Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 51 (15.12.1868)
- Date
- 1868-12-15
- Page
- Seite 1015 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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graphirten Tafeln. (Breslau 1869. Verlag der Schletter'schen Buchhandlung). Mit gewohnter Sachkenntniß, Umsicht, und Scharfsinn stellt hier der Verf. die Siegel und Gemmen der angeführten Kategorien zusammen und giebt seinen Untersuchungen durch die hinzugefügten sorgfältigen Abbildungen einen besonderen Werth für den Forscher und Freund dieser Alterthnmer. Sie reichen nach de»','^crgebnisieu der besten Forscher bis in das achte Jahrhundert vor ver gewöhnlichen Zeitrechnung hinauf. Allerdings sind die Resultate über die Inschriften der Gemmen und Siegel auch jetzt noch so schwankend und unbedeutend, daß sie wenig Sicheres bieten. Man ist noch heute meist auf Hypothesen beschränkt und muß sich Kriterien schaffen, die wiederum hypothetisch sind. Uns erscheint es eigenthümlich, daß man bei diesen Untersuchungen allzu wenig die Bilder und Symbole auf den Siegeln uud Gemmen in Betracht zieht und sich vielmehr an die unsicher lesbaren Inschriften hält. — Unter dem Titel: nbnn ms oder Ruhmeshalle rc. hat Herr Joseph Cohn, der Redacteur des in Lemberg, den hübschen Gedanken gehabt, die in hebräischer Sprache verfaßten Gebete, Adressen und Gedichte, welche Sir Moses Montefivre zum Gegenstand haben, als ein Album zu sammeln. Es versteht sich, daß Vollständigkeit nicht erreicht werden konnte; aber schon in diesem Umfange hat die Sammlung großes Jntereffe und wird als ein Denkmal der Zeit aufbewahrt bleiben. Zu bemerken ist, daß außer London nur die östlichen Gemeinden von Wien und Prag Material lieferten. Alles in modernen Sprachen Abgefaßte ist ausgeschloflen. Angehängt sind einige ins Hebräische übersetzte Actenstücke. — Ein Blick auf das Freimaurerthum vom Standpunkte des' Judenthums aus. Von Dr. L. Landsberg, Oberrabbiner im Herzogthum Limburg. (Amsterdam, S. M. Cvutinho ju». u. Comp. 1868). Ein sehr interessantes Schriftchen, welches auch dem Nichtfreimaurer eine belehrende Lectüre darbietet. Der Verf. geht von der Ansicht aus, daß „sowohl den Grundsätzen als der Symbolik nach das Maurerthum im Judenthume wurzelt," und sucht nun diese Ansicht zu erweisen. Es sind ihm weniger die allgemeinen Grundsätze als die Symbolik, diese äußere Ausprägung desselben Geistesinhaltes, welche ihm die Anhaltspunkte bietet. Nach einer allgemeinen Betrachtung, wie. der Mensch dazu kommt, sich das Schaffen und Wirken unter dem Bilde des Bauens vorzustellen, geht er die Stellen der Bibel durch, in welchen das Bauen in diesem Sinne gebraucht wird. Das Hauptgewicht legt er nun nicht sowohl auf die Effäer, deren Grundsätze er einer Untersuchung unterwirft, als vielmehr auf die aus diesen hervorgegangenen Banal'm, über welche er die verschiedenen Stellen des Talmuds bespricht, und wo zuletzt'das Wort Baumeister für einen Träger der Weisheit gebraucht wird. Man wird dieser Erörterung einen besonderen Werth zusprechen müssen. Die Banalm sind nach ihm kein abgeschloffener Orden, sondern standen inmitten des Judenthums und durchdrangen die Maffen; sie waren die eigentlichen Träger des Judenthums, die Repräsentanten der Weisheit in Lehre und Leben; sie sahen in dem Verstand, dem Denken, der Erkenntniß die erste Bedingung zur Erreichung der Tugend und Religion; sie hatten eine den Effäern ähnliche, aber sehr vereinfachte Symbolik, in deren Vordergrund das „Bauen" stand. Banos, als dessen Jünger Josephus sich bekennt, war ein solcher isolirter effäischer Baumeister. Allerdings kann nun der Verfasser einen geschichtlichen Faden von diesen jüdischen Banalm zu den allgemeinen Freimaurern nicht Nachweisen. Es ist ihm aber auch darum nicht zu thun, da ihm diese frappanten Aehnlichkeiten genügend erscheinen, die Verwandtschaft, wenn nicht die Abstammung zu erhärten. Wir verweisen den Leser auf das Schriftchen selbst. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 2. December. In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 27. d. benutzte der Abg. Dr. Kosch die Generaldebatte über den Etat des Justiz- Ministeriums, die Frage über Anstellung der Juden im Justizfache abermals zur Sprache zu bringen. Seine Rede lautete nach dem stenographischen Berichte wie folgt: „Meine Herren! Die General-Diskussion über den Etat des Justiz-Ministeriums giebt mir, wie ich glaube, die einzig passende Beranlassuug, eine Frage hier wieder bei Ihnen in Anregung zu bringen, die regelmäßig seit vielen Jahren alljährlich hier zur Diskussion gelangt und, wie ich hinzusetzen darf, immer zu Gunsten der Betheiligten ausgefallen ist. Sie vermuthen wahrscheinlich schon, was ich meine. Es - ist die Anstellungsfähigkeit der Juden, meiner Glaubensgenossen, zu allen öffentlichen Aemtern im Staatsleben,