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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-12-01 · Heft 49 (1.12.1868) · p. Seite 976

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 49 (1.12.1868)
Date
1868-12-01
Page
Seite 976 (sequence 6)
Language
German
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Reichen, „nicht mehr und nicht weniger" annahm, um Allen den gleichen Antheil, die gleichen Ansprüche zuzusichern und zu erhalten, hat niemals unter mb^;:; E-'-icn Handlungen verstanden, die für Geld und nach Maßgabe des Geldes verrichtet werden, die Gegenseitigkeit der Leistungen mit Ausschluß aller Nichtmitgliedcr eines Vereines ist nichts weiter als ein Kauf- und Tauschgeschäft, und liegt den auf Gegenseitigkeit beruhenden Feuer - und Lcbensversicherungsanstalten ganz dasselbe Princip zu Grunde, das ein merkantilisches, aber durchaus nicht religiös-sittlich ist. Als Hand lungen der Pietät für die verstorbenen Eltern haben die jüdischen Trauergebräuche, besonders Kaddisch und Jahrzcit, einen unendlich hohen Werth; aber die Meinung, daß durch sie das Seelenheil der Verstorbenen erhöht und befördert werde, ist ein in's Judcnlhum übertragener Aberglaube, und ein verderblicher Aberglaube, wenn er diese Förderungsmittel des Seelenheiles nach bestimmten Geldsummen verschachert. Es ist in der That ein fremder und unsauberer Geist, der da hincindringcn will. In Paris hält man, nach Maßgabe der gezahlten Frauken, die Trauungen im „Eonsistorialtempcl" mit ganzem oder halbem oder gar keinem Chor, mit ganzer, halber oder gar keiner Beleuchtung, mit und ohne Predigt; in Berlin will man das „Seelenheil der Verstorbenen" nach hundert oder fünfzig Thalern zumessen! — Doch noch einen dritten Zweck will der Verein verfolgen, nämlich Gründung einer Elementaru. Ruchhülseschule, selbstverständlich für Schulgeld, undallein für die Kinder der Vereinsmitglieder, die ihren jährl. Beitrag bezahlen. — Zuletzt vergleicht sich der Schreiber des Aufrufs mit Moses, der im Angesichte des goldenen Kalbes den Israeliten zurief: „Wer für Gott ist, komme zu mir!" In der That verdient solches Gebühren keinen so großen Raum, wenn e§ nicht zu charakteristisch für unsere Zeit und unseren hiesigen Platz wäre! Berlin, TS. Novbr. (Privatmitth.) Am 25. d. M. sollen 26 Repräsentanten resp. Stellvertreter der hiesigen Gemeinde gewählt werden, und wie vor drei Jahren ist ein heftiger Wahlkampf entstanden, von welchem insbesondere der Jnseratenthcil unserer Zeitungen ein kostspieliges Zengniß giebt. Nicht blos die entschiedenen Parteien, sondern auch Fractionen und Fractiönchen ziehen in den .Kampf, Wahlversammlungen werden gehalten, von welchen wohl die bedeutendste erat 17. d. M. im großen Saale der Gesellschaft der Freunde stattgefunden. Als die wesentlichsten Angriffspuncte dienen hierbei die Finanzgebahrung und daß man sich stellt, es wäre keine Gewähr da, daß in der alten Synagoge der Gottesdienst nach der Sachs'schen Reform erhalten bliebe. Im Hintergründe aber ist es vorzugsweise die Wahl eines zweiten Rabbiners, welche einen Zankapfel bietet. Der Vorstand hat sich auch genöthigt gesehen, jn einem langen Inserate zu antworten; aber über Alles dies wollen Sie wohl in d. Bl. ins Detail nicht gegangen haben. Der Sturm bricht los, geht aber vorüber, lieber den Ausfall der Wahl werde ich Ihnen berichten. Leipzig, 12. Novbr. (Privatmitth.) Bon der hiesigen Kreisdirection ist Dr. D. Asher als Examinator im Englischen der Prüsungscommission für Candidaten des höheren Schulamtes beigesellt worden. - Altona, d. 2. Novbr. (Privatmitth.) Die hiesige israelitische Gemeinde besaß seit langer Zeit eine Talmud - Toraschule, worin sowohl in der Religion der Väter und im Hebräischen, als auch in allen andern Schul- und Sprachwissenschaften ein gründlicher Unterricht ertheilt wird. Da aber das alte Schulhaus in baulicher und localer Beziehung nicht mehr ausreichte, so vereinigten sich wohlthätige Männer, der Schulvorstand an der Spitze, und führten auf dem alten Grunde einen nach dem Geschmacke der Neuzeit eingerichteten Neubau auf, ohne Staatshilfe und fremde Unterstützung —, der der Altonaer Gemeinde für lange Zeit zum Ruhin und Segen gereichen wird. Die Einweihung des neuen Schulhauses fand den 29. v. M. in solenner Weise statt. — Knaben und Mädchen sangen schöne Psalmen; der Präses, Herr Heine, eröffnete die Feierlichkeit durch eine passende Ansprache, der Hochwürdige Herr Oberrabbiner Ettlinger hielt eine erbauliche Rede und der zeitweilige Director der Anstalt, Herr Dr. Liebrecht, erörterte in einem weitern, sehr gediegenen Bortrage den Werth einer Schulanstalt int Allgemeinen und Besonder«, über deren Verhältnisse zur Familie und zum Staate, ermunterte seine Mitcollegcn zu neuem Eifer und ermahnte die Zöglinge der Anstalt zum Fleiß und zur Sittlichkeit, auch mit aus dem Grunde, um den Eltern für ihre dargebrachten Opfer Dank zu zollen. Goldschmidt.

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