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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-12-15 · Heft 51 (15.12.1868) · p. Seite 1019

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 51 (15.12.1868)
Date
1868-12-15
Page
Seite 1019 (sequence 9)
Language
German
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1019 Ansprachen der geistlichen Vertreter der lutherischen, Iber Herrnhuter, der Mennoniten, der jüdischen und per katholischen Gemeinde an. Bei der statt gehabten Vorstellung durch die Fürstin Izu Wied hatte sich Herr Cantor Rosenfeld, sowie ein «irdisches Vorstandsmitglied des hiesigen patriotischen IFrauenver^ins-, Frau Rosa Götze!, huldvoller Worte fetten« Ihrer Majestät der Königin zu erfreuen. Oesterreichischer Kalserstaat. Wien, im November. (Privatmitth.) In Ihrem iBlatte, welches die Unterstützung von Studierenden schon sooft und so kräftig anempfohlen hat, Idarf die Erwähnung des 7. Jahresberichtes des „Berleines, zur Unterstützung mittelloser Studirender in iWien" aus dem Vereinsjahre 1867/68 nicht feh- Ilen, Die Einnahmen beliefen sich auf 3740 fl., die IAusgaben auf 3280 fl. Es wurden Unterstützungen lan 191 Studircnde gewährt, nämlich an 16 Rabbi- InatScandidaten 192 fl., 4 Philosophen 41 fl., 142 IMedikiner?456 fl., 18 Juristen 284 fl., 10 Techni- Iker 142 fl., 1 Akademiker der bildenden Künste 12 fl. >Es ist diese Aufzählung interessant, da sie ungefähr IdaS Werhältniß der verschiedenen Facultäten andeutet. iDie Unterstützungen fanden fast alle zu Collegiengeldern und zu Promotionen statt. Sie dienten also zur geistigen Pflege; die leibliche Erhaltung mußte den armen Studenten zu suchen überlassen bleiben. Bemerkenswerth ist, daß kein einziger der Unterstützten aus Wien selbst, sondern alle aus den verschiedenen Kronländern waren, hingegen alle Beiträge und Spenden von Wienern und nicht ein Heller aus den Kron-!ländern herrührten. Der Verein verdient gewiß die ^möglichste Anerkennung, die Wohlchätigkeit der österreichischen Juden aber auf diesem Gebiete nicht die allergeringste. Der Sinn für diesen Zweig der Unterstützungen ist eben noch nicht vorhanden. Gott bessere es! Wien, 1. Decbr. An der gestrigen Vorstandswahl haben sich von nahezu 1800 wahlberechtigten Mitgliedern der Cultusgemeinde nur 245 betheiligt, wie auch bei der vorangegangenen Wahlbesprechung kaum 80 Personen erschienen waren. Wiedergewählt wurden die früheren Vorstandsmitglieder: Anton Ving, Arminio Cohn, Sigmund Hirschler, Leopold Kompert und Adolph Neustadt; neugewählt wurde statt des aus geschiedenen Moriz Ritter v. Goldschmidt desien Sohn Julius Ritter v. Goldschmidt. Der Vorstand der israelittschen Gemeinde benützte die Anwesenheit des Herrn General-Consuls Karl Ritter v. Wohlfahrt in Wien, um ihm durch eine Deputatton für seine humane und erfolgreiche Jnterventton, als die jüdischen Glaubensgenossen im verflossenen Frühjahre in der Moldau und Walachei hart bedrängt waren, den wärmsten Dank auszusprechen. (Es ist dies der Consul von Jassy, den das rumänische Ministerium wegen seiner Berichte in der Judensache der Lüge zeihte, dem es aber hinterdrein eine Abbitte leisten mußte.) Schütt-Somerein, im December. Wir hatten als ein Curiosum für unser Feuilleton einen Bericht aus Schütt-Somerein besttmmt, wo man die Wohnung eines Juden, des ersten der sich jüngst dort ansässig gemacht, mit Steinen bombadirt hatte. Wir glaubten, daß hiermit der Haß des Pöbels in dieser Stadt seine Befriedigung gefunden haben werde. Aber es sollte nicht so sein, und wir lassen hier den Bericht des Pester Lloyd folgen. Schütt-Somerein war in den letzten Tagen der Schauplatz blutiger Excesse. Die Nachrichten über diese rohen pöbelhaften Ausschreitungen, denen ein Menschenleben bereits zum Opfer geworden (eine Mutter unmündiger Kinder erlag unter den quälenden Schmerzen in Folge der mit Mordwerkzeug nach ihr geführten Streiche), wirken geradezu empörend. Am 14. v. M. Nachts zwischen 11 und 12 Uhr stürmten, wie verlautet, unter Führung eines gewissen B.hi, mit Aexten und diversen Handwerkszeugen bewaffnete Banden das Haus eines seit Kurzem in Somerein angesiedelten Juden. Die Frau desselben, Mutter von neun unmündigen Kindern, die erst diese in Sicherheit gebracht, ward zum Opfer dieser bestialischen Horde. Zerfleischt am ganzen Körper, erlag sie nach zwei Tagen den schmerzlichsten Leiden. Eine andere achtundsiebzigjährige Frau liegt mit gebrochenen Armen, ein alter Mann mit zerschmettertem Schädel auf dem Krankenbette, und fürchtet man in jeder Stunde für ihr Leben. Der dortige Herr Stadtarzt verweigerte jede ärztliche Hilfe, denn — er müsse vorher seine christlichen Kranken besuchen. Uud während dieses, Morden und Plündern durch Stunden fortdauerte

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