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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-12-01 · Heft 49 (1.12.1868) · p. Seite 989

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 49 (1.12.1868)
Date
1868-12-01
Page
Seite 989 (sequence 19)
Language
German
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macht, däuchte eS mir doch, sie hätte in ihrer Art, ich weiß nicht wie, ein Aussehen von ehrwürdigem Alterthum. Ihre Schleier *) waren alle schneeweiß, von Tafft oder Seide gemacht, wenn auch einige wenige von einem gröberen Stoffe als Seide waren; der Schleier hatte an jeder seiner vier Ecken eine breite Borde; einige hatten rothe Borden, einige grüne, einige blaue, einige mit Gold oder Silber gewebt, welche, wie mein Rabbiner mir sagte, die verschiedenen Stämme bezeichneten, zu denen jeder gehörte. (!) Ich wär ein neugieriger u>jd kritischer Zuschauer bei allem Diesem, und als ich am Nachmittag in mein Zimmer kam, schrieb ich die Einzelheiten in mein Notizbuch nieder, während sie noch frisch in meinem Gedächtniß waren. «Fortsetzung folgt.) Eine Mortarageschichte auf der Bühne. Referat von Louis Weyl in Frankfurt a. d. Oder. II. Vas Drama. (Schluß.) Getrieben von der Einbildung, daß die Engel des Himmels sie riefen, hatte die Kranke plötzlich das Lager verlassen und hinaus verlangt in's Freie, zwischen die Bäume, unter den Himmel. — Doch kaum hier angelangt, schwinden ihr die Kräfte wieder, und sie ist dermaßen erschöpft und ermattet, daß sie von ihren Führerinnen auf einen Rasensitz muß niedergelassen werden. — Gemea will in diesem neuen Fieber-Anfall nichts Anderes als den sichern Vorboten der nahen völligen Auflösung ihrer geliebten Tochter erblicken — und darum von keiner Seite her Trost und Beruhigung annehmen. —• Der Arzt jedoch hielt es für seine heilige Pflicht, seinen „Vorschlag" zu erneuern und die Jüdin dringend aufzufordern, auf denselben einzugehen, da sonst nicht anders als höchstens „durch ein Wunder das Leben ihres Kindes gerettet werden könnte." — Allein Gemea will um so weniger nachgeben, als sie den Arzt bezüchtigt, er hätte zu dem Vorschläge, den erwache, nur von der Gräfin sich bestimmen und überreden lassen. —- Da schwört der Arzt einen feierlichen Eid „bei Gott und auf seine eigene Ehre", daß dieser Argwohn ein durchaus grundloser — und bringt so die Jüdin endlich doch dahin, der Christin sich zuzuwenden und ihr zu erklären: „Frau Gräfin! Die Nothwendigkeit gebietet mir die Trennung von meiner Tochter. Ich vertraue sie Euch an!. Führt sie hinweg, schnell, schnell.ehe es zu spät ist!" — Bianka hört's, eilt freudig zu Paula hin, ergreift hastig ihre Hand, zieht sie vom Sitze auf und will sie schon von dannen führen .. . Die Jungfrau schlägt die Augen auf, blickt um sich, und als sie ihre leibliche Mutter weinen sieht, schreitet sie langsam auf dieselbe zu, schlägt den Arm um ihren Nacken und fragt sie sanft, was ihr fehle? — Hiervon ist Gemea so tief gerührt, daß sie ausruft: „Nein, mein Muth ist dahin! Jetzt kann ich mich um keinen Preis von ihr trennen!" — Rutchioni (zum Arzt): Wenn ich Euch recht verstanden, Herr Doctor, so kommt es nur darauf an, die Erinnerung an die Vergangenheit und das Bewußtsein der Gegenwart in der Kranken wach zu rufen. Der Arzt: Wenn das möglich, so ist sie gerettet! Rutchioni: £>! ein solches Wunder ist vielleicht doch. nicht so ganz unmöglich! Und mit diesen Worten eilt der seltsame Mensch davon, alle Uebrigen in sprachlosem Staunen zurücklassend. — Da ist's Ottavio, welcher das Schweigen bricht. Er nähert sich Gemea und bittet sie, nicht zu vergessen, daß ihr Unglück diesmal auch das seinige fei. „Wir haben Beide — sagt der Jüngling — durch die Vergangenheit gelitten, und jetzt trifft unser Leiden noch einmal zusammen in dem Schmerz über das herzzerreißende Unglück dieses Kindes, das uns Beiden gleich theuer ist." — Die Jüdin ist außer sich darüber, daß „im Schmerz und Leid" ein Anderer ihr sich gleich stellen möchte. Wie sie früher das „Glück" allein und ungetheilt genießen wollte, so will sie jetzt auch das „Unglück" allein und ungetheilt empfinden und tragen. Am allerwenigsten aber mag sie es dulden, daß der Sohn Martha' s, dem sie einst H a ß und Rache geschworen, jetzt gewisse Gefühle und Empfindungen mit ihr gemein habe. — Und dies gerade ist für unfern Dichter eine überaus günstige Gelegenheit, seiner Tendenz sich wieder einmal recht treu zu zeigen und der Jüdin (Gemea) durch den Christen (Ottavio) Moral predigen, — der Tochter des „alten Bundes" durch den Sohn der „neuen Lehre" den wahren Weg der Tugend und Milde zeigen zu lassen. — Sojour thut dies, indem er dem jungen Grafen Doriani die an Gemea gerichteten Worte in den Mund legt: „O, ich beschwöre Dich, laß ab von Deinem Durste nach Rache'! Tödte den Haß, der in Deinem Herzen tobt und der Dich blind macht gegen Dein eigenes und Deiner Tochter Wohl! H a ß und Rache finden kein Wohlgefallen vor Gott — weder vor Deinem noch vor unserm Gott! — Laß Dich versöhnen — ruft Dir Gottes Stimme zu — und ich will Dich erretten!" Als aber die Jüdin, auch nach diesen Worten noch, sich schwankend zeigt, als sie in denselben nur „leeren Schall" findet und auf ein „Wunder der Rettung" nicht vertrauen mag, auch „wenn sie der Rache, der sie ihr Leben geweiht, zu entsagen vermöchte," — da findet der Dichter es gerathen und in seinen Kram passend, die Gräfin zu der Rede des Grafen noch hinzufügen zu lassen; *) Offenbar Tallith.

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