Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 50 (8.12.1868)
- Date
- 1868-12-08
- Page
- Seite 992 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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die Behandlung der unglücklichen Königin Juana, der Tochter Ferdinand's und Jsabellens der Katholischen. Diese Abhandlung, die sich streng auf die Dokumente des erst kürzlich dem Forscher eröffneten spanischen Reichsarchivs von Simancas stützt, wirft einen grellen Schein auf den Character und die innersten Triebfedern dieser unerbittlichen Feinde des jüdischen Namens sowie ihres Enkels und Nachfolgers Karl V. Um das Folgende zu verstehen, muß man sich kurz die allgemeine Lage der Dinge zur damaligen Zeit vergegenwärtigen. Die Heirath zwischen Ferdinand, dem Könige Aragon's, und Jsabella, der Königin Kastilien's, hatte die beiden Reiche vereinigt; aber Ferdinand war keineswegs selbst als König von Kastilien anerkannt, sondern er verlor mit dem Tode seiner Gemahlin jeden Einfluß auf dieses Reich, besten Regierung dann auf die einzig überlebende Tochter der beiden Könige, Juana, übergehen mußte. Diese Prinzessin war mit dem Erzherzog Philipp von Oesterreich, dem Sohne des deutschen Kaisers Maximilian I., vermählt und residirte mit ihrem Gemahle in den Niederlanden, welche Maximilian bekanntlich durch Heirath an sich gebracht hatte. Sie hatte nun aber das Unglück aller Welt im Wege zu sein. Zwar ihren Tod durften weder Ferdinand noch sein Schwiegersohn Philipp wünschen, denn dann wäre die Krone von Kastilien unmittelbar auf Juana und Philipp's Sohn, den jüngeren Karl (V.) übergegangen; wohl aber handelte es sich darum, sie leben, zugleich jedoch der Regierung unfähig erklären zu lassen, damit entweder ihr Vater oder ihr Gemahl die Regentschaft für sie in die Hand erhielte. Juana hatte von frühester Jugend an Neigungen zu erkennen gegeben, welche ihre Eltern und namentlich ihre bigotte Mutter mit Schrecken erfüllten. Sie betheiligte sich zwar an den allgemeinen Ceremonien der katholischen Kirche, konnte aber zu persönlichen Handlungen in derselben, wie zur Beichte und zur Annahme des Meßopfers, nicht bewogen werden. In ihrem wahnsinnigen Grimme hierüber ging Jsabella so weit, daß sie ihre Tochter nicht nur mißhandelte, sondern sogar die grausamsten Torturen, die sonst nur an gemeinen Verbrechern vollstreckt wurden, an dem zarten Mädchen verübte! Kann man sich noch über die herzlosen Grausamkeiten dieser Königin bei der Vertreibung der Juden und der Unterdrückung der Mauren wundern, wenn man sie so gegen ihr einzig überlebendes Kind verfahren sieht? Eine größere Freiheit erlangte die Unglückliche erst, als sie sich mit dem Erzherzog Philipp vermählte. Aber auch nach Brüffel verfolgten sie die Sendlinge ihrer Mutter, die sie mit beständigen Ermahnungen und Drohungen quälten, ohne sie aber zur Beichte und zum Abendmahle bringen zu können. Am 26. November 1504 starb Jsabella, und die Krone Kastilien's war nun eigentlich an Juana verfallen. Aber Ferdinand zögerte nicht, die Abwesenheit seiner Tochter zu benützen, uln sie um ihr rechtmäßiges Erbe zu betrügen und sich die Herrschaft über die größere Hälfte Spaniens auch noch für die Zukunft zu sichern. Unter dem Vorwände, Juana sei wahnsinnig, wußte er von den gefügigen Cortes die Anerkennung seiner Regentschaft zu erlangen. Aber Philipp wollte sich keineswegs berauben lassen. Er erklärte mit Recht den vorgeblichen Wahnsinn Juana's für eine freche Erfindung und landete im Frühling 1508 mit einem niederländischen Heere an der Nordküste Spaniens, um die Ansprüche seiner Gemahlin geltend zu machen. Je weiter er südlich zog, um so mehr kastilische Große fielen ihm oder vielmehr Juana zu, so daß Ferdinand sich bald beinahe ganz verlaffen fand. Da sah man diesen plötzlich in einfacher Kleidung, auf einem Maulesel reitend, fast ohne Gefolge, bei seinem Schwiegersohn ankommen. In einer geheimen Unterredung bei Billafafila wußte er den letztern zu überzeugen, daß es auch für ihn vortheilhaft sei, seine Gemahlin als wahnsinnig zu bezeichnen; und so wurde in einem Vertrage zwischen beiden Fürsten die Regentschaft Kastiliens an Philipp übertragen „wegen des bekannten Gemüthszustandes der Königin, welchen der Respect verbietet, näher zu bezeichnen." Ferdinand, um seine Uninteressirtheit zu zeigen, begab sich in sein Königreich Neapel zurück. Jndeß ein weniger beschränkter Mensch, als Philipp, hätte sofort erkennen müsten, daß eine solche Opferwilligkeit Ferdinands nur eine Maske sein müsse. In der That hatte Ferdinand nur das Hinderniß aus dem Wege räumen wollen, welches die Persönlichkeit seiner Tochter und deren Beliebtheit bei den Kastiliern ihm bot. Philipp hatte seinen, gegen seine Gattin geübten Verrath bald zu bereuen. Schon zu Billafafila hatte Ferdinand gegen den von ihm und Philipp geschloffenen Vertrag als einen ihm aufgezwungenen protestirt — gerade deshalb war der Arglistige in Billafafila ohne kriegerische Begleitung erschienen. Außerdem 'ließ er als seinen Vertreter bei seinem Schwiegersöhne den tückischen Don Ferren zurück, und was diese „Vertretung" zu sagen