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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-12-08 · Heft 50 (8.12.1868) · p. Seite 994

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 50 (8.12.1868)
Date
1868-12-08
Page
Seite 994 (sequence 4)
Language
German
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M im Jahre 1600 eine Zählung von allen Bodenarbeitern des Bisthums Salamanca vorgenommen, und daß man deren 8,384 zählte, welche 11,745 Gespanne Ochsen besaßen. Eine neue Zählung 1619 vorgenommen, ergab nur 4,135 Landbauern mit 4,822 Gespannen. In weniger als zwanzig Jahren hatte sich die Bevölkerung dieses Distrikts um mehr als die Hälfte vermindert. Im Anfang der Regierung Philipp IV. überstieg die Totalsumme der Bevölkerung nicht sieben Millionen. Eine große Anzahl Städte und Dörfer verfielen zu Ruinen. Zu Valladolid blieben die Blicke der Reisenden mit Erstaunen auf einer Menge schöner unvollendet gebliebener Häuser haften. Man erblickte dort überall Spuren eines großen plötzlich unterbrochenen Gedeihens. Drei Viertel der Dörfer von Katalonien waren unbewohnt. Man zählte deren 194 in Neu-Kastilien, 307 im Alten Kastilien, 202 in der Provinz Toledo, fast an 1000 in der Provinz Cordova, aus denen die Bewohner verschwunden waren. Estremadura, dieses gelobte Land Spaniens, ehemals so berühmt durch seine Fruchtbarkeit und die Milde seines Klimas, bot den Anblick einer weiten Einöde. Ein Drittheil des Bodens war Brachfeld und die Bewohner hatten gänzlich die Cultur der Weinrebe aufgegeben, die ehedem einen Theil ihres Reichthums ausmachte. In Andalusien lag die früher so wohlcultivirte Ebene, die sich um Tarif ausbreitet, gänzlich wüst da. Der Reisende durchschritt fünf oder sechs Meilen der herrlichsten Landschaft ohne ein Haus noch ein bebautes Feld zu finden. Im alten Kastilien sah man eine ungeheure Ausdehnung von Land bedeckt mit Gestrüpp und Dornen; keinen Baum, unter dessen Schatten man sich hätte ausruhen können. Ein kurzes und ausgetrocknetes Gras reichte kaum dort zur Nahrung für die Heerden von Merinos hin. Auch fand man nur eine kleine Anzahl von Thälern, in denen die wenigen Dörfer dieser Provinz zerstreut lagen. Um die absolute Entblößung auszudrücken, welche den Reisenden in diesen unwirthlichen Ebenen erwartete, hatten die Kastilianer die Gewohnheit zu sagen: „die Lerche, die Kastilien durchstreifen will, muß sich ihr Körnchen mitbringen." Die Räche Philipps sagten ihm voll Schreckens: „Die Häuser fallen zusammen, und Niemand baut sie wieder auf; die Einwohner ergreifen die Flucht, die Dörfer sind verlassen, die Felder unbebaut, die Kirchen leer." Die Cortes ihrerseits sagten ihm: „Wenn dies Uebel andauert, wird es bald keine Bauern mehr geben das Land zu bebauen, keine Piloten um die Schiffe zu führen, Niemand wird fich verheirathen wollen. Cs ist unmöglich, daß das Königreich noch ein Jahrhundert bestehe, wenn man nicht ein kräftiges Hülfsmittel findet." In einem Anfall religiösen Eifers beschlossen fie zum göttlichen Beistand ihre Zuflucht zu nehmen. Eine Verordnung schrieb vor, öffentliche Gebete an die heilige Therese von Jesus zu rieten, und selbst bei der Gefahr, die Empfindlichkeit des heiligen Johannes zu verwunden, proclamirten sie die Cortes zur Schutzheiligen von Spanien. Nach der Unterzeichnung des Pyrenäischen Friedens gelang es Philipp IV. kaum, 15,000 Mann marschfertig zu machen, um die Portugiesen zu bekämpfen; und unter diesen Soldaten gab es ungleich mehr Deutsche, Italiener und Wallonen als Spanier. Spanien, das ein ebenso ausgedehntes und viel fruchtbareres Land als Frankreich ist, sah sich unter der Herrschaft Karl II. auf eine Bevölkerung von 5,700,000 Seelen reducirt. Die Mauren begannen wieder die Küsten Andalusiens zu belästigen und bemächtigten sich ungestraft der Barken, welche sie im Umkreis einer Meile vom Ufer überraschten. Als sie 1688 die Belagerung von Oran unternahmen, fürchtete man in Madrid, daß sie bald daran denken würden, die Meerenge zu überschreiten, um auf's Neue die Eroberung Spaniens zu versuchen. „Man hat keine Nachrichten von Oran, schrieb der Graf Röbenac an Ludwig XIV., und man ist darüber stets in Sorge. Wenn die Spanier diesen Platz und einige andere kleine, die sie in der Meerenge besitzen, verlören, würden die Mauren leichter in Spanien eindringen, als sie es ehemals gekonnt. Das Land ist so entvölkert an dieser Küste, die Ordnung ist dort so schlecht, und man würde so wenig im Stande sein, ihnen Widerstand zu leisten, daß die Gescheutesten jetzt in der größten Besorgniß sind." Das Innere Spaniens war nicht weniger entvölkert als die Grenzprovinzen Andalusiens, Granada's, Murcia's und Valencia's. Es gab in den Umgebungen Segovia's einen Landstrich von 24 Meilen im Umkreis, den man den Ooapodlaäo nannte, weil er gänzlich unbewohnt war. Im Mittelpunkt dieser weiten Einöde erhob sich ein befestigtes Schloß, In casa castrillo, dessen Besitzer gleich einem kleinen Souverain betrachtet wurde. In der Provinz Estremadura waren auf der viertel Quadratmeile nur 184 Einwohner. Die Berge von der Sierra-Morena waren wüste und seit fast einem Jahrhundert dienten sie zu Schlupfwinkeln für Banditen und wilde'Thiere. Sie wurden erst wieder im Jahre 1763 bevölkert. Vom Grasen Ola-

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