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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-12-08 · Heft 50 (8.12.1868) · p. Seite 1009

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 50 (8.12.1868)
Date
1868-12-08
Page
Seite 1009 (sequence 19)
Language
German
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1009 kam und verfuhr in gleicher Werse, Ns fünf oder sechs das Gesetz sich hatten lesen lasten. Danach waren fünf oder 'sechs damit beschäftigt, die beiden Gesetzesrollen wieder einzuwickeln und zu schnüren, worauf sie die Klingeln und den knospenden Stab wieder aufsteckten und sie in feierlichem Zuge wie vorher zurücktrugen, und der Priester stellte sie in die Arche; und sie standen singend eine Wei.lr« davor. Darauf las der Priester allein vor deK Altar sehr viele kizrze Gebete, bei welchen sie Alle aufstanden und Amen sagten. (Schluß folgt.» Fragmente aus dem Leben des berühmten Orientalisten Joh. Buxtorf. Mitgetheilt von B. Alsbach, Lehrer a. d. öffenl. isr. Schule zu Camen (Westphalen). Wohl selten mag eine nichtjüdische Familie existirt haben, die eine solche nacheinander folgende Reihe tüchtiger Orientalisten aufzuweisen hätte, wie die Familie Buxtorf. Aus diesem Grunde, dann auch wege^eines gewissen Local-Patriotismus, — keinesweges aber, weil etwa die Zuneigung zu dem jüd. Volke mit seiner Vorliebe für deren Literatur gleichen Schritt gehalten -hätte — wollen wir, da uns zufällig einzelne Briefe aus dem handschriftlichen Rachlasse des Verfassers zu Gebote stehen, einige Streiflichter auf das Leben dieser Familie werfen, die theils deren Stellung zu ihren jüd. Zeitgenossen, theils überhaupt die Zustände der damaligen Zeit characterisiren. \ Johannes Buxtorf, Vater, war am 25. Decbr. 1561s zu Camen in Westfalen geboren*), besuchte dann das Gymnasium zu Hamm und trat darauf in das Archigymnasiuin von Dortinund ein. Später setzte er seine wissenschaftliche Laufbahn in Marburg fort, wo es besonders Piscawr war, der ihn für das Studium der hebräischen Sprache gewann, und das mit solchem Erfolge, daß der hochgeehrte Gelehrte in Briefen mehr denn einmal versicherte, der Schüler habe den Lehrer übertrosten. Nachdem er noch einmal, dem Zuge seines Herzens folgend, seine liebe Heimath Westfalen besucht hatte, bestieg er den Lehrstuhl der hebr. Sprache in Basel. *) In einem Briese seines Oheims, des Dr. I. U. Buxtorf aus Corbach, an den Gelehrten H. Leo Curio in Basel heißt es: lieber Abkunft und Familie vernimm in Wahrheit: Sein Vater Johannes, dereinst mein leiblicher Bruder, war der Verkünder des Wortes Gottes in unserer Vaterstadt Camen, allwo er 30 I. lang als solcher im Segen gewaltet hat. Der Großvater von väterl. Seite hat während 30 I, und länger noch mit großem Lobe das Bürgermeisteramt in Camen verwaltet. Seine Mußezeit wandte Joh. mit dem stärksten Fleiße unverwandt für die Forschungen und die Bereicherung seiner Wissenschaften an. Wenn die Quellen der Erkenntniß auf zwei Wegen fließen: die eine im stillen Verkehr mit Büchern, die andere im schriftlichen und mündlichen mit den Menschen, so hat unser Professor gleich emsig und reichlich aus beiden geschöpft. Das beweist der kostbare Bücherschatz, den er, mit vielem Gelde gewonnen, seinem Sohne hinterließ und der im I. 1705 der öffentlichen Bibliothek einverleibt worden ist, wo er heute noch als eine für sich bestehende Abtheilung unter dem Namen des alten Besitzers von dem übrigen Theil der Bibliothek geschieden steht. Das beweist auch der beständige Umgang mit jüd. Gelehrten und Rabbinern, wurde er doch selbst rabbinorum Magister genannt. Toffanus (Ghmnasiarch zu Basel, der bald nach Johannes, des Vaters, Tode im theologischen Hörsaale deinselben eine Lobrede hielt — Joh. Buxtorfii vita et mors, oratio parentalis — welchem opus, beiläufig gesagt, sehr viele der hier vorkominendeu Angaben entlehnt sind» behauptet, er habe mehrmals, sogar Monate lang, gelehrte Juden in seinem Hause auf seine Unkosten gespeist und beherbergt, um die gottesdienstlichen Gebräuche des Jurenthums zu erspähen und seine Kenntnisse in der hebr. Sprache immer mehr bereichern zu können. So hatte er 1617 einen gelehrten Juden samint Frau und Kind mit Bewilligung des Rathes zu Haus und Tisch gezogen, denen der Aufenthalt indeß nur unter der Bedingung gestattet worden, daß sie nichts anders betreiben sollten, als den Druck des hebr. Werkes abzuwarten. Diese Mithülfe sollte ihm indeß theuer zu stehen koinmen. Im Sommer 1619 genas des gelehrten Juden, Abraham, Weib, eines Knäbleins unter des Professors Dach. Mit Gestatten des obersten Rathsdieners, dem die Jurisdiction in'denjüd. Angelegenheiten oblag, wohnten etliche Glau- »bensMossen Abrahams der Beschneidung bei. Aber Äuch unfern Professor, seinen Tochtermann (Buchdrucker König) und noch zwei andere Bürger, deren einer der oberste Rathsdiener selbst war, trieb Forschungseifer und Neugierde, dem verhängnißvollen Ritus beizuwohnen. Auf erfolgte Anklage hatten um dieses unchristlichen, feindlichen Benehmens willen Buxtorfl und König je 100 Gulden, der Jude Abraham 400 Gulden zu bezahlen, und die übrigen mit 3 Tagen Einthürmung zu büßen. Herrliche Zustände! 1602 erschien das Manuale chaldaicum ethebraicum „des steigenden Namens glücklicher Aufgang." Es fand 6 Editionen und 1658 noch eine durch seinen Sohn. Das Buch Synag. jud. ist ins Lateinische, selbst Flamändische übersetzt und in mehreren Auflagen herausgcgebcn worden; gleichwohl wird ihm zum Vorwurf gemacht, daß es zu oberflächlich, parteiisch befangen geschrieben sei. Niceron, Memoires, urtheilt: il y regne un ddfaut qui vientde la trop grande prevention de l’auteur ä l’egard desRabbins. II y rapporte mille bagatelles qu’il avait pirses d’eux et qui n’ont souvent de fon-

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