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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-11-24 · Heft 48 (24.11.1868) · p. Seite 961

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 48 (24.11.1868)
Date
1868-11-24
Page
Seite 961 (sequence 11)
Language
German
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961 seiner Unterthanen Gerechtigkeit und gemäße Stellung zu verschaffen, immer deutlicher hervor getreten sind, Nur sehr spärlich in Ihrem geschätzten Blatte erwähnt finden. Erlauben Sie mir daher, einige Betrachtungen über unser Land in der Allg. Z. d. I. zu veröffentlichen. Nachdem schon vor einigen Jahren die Regierung allen jüdischen Handwerkern die völlige Uebersiedelung nach deiq Innern des Reiches wie auch in die Residenzen gestattet, nach einem w wichtigen, von jeher sehnlichst erwarteten Moment, wo die jetzige Regierung das Wohl der Juden anstrebt und ihnen nach allen Seiten hin förderlich ist, damit sie auch durch ihre Sprachen und durch ihr Benehmen den andern Nationen nicht nachstehen, findet sich doch leider weder unter den jüdischen Handwerkern dieses noch auch anderer Gouvernements, wo die Juden stark ansässig sind, der Unternehmungsgeist, ihren Wohnsitz zu verlassen. Es giebt zwar viele große Städte wie z. B. Wilna, Minsk, Grodno rc., welche mit jüdischen Schneidern, Schustern, Uhrmachern rc. sehr überhäuft sind, dennoch begaben sich nur einzelne Handwerker nach dem Innern des Reiches, da die zusammengedrängten Massen der Juden sich meistens aus der sie belastenden enormen Armurh nicht Herausreißen können. Wenn also der arme jüd. Handwerker nebst Frau und Kindern nach einem andern Orte, besonders nach den russischen Städten, wo leider noch keine Juden sind, sich begeben will, so kommen ihm außer Mangel an Reise- und nachher Etablirungs-Unkosten, noch seine früheren Schulden für Brod u. dgl. auf einmal entgegen, während ihm dann auch nicht geborgt, noch etwa sonstige Hülfe von seinen bisherigen Gemeindegenoffen geleistet wird, da auch dieselben seit der polnischen Revolution bei ihren Geschäften nicht profitirten und noch dazu mit hohen Abgaben belastet sind. Wir kommen trotzdem wieder darauf zurück, was schon längst ausgesagt wurde, daß nämlich die erste und nächste Hülfe und eine sichere Besserung der Zustände nach innen und außen für die Juden in Rußland darin besteht, daß den in einigen Provinzen zusammengcdrängten Massen der Juden ein größerer Spielraum der gewerblichen Thätigkeit eröffnet werde. Es ist also sehr rathsam in allen Gouvernements und Kreisstädten, wo die Juden wohnhaft sind, Comiws zur Beförderung der Auswanderung jüdischer Handwerker nach dem Innern des Reiches zu bilden, durch welche milde Gaben für die armen jüdischen Handwerker, nicht nur von den Wohlhabenden, sondern von jedem Stande und jeder Classe, gesammelt und in controlirten Büchern eingehcn sollen. Wenn aber die allgemeine Mildthätigkeit gegenwärtig mehr als jemals bei unseren Glaubensgenossen in Anspruch genommen wird, und die Juden auch bei allen Wohlthätigkeitsacten ohne Berücksichtigung eines confeffionellen Unterschiedes sich zu betheiligen stets geneigt sind, so ergeht unsere Bitte auch an die christlichen Brüder um ihr Scherflein zu dieser wahrhaften Wohlthat. Die hiesigen Einwohner erfreuen sich des seit einigen Monaten hier fungierenden humanen Gouverneurs wirklichen Staatsraths Herrn E. A. Kasinow. Dieser, ein sehr gebildeter und auch nationalökonomisch tüchtiger Mann, versteht sehr gut den Umgang auch mit hebräischen Kaufleuten, und suchte schon mit einigen jüdischen Notabeln der Stadt Bekanntschaft zu machen, welche er sehr höflich und freundlich aufnahm. Hoffen wir also auch von seiner Seite die Comitös zur Beförderung der Auswanderung jüdischer Handwerker ohne Hindernisse bestätigt und ferner recht gute Ordnung bei den unter ihm stehenden Behörden eingeführt und gewinnsüchtige Beamte von ihrer Stelle entfernt zu sehen. Auch der hier seit einigen Jahren angestellte Polizeimeister Obrist v. Schmidt, ein gebildeter und rechtlicher Mann, hat die gute Gewohnheit jeden nach seinem Wunsche zu behandeln und die dortige strenge Polizeiverwaltung zu mildern. B . . . . e. «Wir können nur hinzufügen, daß wir den oben ausgesprochenen Gedanken als einen sehr richtigen und wirkungsreichen ansehen und empfehlen. Sicherlich roird es auch zu diesem Zwecke an Spenden Seitens der auswärtigen Glaubensgenossen nicht fehlen, wenn die Sache richtig angegriffen, von vertrauenswürdigen Männern geleitet und organisirt wird. Bor Allem aber müssen zuerst solche Comitös geschaffen werden, bevor die Hülfe des Auslandes beansprucht werden kann. Die Redaktion der A. Z. d. 3.j Spanien. Madrid, 3. November. Bon hier aus schreibt man über die Fortschritte der rcligiöseu Frage an die Times: Während Olozaga sich an die Planken der früheren Politik anklammere, sei der junge Nachwuchs 48*

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