Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 49 (1.12.1868)
- Date
- 1868-12-01
- Page
- Seite 975 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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düng von Rabbinern. Wohl giebt es außerhalb unserer Gemeinde verschiedene Anstalten, die diesem Zwecke gewidmet sind. Doch — ist uns auch fern, über ihre wissenschaftlichen LeisMngen an dieser Stelle einen Wahrspruch zu fällen — deß dürfen wir kein Hehl haben: diese Lehranstalten senden uns keine Jünger des religiösen Lehramts, ausgerüstet und vorbereitet zum Fortschritt und zur Fortentwicklung, senden uns keine Prediger voll muthiger Offenherzigkeit und Ueberzeugungstreue, senden uns keine Rabbiner, welche einen Beruf darin suchen, den Forderungen frommer Aufklärung ein williges Ohr zu leihen. Die Einen stehen mit ihrer ganzen Religionsanschauung noch in der Finsterniß der mittelalterlichen Zeit; die Andern ziehen es vor, den Schaden zu übertünchen statt ihn zu heilen. Und begegnen uns nicht gar neben den Jüngern jener Anstalten bisweilen noch Prediger, die Fremdlinge sind in dem Gebiete der talmudisch-rabbinischen Wissenschaft, ja denen selbst die Bibel in ihrem Urtexte ein versiegeltes Buch geblieben? Meine Freunde! Unsere Gemeinde, in deren Mitte Moses Mendelssohn und Israel Jacobson gelebt und gewirkt, von der die ersten Strahlen religiöser Bildung und Aufklärung in die weitesten Fernen hinausgingen, unsere Gemeinde, die nach ihrem Umfang die erste ist in Deutschland, nach ihren geistigen Mitteln die erste der Welt, — unsere Gemeinde hat die Aufgabe und die Pflicht rettend einzutreten und die Abhilfe zu beschleunigen." Hoffen wir, daß dieses eindringliche Wort auf fruchtbaren Boden falle — groß ist die Hoffnung nicht — denn zur Wohlthätigkeit für Arme, Kranke, Waisen ff. haben unsere Glaubensgenossen große Neigung, aber für gemeinnützige Werke dieser Art besitzen sie keinen Sinn. Zu dieser Ueberzcugung drängen leider! sehr viele Thatsachen, und zuletzt kann man nicht mit Dingen rechnen, die nicht vorhanden sind. Berlin, 18. Novbr. (Privatmitth.) Es stehen Neuwahlen für die hiesige Repräsentantenversammlung bevor, und schon giebt es allerlei Vorspiel. Ein äußerst bekannter Mann, bekannt wenigstens in Deutschland bis im kleinsten Flecken durch die Unmassen von Zeitungsannoncen über seinen Malzextract, Hr. Commissionsrath Johann Hoff, tritt zunächst auf. Sein Wahlmanoeuvre ist: im Anfang November wird ein Aufruf veröffentlicht, um einen Verein „Toras Chajim" (warum Toras? warum nicht Tauras?), natürlich einen religiös-wohlthätigen Verein zu bilden; am 15. Nov. werden die Mitglieder des Vereins mit allen hiesigen Juden auf den 19. Novbr. Abends 8 Uhr in Arnims Hotel zu einer Wahlbesprechung eingeladen, selbstverständlich um den Vorsteher des Vereins, den Herrn Johann Hoff, zunächst auf die Candidatenliste zu bringen. Dies ist doch eine schnelle Entwicklung eines Vereins. Jener Aufruf schlägt zuerst gegen die eben in Berlin eingeführten gottesdienstlichen Reformen, namentlich gegen die Orgel los, und begeht nur den Anachronismus, diesen Reformen die Gleichgiltigkeit der Jugend gegen die hebr. Sprache und die jüd. Satzungen zuzuschreiben, welche Gleichgiltigkeit doch jedenfalls aus der Zeit vor diesen Reformen, aus der Zeit der sel. Rabbiner Ettinger und Sachs, ja noch früher aus der Zeit der unbedingten Orthodoxie herrührt, zu deren Bekämpfung sich also die Hoffs und andere Männer ihrer Gesinnung hätten früher aufinachen müssen. Der Zweck des Vereines ist erstens die „uns überkommenen jüdischen Satzungen" — wieviel von diesen wohl der Herr Hoff in seinem Hause und in seinem Geschäfte hält! — und „namentlich den Gottesdienst in der alten üblichen Weise wieder herzuftellen." Zweitens „die Gebete und Gebräuche für das Seelenheil der Kranken, Sterbenden und Gestorbenen" zu besorgen, z. B. für die Kranken das Geben neuer Namen (non! Wenn Jemand 50 Thaler giebt, „wird waprend deS ganzen Jahres nvaian und pan »■’ip verrichtet;" giebt Jemand 100 Thlr., so wird „außerdem während der rwaus Abends und Morgens gebetet." Nach der Höhe des ihm zugefallenen Betrages tvird der Verein in angcdeuteter Weise Legatären, die erst nach dem Tode die immerwährende Mitgliedschaft erwerben, nachtraucrn. Das also nennen diese Leute jüdisch, dies Judenthum. Dadurch wollen diese Herren den Geistern der Verstorbenen das Seelenheil wachsen machen, dadurch sie einige Stufen im Paradiese vorwärts bringen — natürlich Alles für's klingende Geld, für 50 Thlr. so viel, für 100 Thlr. noch mehr, für gar kein Geld garnichts. Wer wird da nicht an den bekannten Vers Tctzel's: „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegfeuer springt/' erinnert?! Man sieht, welche Begriffsverwirrung in Berlin so gut wie anderswo herrscht. Das Judenthum, das schon in seinem ersten Heiligthum die gleiche Gabe vom Armen >vie vom