Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 50 (8.12.1868)
- Date
- 1868-12-08
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ällge m e t #e M 50. des Zudcnthnms. Ein artensches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 8. December 1868. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 21/2 Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig 1 Thlr. IInserate werden mrt ll/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestel- I lungen an; der Haupt-Expeditwn für beide Letztere hat fich das Königl. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier'unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Erinnerungen aus Spanien. — Literarischer Wochenbericht: Lengnau. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Aus dem Breisgau, Wollstein. O est err ei chis ch er K ais e rsta at: Wien, Pest, Ofen. Donaufürstenthünrer: Bukarest. Großbritanie n: London. Amerika: Chicago, San Francisco. Australien: Hokitika. Feuilleton-Beilage: Dokumente Liber die erste Niederlassung der Inden in England unter Cromwell. — Fragmente aus dem Leben des berühmten Orientalisten Joh. Birxtorf. Leitende Artikel. Bonn, 29. November. Geschichtliche Erinnerungen aus Spanien. Die Augen der ganzen civilisirten Welt sind gegenwärtig auf Spanien gerichtet. Nur sehr gering war die Zahl der Personen, welche die Entfernung der letzten Mißregierung nicht mit Freuden gesehen haben. Und dennoch gehörte diese Mißregierung nicht den letzten Jahrzehnden an, sondern war ununterbrochen dieselbe seit dem Falle Granada's. Um so mehr fragt es sich, ob die spanische Nation im Stande sein werde, einen andern, einen höhern Standpunkt zu ersteigen? Nicht etwa allein darum, weil der Despotismus und das Pfaffenthum der Nation zu tiefe Wunden geschlagen, die nur ine sehr allmähliche Heilung zulasten, sondern auch und vorzüglich, weil wir die Ueberzeugung hegen, daß eine 0 geartete Regierung, wenn sie viele Jahrhunderte wähen kann, mit dem Character, den Neigungen und Richtungen dieser Ngtion in Uebereinstimmung sein muß. Eine so dauerhafte Art der Regierung kann nicht bloß in der Persönlichkeit und dem wechselnden Willen der Herrscher ihren Grund haben, sondern muß ihn auch in den Sitten und den aus ihnen geflossenen Gesetzen des Volkes besitzen, welche wiederum auf dem Grundcharacter desselben beruhen. Einen Beweis hierfür liefern die vergeblichen Anstrengungen der bourbonischen Herrscher Philipp V. und Karl III., die spanischen Zustände zu ändern. Ein eigenthühmliches Zusammentreffen ist es nun, daß in der jüngsten Zeit aus spanischen und anderen Archiven, Dokumente und Actenstücke, die früher unzugänglich waren, zu Tage traten, welche auf die \ cühercr: Herrscher und Verhältnisse Spaniens ein helles Licht werfen. Auch für die Geschichte der Juden ist -ies von Bedeutung. Die Vertreibung der Juden aus Spanien bildet einen so bedeutsamen Wendepunkt ihrer Geschichte, daß sie unsere Aufmerksamkeit immer von Neuem auf sich zieht. Es ist daher wohl von Belang, wenn wir, auf Grund jener neueren Forschungen, uns hier die beiden Fragen abermals vorlegen: welcher Art waren die Personen, die diese Verbannung befahlen? und welche die Zustände, die nach der Verjagung der Juden und Mauren in Spanien eintraten? Denn es ist klar, baß durch die Beantwortung dieser Fragen die moralische und die politische Verkehrtheit, ja Schlechtigkeit dieser Maßnahme immer deutlicher hervortritt. Im letzten Hefte von Sybels historischer Zeitschrift find u wir einen Aufsatz von Bergenroth in London über