Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 49 (1.12.1868)
- Date
- 1868-12-01
- Page
- Seite 973 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Blätter wie die Augsburger Mg. Ltg. rc. gegen die Juden und Judenthum, wenn sich ihnen eine Gelegenheit dazu bietet. Der Gott der Rache ist eine -stehende Phrase geworden. Kann man sich dann wundern wenn einmal auch der Spieß umgekehrt wird? Schließlich will ich noch die Nationalitätenfrage berühren. Es ist bekannt, daß sowohl in Ungarn wie in Galizien und in Böhmen die Juden mehr von der Regierung zu erwarten hatten als von den betreffenden Nationalitäten. Nichts desto weniger sahen wir, daß in Ungarn, wo die Gleichberechtigung erst nach langem Zögern und Zaudern ausgesprochen wurde, jüdische Journalisten von Anfang an für die Nationalität einstanden. Am feindlichsten standen sich Juden und Christen in Böhmen gegenüber. Mußten doch die Juden in Prag Windischgrätzens Bombardiren als Rettung aus der Gewalt der Czechen begrüßen! Dieses Verhältniß hat sich bis in die letzte Zeit wenig geändert, wie dieses männiglich, bekannt ist. Nichts destoweniger stehen in den Reihen der czechischen Journalisten, die für die Wenzelskrone und für den erneuerten Landtag schwärmen, auch Juden. Wir glauben daher, daß man von keiner Seite berechtigt ist, Klagen gegen jüdische Journalisten zu erheben. Insbesondere möchte ich es unseren Glaubensgenossen zu Gemüthe führen, zu beachten, wir sind Juden in der Synagoge oder da wo es sich um Religiöses handelt, sonst sind wir schlechtweg Staatsbürger. Nachbemerkung der Redaetion. Zu diesen beherzigungswerthen Bemerkungen unseres geschätzten Correspondenten gestatten wir uns, noch zwei Bemerkungen hinzuzufügen. Wir denken, daß die Zeit jeder engherzigen Unterscheidung vorüber sei. Wenn unter den Juden sich bei vielen ein besonderes Geschick für Publieistik zeigen sollte, so müssen diese Kräfte für das Allgemeine benutzt werden und wir müssen uns freuen, daß sie vorhanden sind. Jede Unterdrückung von Talenten aus confessionellen oder anderen Gründen ist eine Versündigung an der Menschheit. Zweitens mögen die Gegner erwägen, daß sie selbst Schuld daran sind, wenn sich viele intelligente und wissenschaftliche junge Männer unter den Juden der Journalistik zuwenden. Sie haben ihnen alle practischen Carrieren außer der industriellen und medicinischen verschlossen, so daß ihnen nichts weiter übrig blieb, als das Gebiet der Publicistik zu betreten. Thut das Gegentheil, und ihr werdet die Zahl der jüdischen Journalisten vermindert sehen. Literarischer Wochenbericht. Gr. Besckerek, Ende Octbr. rrnbin Jacob Hirsche! Emden's Leben und Schriften, nebst Auszügen aus seinen noch ungedruckten Handschriften rc. Von H. A. Wagenaar nebst Beiträgen von G. I. Polak. Amsterdam I. Leviffon. 1868. 8, 66, LII Drei Männer waren es vorzüglich, die mit Recht als die Träger der Cultur und des Geisteslebens des Judenthums im vorigen Jahrhundert zu betrachten sind: R. Jonathan Eibeschütz, R. Jacob Hirschel Emden und Moses Mendelssohn. Letzterer als der Einflußreichste und der deutschen Literatur angehörend hat längst die verdiente Würdigung in allen größeren Literaturgeschichten (so erst neulich von Hettner) und in besondern Werken (Kayserling) gefunden. Jonathan Eibeschütz und Jacob Emden wurden bisher gänzlich vernachlässigt und haben erst kürzlich im 10. Bande der Geschichte von Grätz eine ausführliche, aber zum Theil einseitige Behandlung erfahren. Um so dankbarer müssen wir darum das rubrizirte hebr. Merkchen begrüßen, welches das Leben und vorzüglich die literarische Thätigkeit Emdens mit vielem Fleiße und mit großer Sachkenntniß behandelt. Bekanntlich war es bisher ein Umstand, der dem Biographen Emdens außerordentliche Schwierigkeiten bereitete, daß nämlich dessen zahlreiche Schriften und namentlich dessen polemische Erzeugnisse, kleine Broschüren und Flugblätter gegen Eibeschütz gegenwärtig äußerst selten geworden sind. Herr Wagenaar scheute keine Opfer und Mühe um sich in den Besitz sämmtlicher gedruckten Werke und einiger bedeutenden Handschriften zu setzen und studirte dieselben mit einer Liebe und Hingebung, die in Erwägung, daß Hr. Wagenaar, als Kaufmann, die hebr. Literatur nur als Dilettant pflegt, wahre Hochachtung und Bewunderung verdient. Jacob Emden, stets in heftigen Kampf gegen die Auswüchse der von einem mißbrauchten und mißverstandenen Kabbalastudium irregeleiteten sabbathianischen und chassidäischen Secten verwickelt, arbeitete sehr schnell und eilfertig und bediente sich darum in seinen Schriften einer immensen Zahl von Abbreviaturen, die das Lesen seiner Werke sehr erschweren. Herr Wagenaar hat nun in einem alphabetisch geordneten Verzeichnisse 1700 bei Emden vorkommende Abkürzungen erläutert und als eine willkommene Beigabe der Biographie am Schluffe angehängt. Der rühmlichst bekannte hebräische Dichter und fleißige Literat G. I. Polak unterstützte den Biographen in seinem 49*