Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 50 (8.12.1868)
- Date
- 1868-12-08
- Page
- Seite 996 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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m hm so sehr zurückgeblieben waren*). Seit dem Ende der zwanziger Jahre entwickelte sich unter ihnen eine großartige Regsamkeit, in deren Folge eine bedeutende Zahl von Talenten auftauchte, von denen einige sogar an die Spitze der geistigen Bewegung traten. Da der Demokratismus allein dies möglich gemacht hatte, so ist es begreiflich und natürlich, daß die Juden die Ideen desselben mit aller Begeisterung erfaßten und für deren Verbreitung wirkten." Sodann fährt der Vers, fort: „Es bedarf der Erinnerung nicht, daß Heine und Börne zuerst die Juden mit glänzendem Erfolg in die Literatur einführten — daß sie und Andere zum Christenthum übergingen, kann nicht in Betracht kommen. Von nicht geringer Bedeutung sind außer ihnen noch (alphabetarisch geordnet) Auerbach, K. Beck, Feldmann, L. Aug. Frankl, Kompert, Ludw. Kossarski, ferner: Formstecher, die beiden Kalisch, Jul. Kossarski, Lederer, F. Lewald, Ludw. Philippson und O. L. B. Wolfs, die wir entweder schon erwähnt haben oder die wir noch zum Thcil ausführlicher besprechen werden." Es werden in den uns vorliegenden Heften außerdem noch genannt, als Lyriker: Ludw. Wihl, Herloßsohn, MichelBerend, A. Horwitz, H. Zirndorf, Moritz Rappaport, als Uebersetzer: M. Sachs, Steinschneider, ferner: Ed. Boas, Rodenberg u. a. m. Wir werden auf dies Nationalwerk später zurückkommen. Diese kurze Anzeige mag genügen, die Aufmerksamkeit unserer Leser darauf zu lenken. — Ans ein anderes Gebiet führt uns die Schrift „Matnath Nachaliöl, Producte neuhebräischer Literatur, poetisch bearbeitete Legenden und Mythen aus Talmud und Midrasch und Midrasch-Exegese" von Hermann Wassertrilling, Rabbiner in Militsch (Schlesien), *) Der Herr Verfasser hat selbverständlich hier nur Deutschland im Auge, denn in anderen Staaten wie Spanien, Italien, Holland waren die Juden hinter der geistigen Bildung des christlichen Volkes nicht allein nicht zurückgeblieben, sondern ihm vorangegangen. K. (Die Erwägung, daß die bürgerliche Gleichstellung nur durch die Erlangung einer höheren Bildungsstufe erreicht werden könne, ist doch nur ein Motiv gewesen, das in den Jahrzehenden nach Mendelssohn wohl nur Wenigen bewußt war; ein anderes und wirksameres Motiv lag in dem Bildungstriebe selbst, der einmal geweckt, unwiderstehlich seine Befriedigung sucht. Für die Masse waren dann die Lebensverhältnisse selbst der zwingendste Grund. Redact.) deren zweites Bändchen im Selbstverläge des Verf. vor Kurzem erschienen ist. Dasselbe behandelt hauptsächlich die Perikopen des 3.—5. B. Mos. Die Midrasch-Deutungen des strebsamen Verf. sind zuweilen nicht ohne Geist und Geschmack und werden auch auf alle Diejenigen, welche an derartigen Expectorationen Gefallen finden, einen günstigen Eindruck machen. Recht gelungen ist die Uebersetzung des ^chiller'schen Gedichtes: Der Kampf mit den Drachen, in hebräischer Sprache, welche der Verf. bekanntlich mit vieler Gewandtheit handhabt. Das schroffe, mehr subjektive Urtheil, welches Herr Wassertrilling in der, der Midrasch-Exegese vorgedruckten hebr. Correspondenz (S. 6—24) über Wen Esra fällt, wird den Ruhm des großen Kritikers nicht schmälern. Möge dieses Bändchen, „welches auch in seinem Aeußern schöner als das erste ausgestattet ist," viele Käufer und Leser finden. Kayserling. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 24. Novbr. In der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses begann bereits der Kampf gegen die Prinzipien, nach welchen der gegenwärtige Unterrichtsminister verfährt, besonders gegen sein Verfahren betreffs der höheren Schulen, namentlich was den Fall in Breslau betrifft. Der Abg. Richter (Sangerhausen) sprach sich unter Anderem folgendermaßen darüber aus: „Wir wissen, die Breslauer wollen ein Gymnasium errichten ohne Rücksicht auf die Confessionen, und zwar aus dem guten Grunde, weil dort Evangelische, Katholiken und Israeliten gemeinsam leben und gemeinsam beitragen zur Hebung und Erhaltung des Unterrichtswesens. Nun frage ich: Kann das Vertrauen erwecken, daß der Herr Minister eine Forderung stellt, die in der Verfassung nicht begründet ist?! In der Verfassung wird nur der Grundsatz ausgesprochen, daß in der Volksschule möglichst solle Rücksicht genommen werden auf die Confessien. Aber nur möglichste Rücksicht! Dieser Grundsatz wird jetzt nicht bloß übertragen auf höhere Unterrichts-Anstalten/ sondern es wird auch, trotz aller dagegen sprechenden Gründe, die Forderung gestellt: Ihr müßt entweder ein Gymnasium errichten, wie ich es fordere, oder ich gebe nicht die Genehmigung dazu, daß ihr eure Kinder