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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-12-15 · Heft 51 (15.12.1868) · p. Seite 1022

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 51 (15.12.1868)
Date
1868-12-15
Page
Seite 1022 (sequence 12)
Language
German
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1022 more, wo Herr Rabbiner Hochheimer 10 Abonnenten hat, kaum ein Dutzend Exemplare, und fragt man den deutschen Buchhandel, wie viele Exemplare irgend eines jüdischen Werkes er nach Amerika zu versenden habe, so wird er lächeln und antworten: keine oder doch äußerst wenige. Die deutschen Juden, die nach Amerika wandern, lassen, wenn sie in der Heimath wirklich an der jüdischen Literatur theilnehmen, letztere in die Wellen des Oceans versinken, und steigen ohne diesen Ballast an die Küste ver neuen Welt. Wir haben es schoir öfter rühmend hervorgehoben, daß die ausgcwanderlen Israeliten für ihre dürftigen Verwandten in der Heimath sehr viel thun; dies ist daS Einzige, was mittelbar auch den jüdischen Gemeinden zugute kommt, die hierdurch von mancher Last befreit werden. Dann aber ist es auch aus, und kein Unternehmen, keine Bestrebung, keine Anstalt innerhalb des Judenthums der alten Welt kann sich einer wesentlichen Förderung aus Amerika rühmen. Um nicht ungerecht zu sein, bemerken wir, daß seit dem Vermächtniß des Juda Touro allerdings einige spärliche Hilfsmittel von dort nach Jerusalem flössen. Wir sind weit davon entfernt, hiermit bestimmte Borwürfe aussprechen zu wollen; cs findet eben kein Interesse dafür statt. Aber um so lächerlicher erscheint es, eine Agitation gegen Etwas Hervorrufen zu wollen, was garnicht exisürt, abgesehen davon, daß es den Betheiligten zu großem Nutzen gereichen würde, wenn es existirte. Ebenso thöricht ist der zweite Punkt. In Anstellung von Rabbinern, Predigern und Lehrern entscheidet allein das Bedürfniß; auch hier richtet sich das Angebot nach der Nachfrage. Bedürften die jüd. Gemeinden in Amerika keiner Prediger und Lehrer aus ver alten Welt, so würden sie auch keine anstellen. Auch möchte eine solche Anstellung nur in wenigen Fällen ein Glück für die Angestellten sein; das geht aus den überaus zahlreichen Fällen hervor, wo deutsche eingewanderte Lehrer ihren bisherigen Beruf verließen und sich der Industrie zuwandten. Sollte es wirklich einmal erst so weit gekommen sein, daß in Amerika geborene und erzogene jüdische Lehrer in Concurrenz mit eingewanderten träten, dann würde die Befähigung der Canditaten und die Vorliebe der Gemeinden entscheiden. Bis dahin aber gegen die Anstellung von Deutschen wüthen, ist reine Don Quixoterie. Wir geben zu, daß diese eingewanderten Lehrer nicht immer vom reinsten Wasser sind, daß dort mit dem Rabbiner- und Doctormtitel ein Unfug sonder Gleichen getrieben wird — aber davor wird die Erfahrung der Gemeinden das beste Schutzmittel sein, und wir haben bereits eine Reihe so tüchttger und bewährter Männer aus Deutschland an der Spitze jüdischer Gemeinden in Amerika, daß man wahrlich nicht mehr sagen kann, es seien blos überflüssige Kräfte von hier nach dprt gezogen. Und was kann denn nun als Motiv für diese Feindseligkeit ausgegeben werden? Nichts anderes alls ein outrirter Patriotismus: die Deutschen, die nach Amerika kommen, sollen ganz und gar Amerikaner werden, sollen ihre Sprache und jede vaterländische Sitte sofort ablegen, welches Alters, welches Standes, welcher Bildung sie seien. Was uns betrifft, so legen wir stets das größte Gewicht aus die Gesinnung. Alles Andere ist nebensächlich, und jeder engherzige und kleinliche Patriotismus ist ebenso schädlich, wie der Mangel an Patriotismus. Die Südländer, welche die Union vernichten wollten und den blutigsten Bürgerkrieg heraufbeschworen, waren Alle geborene Amerikaner und sprachen englisch, und gerade die Demschen gehörten zu den tapfersten und hartnäckigsten Vertheidigern der Union, obschon sie noch viele deutsche Zeitungen haben, an der deutschen Literamr einen Antheil nehmen, wie die deutschen Juden in Amerika an der deutschen jüdischen Literatur nicht, in vielen Kirchen noch deutsch predigen uud beten lassen und deutsche Liedertafeln bilden. Gerade in einem Lande der Freiheit darf auch der wahre Patriotismus in äußerlichen Dingen keinen Zwang ausüben, und ist von solchen durchaus unabhängig. Je mehr man in einem Staate verschiedenartige Nationalitäten ohne Zwang durch die Freiheit vereinigt, desto größer wird ihrer Aller Patriotismus sein, wofür die Schweiz, welche drei Nationallläten umschließt, den schlagendsten Beweis liefert. Und was hat-nun gar das Judenthum damit zu schaffen? Dies ist doch ebenso wenig deutsch, wie amerikanisch? So lange die eingewanderten Demschen in ihrer Familie aus den natürlichsten Gründen noch deuffch sprechen, werden sie deutscher Prediger und Lehrer bedürfen. Mit den späteren Geschlechtern wird es doch anders. Und was hat dies mit der patriotischen Gesinnung zu schaffen? Seit zwei Jahrhunderten sind die deutschen Lothringer und Elsässer Franzosen, sprechen noch immer deutsch, predigen deuffch und haben deutsche Schulen. Und

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