Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 49 (1.12.1868)
- Date
- 1868-12-01
- Page
- Seite 980 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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setzes stehen, und der' Willkür der Brutalität' und Bestialität der wüthenden Volksmassen überlassen sind, welche von einem blinden religiösen Fanatismus aufgeregt werden, den mehrere judenfresserische Journale nähren." Jassy, im Novbr. Der Israeli tulu Romanu enthält die Statuten eines Jünglingsvereines, der sich zu Jassy gebildet. In dem ganzen Statut kommt zwar kein Wort vor, das an Israelit oder Jude erinnert, aber die Unterschriften und die Tendenz zeigen, daß es ein jüdischer Verein sein soll. Er nennt sich Unitas und als Zweck wird angegeben: „Die Wege des wissenschaftlichen Fortschritts vorzubereiten, die Annäherung und die Verschmelzung mit der einheimischen Nationalität, und die Jugend zu überreden, eine wahrhaft intcllectuelle Richtung einzuschlagen." Als Mittel werden aufgcführt: eine Bibliothek, inländische und ausländische Journale, die Herausgabe eines Journals, welches die Artikel der Mitglieder in rumänischer, französischer und deutscher Sprache aufuchme, und Versammlungen und Vorträge der Mitglieder des Vereins. Für die Aufnahme der Mitglieder hat die Confession kein Gewicht. Jedes Mitglied hat monatlich 2 Fr. zu zahlen. Wer einen Monat lang ohne gegründete Entschuldigung den Sitzungen nicht angewohnt hat, wird ausgeschlossen. Die letzteren finden wöchentlich zweimal statt, und können in ihnen die Borträge in rumänischer, deutscher und französischer Sprache gehalten werden, doch wenigstens zwei im Monat rumänisch. — Man kann nur den Wunsch aussprechen, daß dieser Verein gedeihe und sich lange Zeit erhalte. Bottuschan l Moldau), den 5. Oct. lPrivatmitth.) Bei dem Umstande, daß trotz Intervention der europäischen Mächte, trotz der rastlosen Bestrebungen humanitärer Anstalten und Personen, die Verhältnisse der Juden in den Fürstenthümern dennoch keinen durchgreifenden Umschwung zum Bessern nehmen; vielmehr für jede Beseitigung irgend einer Marter, tausend neue Schandthaten und Verhöhnungen der allgemeinen menschlichen Gesetze registrirt werden können, muß sich jeder darüber klar geworden sein, daß vor allem nur die Verbreitung der Bildung und Intelligenz unter allen Schichten der Bevölkerung im Stande ist, das zu erfechten, was wir durch auswärtigen Einfluß zu erzielen vergebens uns bemühen. — Wahr ist es wohl, daß im Allgemeinen die jiid.' Bevölkerung den Rumänen an Anstand und Bildung nicht nachsteht; Gewalt, Uebermacht und immense Mehrzahl sind indeß drei gewichtige Factoren, welche für diese sprechen; und unsere Aufgabe ist es daher, durch ein Uebergewicht von moralischer und geistiger Kraft das Deficit zu ersetzen; erst dann ist eine Analogie hergestellt, und Gleichberechtigung die selbsterflie^ende Folge. Culturverbreitung, Bildung und Unterricht sind also unsere einzigen Aussichten für eine volle Emancipation, ein langsamer zwar, aber sicher zum Ziele führender Weg. Wodurch ist es denn aber anders möglich Bildung allgemein zu machen, sie dem Volke zuzuführen, wenn nicht durch Errichtung von öffentlichen Schulen und Instituten, die ohne Unterschied Arm und Reich am Unterricht theilhaftig werden lassen? Mit Bedauern müssen wir jedoch constatiren, daß unsere Städte derlei Anstalten gar nicht besitzen, da die Crcirung einer solchen eine wahre Herculesarbeit ist. Es wird da von allen Seiten Opposition gemacht, und hat man schon die Schwierigkeiten und Hindernisse beim Gründen eines Institutes überwunden, so hegen erst die frommen Väter Bedenken, ihre Kinder in eine Schule zu schicken, wo nicht in altherkömmlicher Weise musicirend gelehrt wird. Umso freudiger müssen wir dem verdienstvollen hebräischen Literaten Herrn Hillel Kahane unsere herzliche Anerkennung zollen, daß er hierorts eine Schule ins Leben gerufen, und ihr glücklich als Leiter vorsteht. Vor zwei Jahren bei ihrem Entstehen verfügte diese Schule noch über sehr ungenügende Mittel, war stark angefeindet, und man bezweifelte ihr Bestehen. Aber der ausdauernde, einfluß- und thatkräftige Herr Kahane besiegte alle Hemmnisse, arbeitete rastlos, und nun steht diese Schule als bestorganisirtes wohlthätiges Institut da. Die ursprüngliche Zahl der Schüler (235) ist nunmehr bis auf 529 gestiegen, und bestanden dieselben am September in Gegenwart des jüdischen Gemeindevorstandes, des Präfects Hrn. H. Hasues, des Primar's, des mold. Gymnasial-Directors und anderer Honoratioren die diesjährige Hauptprüfung des zweiten Semesters. Die Kleinen, welche mitunter bei ihrem Eintritte in die Schule nicht eine Feder halten konnten, schreiben jetzt meist eine recht zierliche, alle aber eine reine Schrift, erfreuten den Zuhörer mit einer ordentlichen Uebersetzung der Bibelverse, beurkunden eine be- Be M