Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-11-24 · Heft 48 (24.11.1868) · p. Seite 969

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 48 (24.11.1868)
Date
1868-11-24
Page
Seite 969 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226635-3226684--26666-3262218
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

969 sie (die Gräfin) allein an dem, was nunmehr geschehen, die ganze Schuld trage. „Denn" — fügt sie erklärend hinzu — „ich hätte voraussehen müssen, daß der Kampf, der sich in Paula's Seele entsponnen, mit ihrer gänzlichen Verzweiflung enden würde."— Den tinzwischen hinzugetretenen) Rutchioni aber, — der, nach den Worten des Arztes, „eine wirklich bewundernswerthe Anhänglichkeit an die Kranke zeigt," — läßt der Dichter (zur Gräfin) sogar sagen: „Wir »Alle haben großes Unrecht begangen: Martha, daß sie das Krnd den Eltern entrissen, .... ich, daß ich derselben dabei behilflich gewesen . . . . und I h r, Frau Gräfin, daß Ihr Paula mit Euch hinweggeführt! — Ein Uebel zieht immer das andere nach fick." In diesen schlichten Worten liegt die größte Wahrheit des ganzen Stückes, — und in diesem einfachen Schuldbekenntnisse hat der Dichter — zum Theil wenigstens — die Schuld gesühnt, die er selber begangen. — Doch gehen wir weiter. — Wir haben soeben, bei Gelegenheit Rulchioni's, eines „Arztes" gedacht und natürlich nur denjenigen heilkundigen Mann gemeint, welchen Gemea hatte kommen lassen, daß er — wenn noch möglich — ihrer kranken Tochter helfe, oder über deren Zustand wenigstens sein ärztliches Uriheil abgebe. — Hülfe hat der Jünger Aeskulaps nicht bringen können, da er die Krankheit — wie er, der Gräfin und Ottavio gegenüber, erklärte — schon in einem äußerst bedenklichen Stadium angetroffen, in demjenigen nämlich, „wo das Seelenleiden der Unglücklichen bereits angefangen auf deren Körper einen höchst verderblichen Einfluß zu üben." —Die Wissenschaft — sagte er ausdrücklich — gäbe ihm kein Mittel mehr an die Hand, das er zur Hülfsleistung anwenden könnte.— Sein Urtheil aber ging dahin, daß allenfalls noch außerhalb der Wissenschaft ein Mittel zu suchen wäre, und daß dies vielleicht „in einer schnellen Orts-Veränderung und der liebevollen Pflege der Gräfin" gefunden werden könnte. So läßt der Dichter den Arzt ganz nach dem Sinne der Frau v. Lomellini sprechen, welche eben nichts weiter zu hören braucht, um mit aller Hast auszurufen: ^Das war's ja gerade, was ich gewollt, und was von Gemea mir so entschieden verweigert worden!" Der Herr Doctor sieht hierin eben das „größte Unglück" und versichert, daß er selber, sowie der seltsame Rutchioni, Alles, was in ihren Kräften stand, vergebens aufgeboten, um die Jüdin zum Nachgeben zu bewegen. — Rutchioni bringt die Nachricht, daß Gemea — jeder Bewegung der Kranken mit ängstlicher Spannung folgend von einer Entfernung ihres Kindes durchaus Nichts wiffen wolle, „da sie es dann für immer zu verlieren fürchte," — während er von Paula berichtet, daß sie „gegen Alles, was um sie her vorgehe, nunmehr ganz und gar unempfindlich geworden." — Die Gräfin und Ottavio hören dies mit Schrecken. — Doch plötzlich erscheint, bleich wie der Tod, Paula selber, von ihrer Mutter und einer Dienerin sorgsam geleitet. — (Schluß folgt.» Eine Jubelfeier. Warschau, im November. Dem Izraelita, einem in Warschau in polnischer Sprache erscheinenden Wochenblatte, entnehmen wir auszüglich Nachstehendes über die am 16. Oktober d. I. zur Feier des fünfundzwanzigjährigen Präsidiums des Herrn Josef Epstein am dortigen jüdischen Hospitale demselben bereitete Ovation. Das jüdische Hospital in Warschau, eines der großartigsten Institute dieser Art überhaupt, namentlich aber in Polen, ist mit dem Namen Epstein so innig verwachsen, daß ein Bild dieser Anstalt das geeignetste Emblem des Familienwappens dieser Familie wäre. — Zu einer Zeit gegründet, wo der Name unprt mit der Bezeichnung von Elend und Schmutz gleichbedeutend war, verstand es Jacob Epstein, seligen Andenkens, unter den größten Schwierigkeiten und unsäglichsten persönlichen Opfern dem Institute durch dessen großartige und zweckmäßige Einrichtung jene Bedeutung zu geben, die es zu einer wahrhaften Musteranstalt erhob. Herr Josef Epstein trat nach dem Tode seines Vaters im Jahre 1843 an dessen Stelle als Präsident des Hospitals ein, dem dessen Bruder, der vor zwei Jahren zu Paris leider verstorbene Hermann Epstein, als Bicepräsivent würdig zur Seite stand. Nur wer mit dem dort herrschenden Elende und der das Elend begleitenden Unkultur bekannt ist, kann sich von den Schwierigkeiten einen Begriff machen, welche der Leiter einer derartigen Anstalt unter den dortigen Verhältnissen unaufhörlich zu überwinden hat: da genügt es nicht, auf einem bereits gelegten Grunde fortzubauen, da geht der Fortbau mit der Abwehr gegen die Zerstörung stets Hand in Hand: und nur einer Leitung und Ueberwachung voller Hingebung, voller Opfermuths, gepaart mit der größten Energie, ist Solches möglich. Und das ist es, was die Thätigkeit der Familie 'Epstein im Allgemeinen in Bezug auf das Hospital charakterisirt; das ist es, was die Thätigkeit des dermaligen Präsidenten, Herrn Josef Epstein, ins Besondere kennzeichnet. Staat und Gemeinde wiffen dies auch zu würdigen und der 16. Oktober war der Ausdruck der wohlverdienten Würdigung einer fünfundzwanzigjährigen glänzenden, segensreichen Thätigkeit. Schon um acht Uhr des Morgens fand in der im Hospitalsraume für Beamtenpersonal und Reconvalescenten eingerichteten Synagoge ein feierlicher Gottes-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.