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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-12-01 · Heft 49 (1.12.1868) · p. Seite 979

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 49 (1.12.1868)
Date
1868-12-01
Page
Seite 979 (sequence 9)
Language
German
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Regierung viel und schwer zu leiden und zu dulden hatten, jedoch zwingen die Verbindlichkeit, welche sie jetzt Europa vis-L-vis eingegangen, und die Stellung so wie das Verhalten, welches sie seit einiger Zeit gegen uns einnimmt, zu einem gemäßigten Vorgehen. Verfehlt, gänzlich verfehlt wäre es, bei den Erleichterungen, die sie uns sichtlich zu verschaffen sucht, feindlich oder offensiver Weise gegm die Regierung Vorgehen zu wollen. Mit einem Schlage kann die Emancipation, bei der Aufregung der Gcmüther, nicht leicht ertheilt werden, doch sind wir überzeugt, durch handgreifliche Beweise überzeugt, daß sie. den besten Willen hierzu hat; ja, sogar sich nicht mehr scheut, es unseren Feinden offen und energisch in's Angesicht zu sagen. Sobald ich zu Hause sein werde, soll es meine erste Sorge sein, mich brieflich deutlicher zu erklären; doch vor der Hand, ersuche ich Sie, vorliegende Zeilen in ihrem geschätzten Blatte gefälligst veröffentlichen zu wollen. Hochachtungsvoll und ergebenst A. Tauber, Distrikts-Rabbiner zu Verlad." Wir geben der Unparteilichkeit wegen obige Zeilen wörtlich wieder, müssen aber bemerken, daß der Schreiber eine uns völlig unbekannte Persönlichkeit, ist (auch ist sein Name nicht mit Sicherheit zu lesen) und wir daher außer Stande sind, den Werth seiner Zeilen zu verbürgen. Das Verhältniß des einheimischen und des ausländischen Publicisten ist ein sehr verschiedenes. Jener kann, durch bestimmte Rücksichten geleitet, eine diplomatische Zurückhaltung für geboten ansehen, während der letztere unumwunden die Verhältnisse so zu besprechen hat, wie sie ihm erscheinen, und von den Thatsachen erwiesen werden. Der Schreiber obigen Briefes sagt zwar, daß gegenwärtig die rumänische Regierung den Weg der Gerechtigkeit und des pflichtgemäßen Schutzes auch für ihre jüdischen Unterthanen eingeschlagen hat, giebt aber doch zu, daß dies nicht immer der Fall war, und leugnet nicht, daß „die Aufregung der Gemüther" durch die Maßnahmen der Regierung selbst veranlaßt worden. Wir unserseits nun können die Schlangenwege der Regierung nicht verfolgen, auf denen sie es für gut befinden wird, die Juden bald zu verfolgen bald zu schützen, sondern müssen unverrückt auf Recht und Gerechtigkeit dringen und können diejenigen nicht außer Acht und Verdacht lassen, welche aus zeitweisen politischen Gründen bald so bald so handeln. Den Rumänen, der Regierung wie dem Volke gegenüber haben wir nur einen einzigen Schutz, die öffentliche europäische Meinung, und wir werden uns wohl hüten müssen, dieselbe ruhig einschlafen zu lassen, während unter unseren Füßen noch das Erdbeben grollt und Eruptionen, wie zu Galacz, verursacht. Die rumänische Regierung muß erst noch ganz andere Beweise eines besseren Rechtsgefühls geben, bevor wir sie von dem vielen Unrecht freisprechen können, das sie gethan und verursacht hat. Die Redaktion. Bukarest, 1. Rovbr. ' Das „Echo Danubien“ entwirft folgende Schilderung des gegenwärtigen Zustandes: „Der allgemeine Zustand der Israeliten bleibt noch immer von der traurigsten Art; die Juden von Galatz haben nur Versprechungen erhalten, deren Verwirklichung höchst unwahrscheinlich erscheint, denn es ist keinerlei Maßregel nach dieser Hinsicht getroffen worden. Die unglücklichen Juden von Verlad werden verhindert, ihr Fleisch zu verkaufen, mit Brod und Lichtern Handel zu treiben. Die Juden von Roman wurden gezwungen, aus Mangel an Schutz der Munizipalbehörde, ihre israelitisch-rumänischen Schulen aufzulösen. In Jassy werden sie in den Straßen und öffentlichen Gärten verhöhnt und mißhandelt. In Bukarest selbst macht sich ein Beamter der Bureaux des Ministerraths einen Ruhm daraus, jeden Israeliten, der sich im Ministerium zeigt, zu beschimpfen. Wir könnten den Namen dieses ministeriellen Beamten anführen, der auch Offizier der Nationalgarde ist: doch wollen wir es nicht thun, obgleich er wüthend auf die unglücklichen Israeliten ist, obgleich er, selbst auf die Gefahr hin, seine Functionen in Mißachtung zu bringen, sogar auf den Straßen der Hauptstadt sie verfolgt, indem er ihnen die unerhörtesten Beleidigungen in das Gesicht wirft. Der Ankauf von Immobilien so wie die Mitbewerbung um Licitationen bleiben den Juden noch untersagt. Man darf sich darum also nicht wundern, wenn bald neue Emeuten nach der Art der in Galatz, in Verlad, Oltenitza, Calarasi, Bacau, Vahlui, Bukarest rc. sc. entstehen, denn wir haben es gesagt und wiederholen es, die schrecklichen Leiden der Israeliten werden nur mit der Gründung eines gesetzlichen Bodens für diese Unglücklichen enden, die heute außerhalb des Ge-

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