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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-12-15 · Heft 51 (15.12.1868) · p. Seite 1018

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 51 (15.12.1868)
Date
1868-12-15
Page
Seite 1018 (sequence 8)
Language
German
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1018 zu machen, oder aus Gleichgültigkeit seiner eigenen Mitglieder und Leiter? Ich will nicht zu Gerichte sitzen, aber ich kenne mein Hamburg. Hat sich die Hansestadt, obschon Tummelplatz aller Producte aller Nationen und der Erzeuger dieser Produtte, geistig wie politisch immer auf ihr Weichbild zurückgezogen und mit der anderen Welt nur die allernothwendigsten Fäden des Zusammenhangs erhalten, so noch mehr die Juden Hamburgs. Für sie cxistirt außerhalb Hamburgs Nichts, was sie interessirt, und sie glauben daher auch nicht, daß Andere interessirt, was hier geschieht. Gemeinnützig und wohlthätig in hohem Grade innerhalb Hamburgs, hört ihr Gemeinsinn und ihre Wohltätigkeit mit den Grenzen der Stadt auf. Für Fremde, die hierherkommen und ihrer Unterstützung bedürfen, haben sie sicher etwas übrig; aber von hier etwas nach außen zu senden fällt ihnen nicht ein. Der Hamburger Tempel bestand und wird bestehen, aber allein nur für die Hamburger, was geht er Andere an? Was soll er für Andere eine Bedeutung haben? Die gute alte Zeit, wo sich einige Männer einbildeten, der Hamburger Tempel habe innerhalb des ganzen Judenthums einen Wendepunkt bezeichnet und eine Wichtigkeit gehabt, ist längst vorüber. Die Hamburger kennen nur ein Hamburger Judenthum, und setzen auch voraus, daß es anderswo auch Judenthümer gebe, die selbstverständlich jedes für sich zu sorgen haben; daß aber unter ihnen allen ein Zusammenhang, eine gewisse Zusammengehörigkeit vorhanden sei, fällt den Hamburgern nicht ein, und sollte es ihnen einmal Jemand sagen, so würden sie es für Scherz oder Phantasie halten. Nun, so will ich sie in ihrer Freude am häuslichen Heerde nicht stören, und die Welt wird bestehen und vorwärts schreiten, auch wenn sie kein Wort weiter von des Hamburger Tempels fünfzigjähriger Feier und der dabei gehaltenen Festrede erfährt. Vom Harze, 9. Nov. (Privatmitth.) Die Jacobson- Schule zu Sees en, einejüdischeLehr- und Erzieh ungsstalt, über welche auch in dieser Zeitschr. jüngst referirt worden, hat — wie wir in Erfahrung gebracht — bei der betr. Behörde darum nachgesucht, denjenigen Realschulen gleichgestellt zu werden, welchen die Berechtigung zusteht, Zeugnisse auszustellen, auf deren Grund die Zulassung zum einjährigen Militärdienst erfolgt. — Die erforderlichen Prüfungen sind in Folge dessen von dem Herrn Consistorialrath Stausebach aus Wolfenbüttel bereits vorgenommen — und dürfen wir uns wohl der Hoffnung hingeben, daß der Anstalt — in Berücksichtigung der ihr jüngst gewordenen staatlichen Anerkennung ihrer gedeihlichen Wirksamkeit - jene Berechtigung zu Theil werde. Uebrigens wollen wir hier noch bemerken, daß in Veranlassung der vor Kurzem stattgehabten^ Säcularfeier in den nächsten Tagxn ein Gedenkbuch Äscheinen wird, welches besonders für die vormal. Schüler der Anstalt um so mehr Interesse haben möchte, als jene Broschüre — außer einer ausführlichen Beschreibung jener Feier — auch noch „ein chronologisches Verzeichniß der Schüler der Jacobson-Schule von der Gründung der Anstalt" — also von 1801 bis 1868 — bringen wird. Braunschweig, im Nov. (Privatmitth.) Zur Jacobsonfeier ist noch nachträglich zu erwähnen, daß am 17. October auch zu Braunschweig, wo Jacobson längere Zeit gewohnt, eine Synagogenfcier zu seinem Gedächtniß durch den Landrabbiner Dr. Herzfeld stattgefunden hat. Neuwied am Rhein, 22. Novbr. (Privatmitth.) Als Gegensatz zu den, in neuerer Zeit so vielfach zu Tage getretenen pietistischen und ultramontanen Lieblosigkeiten, verdient die heute in Anwesenheit Ihrer Majestät der Königin Augusta dahier stattgehabte feierliche Einweihung des von der Fürstin Maria zu Wied erbauten allgemeinen Krankenhauses einer ganz besonderen Erwähnung. Es waren zu dieser Feier, außer den Geistlichen der hier so zahlreich vertretenen christlichen Confesstonen, nicht nur der Cultusbeamte der hiesigen Synagogen- Gemeinde, Herr Cantor Rosenfeld, sondern auch der Gesammt-Vorstand derselben von der Fürstin zu Wied eingeladen. Die bei Uebergabe des Schlüssels von der letztgenannten hohen Dame gehaltene Rede durchwehte der Geist der edelsten, allgemeinen Menschenliebe, „welche keine konfessionellen ^Scheidewände kenne." Ganz in demselben Geiste war die Weiherede des Predigers der reformirten Gemeinde gehalten. Auch er betonte besonders, daß bei der Aufnahme in dieses Haus nicht nach dem religiösen Bekenntnisse gefragt werden dürfe. Dieser Rede schlossen sich der Reihe nach die kurzen

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