Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 53 (29.12.1868)
- Date
- 1868-12-29
- Page
- Seite 1050 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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klassischen Stile Platz, andere Bilder und Betrachtungen füllten die Gedichte aus". „Seine Poesie umweht ein Hauch von Schwermuth, selbst die Freude wird bei ihm zur Sehnsucht nach dem Höchsten". Dieses treffliche Urtheil des größten und bewährtesten Kenners der „Literaturgeschichte der stznagogalen Poesie," des Herrn vr. Zunz, S. 187, wird durch das vorliegende Werk auf's neue glänzend bestätigt. Das Schriftthum über Salomon Gabirol, den unsere Zeit aus dem Dunkel der Vergessenheit hervorgezogen, ist bereits zu einer kleinen, leider sehr zerstreuten Bibliothek herangewachsen. Dukes hat zuerst („Ehrensäulen" rc. Wien) 1837 die einzelnen Denksteine über Gabirol aus deutschen, spanischen und romanischen Riten und Machsorim zusammengetragen und ungefähr 46 Piecen verzeichnet. Gleich darauf trat Zunz mit seinem „Ritus" der Synagoge von Avignon" (Zeitg. d. Judenthums 1838 ff.) hervor, dem sich dann Luzzato würdig anreihete im Kerem Chemed, Prag 1839 ff. ein wahres Füllhorn der schönsten Blüthen der spanisch-arabischen Dichterschule aus seiner reichen Manuscriptensammlung ansschüttete, vr. M. Sachs führte gleichzeitig durch seine gelungenen Uebersetzungsproben Salomon Gabirol, Jehuda Halewi, Moses b. Esra und deren Zeitgenossen in die deutsche Literatur ein. „Die religiöse Poesie der Juden in Spanien", 1845, erregte die Aufmerksamkeit Humboldt's, Kosmos II, 119, und begeisterte Heine zu dem anmuthigen Gedichte „Jehuda ben Halevy" in dessen Romanzero. Kurz darauf machte S.Munk (Literaturblattdes Orients 1846 Nr. 46) die glückliche Entdeckung, daß der bei den Scholastikern häufig vorkommende sonst unbekannte Avicebron kein anderer als Salomon Gabirol sei, dessen C’Tt mp» frühzeitig in's Lateinische unter dem Namen Fons vitae übersetzt wurde. Durch die genialen Forschungen Munks wurde rst recht die Aufmerksamkeit der gelehrten Welt auf Gabirol gelenkt, und wir erwähnen nur in Kürze die Arbeiten von Dukes („zur Kenntniß der neuhebräischen religiösen Poesie"; Ginse Oxford; nvbw *"pö*), Zunz und Geiger, abgesehen von den kleinen Arbeiten in Zeitschriften und Jahrbüchern. Herr Senior Sachs, der sich seit vielen Jahren mit den Geistesprodukten Gabirols (imrirt?, Berlin 1850 ff.) beschäftigt, hat nun den großartigen Plan ergriffen, sämmtliche religiöse Dichtungen desselben mit einem ausführlichen Commentar zu veröf- *) Im Sidur des Amram Gaon, Warschau 1865, 2. Theil, finden sich ebenfalls viele Piutim von Gabirol. fentlichen, so wie deffen philosophisches System zu bearbeiten. Der 1. Band dieses verdienstlichen Unternehmens, das alle die disjecta membra der Gabirol'schen Muse zu einem lieblichen Strauße verbinden soll, liegt uns nun durch die Munifizenz der edlen, hochherzigen Familie Günzburg in prächtiger Ausstattung vor. Dieser gelehrten Ausg. der religiösen Dichtungen und Gesänge des liederreichen Gabirol soll sich deffen Biographie, ■hi} ■cm n»'8iu wovon ein Theil bereits gedruckt, anreihen und endlich die Darstellung seiner Philosophie) n»»n, den Beschluß machen. Der geschätzte Leser kann daraus entnehmen, daß der auch von den Alten hoch gefeierte Gabirol lgewöhnlich genannt: mmiari b?L) in Herrn S. Sachs einen gelehrten Herausgeber, Bearbeiter und Commentator gefunden, der mit den seltensten und ausgebreiteten Kenntniffen ausgerüstet, wie kein anderer vollkommen berufen und befähigt, ist die Werke unseres Gabirol in classischer und kritischer Weise zu ediren und zu commentiren. Ueberdieß wird Herr Sachs in seinem wahrhaf coloffalen Unternehmen durch eine der reichsten und g e - diegensten, von der Familie Günzburg in Paris mit den größten Opfern angelegten hebr. Bibliothek, welcher derselbe als Custos vorsteht, unterstützt, so daß Herr S. ohne diese reichen Hilfsmittel an die Realisirung seines Planes gar nicht denken konnte. Herr S. hat das 1. Bändchen der religiösen Gedichte Gabirols seinem Mäcen, Herrn Günzburg, der die Druckkosten vorstreckte, als Angebinde zum Bar-Mizwahfeste des jungen Gabriel Günzburg gewidmet und es ist gewiß die schönste Weihe, wenn Familienfeste durch solche unverwelkliche Blüthen gefeiert und im ewigen Angedenken erhalten werden. Wir können uns nun der angenehmen Hoffnung hingeben, daß die Herren Günzburg, denen die jüdische Literatur so vieles verdankt, Herrn S. zur Ausführung und Vollendung seines Vorhabens unterstützen werden, damit ebenso durch deren Mitwirkung, wie Munk's Uebersetzung des Moreh von Maimuni nur durch die Hilfe und Freigebigkeit Rothschild's erscheinen konnte, die Dichtungen und Werke des größten Genie's der Juden im Mittelalter herausgegeben werden möchten. Leider waltet in der jüdischen Literatur ein eigener Unstern l Die schönsten und nationalsten Unternehmungen gerathen nach dem ersten kühnen Anlauf bald ins Stocken. Den unermüdlichen Luzzato raffte bald nach dem Erscheinen des 1. Heftes des Divan von Jehuda Halevy der unerbittliche Tod hinweg — und der Divan bleibt unvollendet. Wir können nur Herrn Sachs rathen, in feinem