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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-12-01 · Heft 49 (1.12.1868) · p. Seite 972

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 49 (1.12.1868)
Date
1868-12-01
Page
Seite 972 (sequence 2)
Language
German
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972 Mitarbeiter erscheinen. Außerdem constatirte ich, daß die Initiative und die heftigsten Angriffe gegen die Nonnen, in deren Verwaltung manche Spitäler waren, welche damals die Erbitterung der Cleriealen hervorriefen, vom Journale „Der Wanderer" ausgingen, in dessen Redaction notorisch kein Jude war. Nebenher sei bemerkt, daß so viel mir bekannt ist, auch jetzt kein Jude in der Redactton des genannten Journals thätig ist, und doch kommen von diesem Blatte gar oft die vehementesten Angriffe gegen den Clerus. Der Feuilletonist, Herr I. I. K., spricht z. B. vom Cardinal Rauscher nicht anders als Herr Rauscher. Ich bin heute nicht in der Lage in ähnlicher Weise das Verhältniß der jüdischen und christlichen Schriftsteller zu constatiren; aber selbst angenommen, die Anzahl der jüd. Journalisten wäre weit größer als die der christlichen, so würde dieses noch zu gar keinem Schluffe berechtigen; ebenso wenig als wenn es sich Herausstellen sollte, daß es hier mehr jüd. als christl. Schneider gibt. Wenn wir uns dagegen sträuben, anzunehmen, daß die Juden hier tonangebend in der Presse sind, so geschieht dieses nicht, weil wir mit den Tendenzen der hiesigen Journalistik im allgemeinen nicht einverstanden sind und deßhalb die Juden von den Vorwürfen, die die Journalistik treffen, ausschließen möchten. Wir zollen alle Anerkennung den Bestrebungen der hiesigen Presse im Großen und Ganzen. Sie will Oesterreich zu einem Rechtsstaate machen, wo die Freiheit ihr Asyl aufgeschlagen, wo Künste und Wissenschaften gepflegt werden. Wir können jedoch dieses Streben nicht ausschließlich auf Rechnung der Juden schreiben. Sie betheiligen sich am Kampfe für Recht und Freiheit, nicht weil sie Juden, sondern weil sie Oesterreicher sind und Recht und Freiheit lieben. Wir begreifen es überhaupt nicht, wie man den Juden einen Vorwurf daraus machen kann, wenn sie sich der Journalistik zuwenden. Die Schriftstellerei gehört so zu sagen zu den freien Künsten und Gewerben. Wenn einem Redacteur ein Aufsatz zum Abdruck, oder einem Buchhändler ein Werk zum Verlage geboten wird, so werden sie nicht den Autor, wenn er ihnen ganz fremd ist, fragen, wo er seine Studien gemacht hat, sondern sie werden untersuchen, ob der Aufsatz oder das Werk für sie passend sei. Byron sagte von sich, nachdem Child Harold’s pilgrimage erschienen war und sein Name berühmt wurde: „Ich stand eines Morgens auf und war Byron." — Tatsächlich giebt es manchen penny-a-liner, der für ein Journal wichtiger ist als ein Gelehrter, der die ernstesten Studien betrieben hat, aber unproductiv ist oder nicht allgemein verständlich zu schreiben versteht. Juden waren, wie bekannt, Schriftsteller in Oesterreich auch vor dem Jahre 1848, ohne daß selbst die Polizei dagegen Anstand erhob. Nehmen wir jedoch den Fall an, daß früher die Schriftstellerei im Allgemeinen und die Journalistik insbesondere den Juden verboten war, hätten in der neuen Aera diejenigen, die dctzu Talent und Beruf haben, darauf Verzicht leisten sollen, weil es dem und jenem nicht angenehm sein könnte? Es ist uns nicht bekannt, daß irgend jemand auf Rechte verzichtet, die ihm gebühren und zukommen, bloß aus dem Grunde weil die Ausübung dieser Rechte dem und jenem nicht angenehm wäre. Die Juden, und es giebt auch solche, die über jüdische Schriftsteller klagen, haben am allerwenigsten ein Recht dazu. Wir wissen nicht, daß irgend Einer von denen, welche in der Lage waren sich Grundbesitz zu erwerben, darauf verzichtete, als es den Juden gestattet wurde, Grundbesitz zu erwerben. Nun wissen wir wohl, daß manche jüdische Journalisten durch den einen oder den andern Artikel „böses Blut" machen. Wir bedauern dies selbst, denn wir wünschen, daß wir alle ein *na seien, aber das ist eben ein Ideal. In der Wirklichkeit gibt es unter den Schneidern und Schustern, unter den Aerzten und Juristen, unter den Banquiers und Particularisten rc. rc. Personen, die durch ihre Handlungen böses Blut machen Freuen wir uns, daß es bei uns in dieser Beziehung nicht ärger ist als bei anderen Confessionen, und verlangen wir nicht, daß die Juden sammt und sonders Ideale sein sollen. Was nun die Artikel betrifft, die in hiesigen Journalen gegen das Concordat erschienen sind, so bin ich nicht in der Lage, deren Verfasser anzugeben. So viel weiß ich, wie ich bereits angab, daß in der Redaction des „Wanderer" kein Jude ist, und wenn ich, wie ich Grund zu glauben habe, gut unterrichtet bin, sind die Verfasser der Artikel über das Concordat in der „Presse" und in der „Neuen freien Presse" Katholiken. Ebenso ist der Verfasser dieser Artikel in der in Wien weitverbreiteten „Vorstadtzeitung" Katholik. Setzen wir jedoch den Fall, es hätten auch Juden derartige Artikel geschrieben, was wäre dann? Christen haben Jahrhunderte lang über Juden und Judenthum geschrieben ohne viel davon zu verstehen, und bis auf den heutigen Tag nicht nur Blätter wie die Kirchenzeitung, der Volksfreund und das Vaterland 6 tutti quanti, sondern auch

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