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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-12-08 · Heft 50 (8.12.1868) · p. Seite 993

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 50 (8.12.1868)
Date
1868-12-08
Page
Seite 993 (sequence 3)
Language
German
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Während in Wahrheit der Leichnam Philipps an einem ganz anderen Orte beigesetzt war, als wo Juana verweilte, wurde ausgesprengt, sie wolle sich von demselben gar nicht trennen und behandle ihn noch als lebend. So wurde die Unglückliche in eine dunkle, fensterlose Zelle des kleinen königlichen Schlosses v. Tordesillas eingesperrt und hier von jedem Kontakt mit den Menschen auf da? sorgfältigste ferngehalten. Ähr Kerkermeister, der schon erwähnte Ferren, behandelte sie auf das grausamste. Zwölf schändliche Weiber, die sie auf alle Weise quälten, wurden ihr als Bewachung zugegeben. Da sie die Theilnahme an den Ceremonien der Kirche verweigerte, wurde die Tortur der cuerda, des Strickes, gegen sie angewandt, welche darin bestand, daß der Delinquent an den Händen aufgehangen und ihm Gewichte an die Füße gebunden wurden, so daß er Gefahr lief, seine Glieder aus den Gelenken gerissen zu sehen. Die Königin wurde mitsammt ihrer im Jahre 1506 geborenen Tochter Catalina in unanständiger Dürftigkeit gehalten; hatten sie einmal gute Kleider am Leibe, so rissen ihre Wächterinnen ihnen dieselben ab: ja es wurde Mutter und Tochter verwehrt, einander zu sehen. Und dies Alles verübte der „katholische" Ferdinand gegen seine Tochter und Enkelin nicht etwa ad majorem Dei gloriam, sondern nur aus reiner Herrschsucht! Am 23. Januar 1516 starb er, und der Sohn Juana's, Karl (V.) erhielt die Herrschaft über ganz Spanien. Sehen wir, wie nun der Sohn gegen seine Mutter verfuhr. Der Regent Spaniens in Karls Abwesenheit, der Cardinal Nmenez, entfernte aus alter Feindschaft Ferren von seinem Kerkermeisterposten „wegen allzu großer Grausamkeit." Karl war hierüber sehr ungehalten. „Unsere Sache ist es," schrieb er an den Cardinal, „für die Tröstung und Beglückung unserer Herrin, der Königin, zu sorgen." So setzte er derselben, in der Person des Marques von Denia, einen noch schlimmeren Quälgeist. Es würde den Leser ermüden, würden wir ihm die Einzelheiten der schändlichen Behandlung erzählen, welche die Beklagenswerthe mit der Billigung ihres eigenen Sohnes zu dulden hatte; erwähnt mag nur noch werden, daß Karl die Anwendung der Cuerda-Folter noch mehrere Male gegen sie gestattete. Ein Mönch, der bei ihr verweilt hatte und für sie bei Karl Fürbite einlegte und diesen an seine Sohnespflichten erinnerte, wurde von ihrer Umgebung entfernt und so lange verfolgt, bis er im Elende umkam! Endlich verfiel die Königin durch diese schreckliche Behandlung, die offenbar ihren Tod beabsichtigte, wirklich in Wahnsinn. Fünfzig Jahre duldete sie im Kerker und starb erst am 12. April 1555, wenige Zeit vor ihrem grausamen Sohne. Dies sind die Regenten, welche zu Ehren Gottes Verfolgungen jeder Art über Andersgläubige verhängten. Die Geschichte reißt ihnen immer mehr den gleißnerischen Mantel ab und enthüllt ihre wahren Absichten und Pläne, die eben auf nichts Weiteres als die Befriedigung der persönlichen Herrschsucht, des schrankenlosen Ehrgeizes gerichtet waren, welchen dann kein Mittel zu schlecht erschien. — Wir wenden uns nun zu unserer zweiten Frage: in welche Zustände Spanien verfiel, nachdem es seine jüdischen und maurischen Bewohner hinausgetrieben hatte? Wir benutzen zu deren Beantwortung das gründliche Werk: L’Espagne depnis le regne de Philippe II jusqu’ä l’avfenement des Bourbons par M. Cli. Weiss. (Paris 1844.) Er sagt Bd. II S. 71: Constatiren wir durch Zahlen die fortschreitende Verminderung der Bevölkerung auf der Halbinsel, in der Periode von der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bis zu der Thronbesteigung der bourbonischen Dynastie. Seit den letzten Zeiten der Herrschaft der Araber bis zu der Thronbesteigung Philipp II. war die Bevölkerung Spaniens fast zehn Millionen Einwohner. Im Jahre 1588 versicherte man in England, daß die Zahl der männlichen Bewohner sich nicht höher als auf 1,125,390 beliefe. Die Zählung, die 1594 in allen Provinzen vorgenommen wurde, ergab nur 8,206,791 Seelen. Also in einem Zeiträume von 50 Jahren hatte sich die Bevölkerung Spaniens um 1,473,400 Einwohner vermindert. Sie schmolz noch schneller unter der Herrschaft Philipp III. zusammen. Die Stadt Medina del Campo zählte früher eine Bevölkerung von 5000 Seelen; im Jahre 1607 nur noch 600. Davila berichtet, daß man 50*

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