Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-12-15 · Heft 51 (15.12.1868) · p. Seite 1014

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 51 (15.12.1868)
Date
1868-12-15
Page
Seite 1014 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226635-3226687--26714-3262269
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1014 Doch wir brauchen diese Befürchtung nicht zu hegen. Was auch die Wortführer der Parteien wühlen und schreien mögen, die große Maste dieser Parteien selbst will nichts davon wissen. Der Geist der Einheitlichkeit, der trotz zeitweise», sehr verschiedenen Richtungen das Judenthum seit der Rückkehr aus dem babylonischen Exil beherrscht hat, lebt noch heute in ihr und sie besitzt zu viel des richtigen Gefühls und Instinktes, um mehr als in sehr geringer Anzahl von Individuen den Locktönen der heuchlerischen Fanatiker zu folgen. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 2. Dec. Es giebt zwei Namen aus dem vorigen Jahrhundert, welche von einander nicht getrennt werden können, die, wie sie aufeinander gewirkt, sich auch gegenseitig ergänzten. Die Erscheinung des einen kann ohne die des anderen nicht vollständig begriffen werden — Lessing und Mendelssohn. Beide haben auch das Glück gehabt, würdige, gründliche und umfassende Biographien zu haben. Die ausführliche Bearbeitung des Lebens und Wirkens Lessings verdanken wir Adolph Stahr; ihr folgte die Biographie Mendelssohns von M. Kayserling. Auch betreffs dieser beiden trefflichen Werke können wir sagen, daß sie sich gegenseitig ergänzen und nicht wohl ohne einander ein vollständiges Bild des ganzen Verhältnisses, der ganzen Entwickelung und Wirksamkeit beider Männer geben. Es würde daher unsererseits einer Rechtfertigung bedürfen, wollten wir an dieser Stelle nicht erwähnen, daß soeben in sechster Auflage erschienen ist: G. E. Lessing. Sein Leben und seine Werke von Adolph Stahr. Zwei Bände. (Berlin, Guttentag 186.9). Die Ausstattung ist vortrefflich. — Philosophisches aus dem zehnten Jahrhundert. Ein Beitrag zur Literaturgeschichte der Muhammedaner und Juden von Leopold Dukes. (Rakel, Kallmann 1868). Es kann nicht Jedermann Baumeister sein; es müssen auch Männer vorhanden sein, welche das Baumaterial herbeischasten. Von diesen aber kann man mit Recht verlangen, daß sie die von ihnen aus den verschiedensten Orten herangebrachten Materialien nicht chaotisch untereinander werfen, sondern die verschiedenen Arten von Gegenständen gesondert aufhäufen. Welche Plage für den Baumeister, wenn Quadern, Ziegelsteine, Zimmerhölzer, Kalk, Lehm, Sand re. in schrankenloser Verwirrung übereinander geschüttet sind, und jener was er braucht, erst heraussuchen und graben soll. Der Leser verzeihe diese lange Einleitung zu einem kurzen Referat. Wir haben es aber hier mit einem verdienstvollen Manne zu thun,- dem wir nicht gerne zu nahe treten möchten. In dem vorliegenden Werke hat Dukes eine Unmasse kleiner Aausachen zusammengeholt, aber gänzlich untereinander geschüttet. Er versuchte zwar einen Faden zu finden, an den er seine bunten Perlchen und Steinchen anfreihe, indem er fein Buch in „Vorwort, Einleitendes, die lauteren Brüder, Alfarabi, und Anhang" theilte und dann „ergänzende Noten und Zusätze, Zusätze zum Anhang und Zusätze zum Vorwort" hinzufügte; aber dieser sein Faden verwirrte und verknotete sich wieder selbst. Dukes hat bekanntlich eine gute talmudische und rabbinische Spruchsammlung geliefert; seitdem hat er sich in Sprüche und Sprichwörter aller Völker und Sprachen verloren, diese zu einer ungeheuren Maste aufgespeichert und reicht im vorliegenden Schriftchen wieder einige Spatenstiche dieser ungeordneten Masse dem Publicum dar. — Die jüdischen Wirren in Ungarn. Beitrag zur Zeitgeschichte von Leon da Modena Redivivus. Erster Theil: Vor dem Congresse. (Pest: Aigner und Rautmann 1868.) Es ist nicht ganz zufällig, daß wir dieses Schriftchen an das vorhergehende anreihen. Es bespricht nicht allein „die jüdischen Wirren in Ungarn", sondern gibt an sich selbst ein Bild derselben. Der Verfasser, das erkennen wir gern an, bringt eine Menge richtiger Aperyüs; aber nichts ist vollständig oder erschöpfend, nichts klar und geordnet. Im Ganzen dringt der Verf., indem er sich auf Seiten der radialsten Reform stellt, ebenso auf eine wirkliche Trennung der orthodoxen und aufgeklärten Judenheit, wie die extremen Orthodoxen. Es wird dies wohl erfolglos bleiben. Die Entwicklung unsrer Zeit will dergleichen, später nur um so schwieriger zu überwindende Spaltungen vom Standpunkte des Glaubens nicht. Wir werden uns in einem Leitartikel hierüber aussprechen. Der Verf. streichelt die Karäer, aber haben diese nicht ebenfalls einen Talmudismus, nur in anderer Art producirt? Wenn der Verf. den Reformern Muthlosigkeit vorwirft, so möchten wir ihn fragen, welcher Muth gehört dazu, unter einem pseudonymen Titel seine Weisheit in die Welt zu werfen? — Siegel und Gemmen mit aramäischen, phönizischen, althebräischen, himjarischen, nabathäischen und altsyrischen Inschriften erklärt von Professor vr. M. A. Lev y. Mit drei litho-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.