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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-12-08 · Heft 50 (8.12.1868) · p. Seite 997

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 50 (8.12.1868)
Date
1868-12-08
Page
Seite 997 (sequence 7)
Language
German
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bilden und unterrichten laßt. Das kann nur einen traurigen Eindruck im Lande machen; das beweist, daß die Unterrichts-Verwaltung nicht geleitet wird — ich spreche nicht von dem Geiste Frjedrich's — zunächst von den Grundsätzen unserer Verfassung, die wir durch einen Eid als unsere Norm und Richtschnur anerkannt haben. Wie kann es Vertrauen erwecken, wenn der Inhaber der höchsten Unterrichtsstelle gegen die Grundsätze der Verfassung, die bei den höheren Unterrichts-Anstalten nicht die Confession einführen, das höhere Schulwesen in einer Stadt wie Breslau geradezu schädigt? Und eine Schädigung liegt vor, wenn man eine Stadt hindert, für den Unterricht etwas zu thun, was sie zu thun bereit ist, indem sie die Mittel aus eigenen Fonds freiwillig aufzubringen entschlossen ist." Bemerkenswerth ist übrigens, daß auch der Führer der freiconservativen Partei, Graf Bethusy-Huc, sich für die Confessionslosigkeit der höheren Unterrichtsanstalten erklärte.' Unterdeß bringen die Zeitungen die Nachricht, daß der Oberbürgermeister Hobrecht von Breslau, wo also der Kultusminister bisher gleichfalls die Eröffnung eines konfessionslosen Gymnasiums nicht gestatten wollte, eine Audienz bei dem Könige hatte und von diesem die Versicherung erhielt, die Schule werde die allerhöchste Konzession erhalten. Es ist dies demnach in kurzer Zeit der dritte Fall, in welchem der König Remedur gegen das Verfahren seines Kultusministers hat eintreten lassen, und sich mit den Prinzipien des letztern nicht einverstanden erklärt hat. Ob dies ein haltbarer Zustand ist? Aus dem Breisgau, 19. Novbr. Die „Bad. Landeszeitung" schreibt: „Mit Vergnügen sehen wir in Nr. 268 der Breisgauer Zeitung die allgemein verbreitete Meinung nun auch öffentlich ausgesprochen, daß, solange der Oberrath der Israeliten in seiner jetzigen Form fortbesteht, nie in Baden an eine Fortentwickelung des Judenthums gedacht werden kann und die staatlich ausgesprochene Gleichstellung der Juden nie vollständig sein wird. Es wird nun nächste Woche eine Versammlung von Shnagogenräthen verschiedener Gemeinden des Oberlandes stattftnden, worin der Antrag eingebracht werden wird, an alle Gemeinden des Landes ein Rundschreiben ergehen zu lassen und dieselben aufzufordern, einhellig das Gesuch einzureichen, die die Freizügigkeit der Israeliten Badens noch hemmende Verordnung vom 30. Januar 1849 außer Kraft zu setzen, und das Institut, das man großh. bad. Oberrath der Israeliten nennt, an Haupt und Glieder umzuwandeln und die israelitische Kirchenbehörde aus Männern zu bilden, die den Willen haben und im Stande sind, etwas Gutes zu leisten, und die der nach Freiheit und Fortschritt strebenden Zeit Rechnung tragen. Wir zweifeln nicht, daß unsere Regierung, welche allen ihren Staatsbürgern gleiche Rechte und Freiheit gewährt, dem Wunsche der einsichtsvollern, nach Licht und Wahrheit strebenden Israeliten willfahren wird. Ferner nehmen wir als sicher an, daß der größte Theil der israelitischen Gemeinden sich dem Gesuche anschließen werde." Wollstein, 22. Novbr. (Privatmitth.) Die hiesige jüdische Gemeinde beging am 19. d. M. in eben so erhebender als entsprechender Weise die Feier der goldenen Hochzeit ihres würdigen Rabbiners Herrn Moses Greiffenhagen mit seiner Ehefrau Rosa geb. Friedmann. Das Jubelpaar ist verhältnißmäßig noch jung; denn der Jubilar zählt 70 und die Jubilarin erst 66 Jahre, beide sind noch ganz rüstig. Im Laufe des Vormittags begaben sich die Gemeindebehörden und die Vorsteher der Wohlthätigkeitsvereine in die Behausung des Jubilars und überreichten kostbare Geschenke; ihnen folgten unsere städtischen Behörden in pleno und brachten im Namen der Stadt ihren Glückwunsch dar, wobei der Bürgermeister Herr Heuer dem Jubilar den Ehrenbürgerbrief hiesiger Stadt überreichte. Um 11 Uhr Vormittags fand die gottesdienstliche Feier statt. Die Predigt hielt Rabbiner vr. Wreschner in Meseritz in sehr schwungreicher Weise, und betrat nach ihm der Jubilar selbst die Kanzel und sprach seine Gefühle tiefergreifend in einem Dankgebete aus. Am Abend hatte die Gemeinde dem Jubelpaar ein Festmahl von hundert Gedecken bereitet, welchem auch die städtischen Behörden beiwohnten. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, Mitte Novbr. (Wiener Briefe III). „Was man in der Jugend wünscht, hat man im Alter die Fülle" können wir Männer jetzt sagen, die wir nach Tropfen parlamentarischen Lebens in unseren jungen

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