommen, sobald der stenographische Bericht bei uns eingelaufen. Hamburg, im Decbr. (Privatmitth.) Wir haben nun seit etwa 75 Jahren mit mehr oder minder Erfolg gegen die sogenannten Pijutim und Jozeroth und vor Allem gegen die sogenannten Hoschaanoth (letztere besondere Fundgruben alles dem Heidenthum entnommenen Aberglaubens) gearbeitet und wenigstens in der Theorie einen sehr großen Theil davon nicht nur für überflüssig, sondern auch für schädlich und blos durch ihre Unverständlichkeit 'geschützt erkannt. Ein anderer Wust, den man sich nicht entblödet hat, einem so gescheidten und der Wahrheit so zugänglichen Volk wie das jüdische als gottesdienstliches Gebet zuzuschieben, ist jedoch weniger der Kritik unterworfen worden. Ich meine 1. die Gebete für's Haus, nämlich Tisch- und Nachtgebete, 2. Semiroth für Sabbath und dessen Ausgang, 3. Gebete bei Agonisirenden und bei Begräbnissen. Diese werden von eigennützigen Verlegern vor wie nach aufrecht gehalten. Was Tischgebete anbelangt, so ist der erste Absatz, der wahrscheinlich auch der älteste ist, in seiner Einfachheit (ich meine nur nach dem deutsch-polnischen Ritus, denn die Redaction der Sefardim wimmelt von Antithesen) eine ganz mustergültige Gebetsformel. Hätte man diesen Styl nur überall beibehalten! Auch der zweite Satz Nodeh lecha, der auf das Tora-Citat weachalta hinaus will, läßt sich noch annehmen, obgleich ein Dank wegen einer so entfernten Vergangenheit hier kaum am Platze ist, zumal unter Theilnahme von Kindern. Der Absatz Raobsm betont die israel. Zusammengehörigkeit, und da dies Gefühl der letzte Rest unsers allgemeinen Judenthums ist, und dieses der „Gemeinschaft der Heiligen" aus dem christlichen athanasianischen Credo gegenübersteht, so läßt sich über S3