Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 48 (24.11.1868)
- Date
- 1868-11-24
- Page
- Seite 959 (sequence 9)
- Language
- German
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klärt worden, und es ist ebenso ungerecht wie bedauerlich, daß besonders die „Neue freie Presse" ihren Ünuulth darüber äußert, der dicht bis an Schmähungen reicht. Was will man? Die Deutschen ernten jetzt, was ihre Regierung seit Jahrhunderten gesäet hat. Alles was Ausschließung und Druck heißt, identifizierte sich durch einen langen Zeitraum mit der Regierung in Wien, und cs wäre ganz unvernünftig, von den Juden in Ungarn Änd Polen zu verlangen, für alle Zeiten deutsch, d. h. fremd unter diesen Nationen zu bleiben. Allerdings wäre es den Juden zu rathen, sich der deutschen Bildung nicht mit einem Male entschlagen zu wollen; aber schließlich ist diese deutsche Bildung in der ungarisch- und polnischjüdischen Volksmasse durchaus nicht so groß und wirksam, um als ein Schutz- und Förderungsmittel für die Gesittung angesehen werden zu können. Neu-Verbasz, im Oct. (Privatmiuhi. Während man hierzulande das System der Confessionsschule für den Elementar- und Bolksunterricht festhält, geht man daran, die höheren Lehranstalten des confessionellen Characters zu entkleiden. Donau fü r sie n t h u m c r. Bonn, im Oktober. lPrivatmitth.) Wir brauchen wohl nicht noch ein Mal unsere tiefe Entrüstung über die Gräuelthaten in Galacz auszusprcchen, die uns als Menschen und Juden in ungewöhnlicher Weise empören müssen, da sie sich außer den Mißhandlungen der Personen an Leben und Eigenthum auch auf die jüdischen Heiligthümer ausdehntcn, die sie schändeten. Aber über einen Punkt müssen wir uns doch einmal näher erklären. Seitdem die barbarischen Verfolgungen der Juden in Rumänien zur Tagesordnung wurden, liefen in offiziellen und nicht offiziellen Berichten, in Erlassen, Anklage- und Vertheidigungsartikeln immer Redensarten zur Seite, daß die rumänische Nation stets ohne religiösen Fanatismus, human und gastfreundlich gewesen und sich so auch gegen die Juden bewiesen habe. Die judenfeindliche Regierung und ihre Organe hatten damit die Ansicht, die Ursachen der gegenwärtigen Verfolgungen auf die Juden selbst zu wälzen, welche durch ihre Handels- und Erwerbsweise und durch nationale Absonderung diesen Haß im Volke hervorgerufen. Von Seiten judenfreundlicher Blätter war es theils eine captatio benemlentiae, die aber nichts fruchtete, theils wollten sie wohl auch in einem entgegengesetzten Wkauoeuvre damit die Regierung als alleinige Urheberin hiilstellen. Da wir in den jüngsten Auslassungen namentlich des Israelituln Romanu diesen Phrasen wieder begegnen, so muß man sie doch wohl einmal näher beleuchten. Es ist wahr, daß wir in früheren Zeiten seltener Judenverfolgungen in der Moldau und Walachei begegnen, und die Geschichte wenig davon zu verzeichnen gehabt. Aber wir gewahren dasselbe in allen, dem türkischen Sceptcr unterworfenen Ländern, so lange jenes seine volle Macht besaß. Die türkische Herrschaft war unter den einmal bestehenden Beschränkungen stets tolerant, und ihre christlichen Unterthanen dursten keine Lust verspüren, ihre andersgläubigen Mitunterthanen zu mißhandeln und zu berauben. Länder nun, welche sich von der türkischen Gewalt befreiten, zeigten aber bald einen fanatischen Judenhaß und bethätigten ihn. So lange z. B. Griechenland der Türkei unterworfen war, gab es in demselben keine Judenverfolgungen. Die freien Griechen aber, trotz ihrer freisinnigen Constitution in Athen, treten überall als nach Judenblut dürstender Pöbel auf. War es doch auch erst, als das türkische Regiment durch das egyptische 1840 in Syrien verdrängt war, daß unter französischem Einflüsse in Damaskus die berüchtigte Blutbeschuldigung auftrat. So ging es nun auch in den Donaufürstenthümern, und mit dem Zugeständnisse ihrer Selbständigkeit fühlte sich die moldauische und die walachische ebenso wie die serbische Volksmasse zu räuberischen und mörderischen Ueberfällen, zu Bedrückungen und Ausschließungen gegen die Juden geneigt, sobald ihre Regierungen das Signal dazu gegeben. Man spreche uns also nicht länger von der Duldsamkeit und Humanität der Rumänen und Serben, der Bulgaren, Bosniaken und Montenegriner, die nur so lange gegen die Juden Ruhe hielten, als sie türkische Paschas in ihrem Lande und türkische Besatzungen in ihren Festungen hatten und ihre Selbständigkeit — von Freiheit kann wohl in diesen Ländern noch nicht die Rede sein — sofort zu Gräuelthaten und Bedrückungen benutzten. —. Die jüngste Nummer des ,,Echo Danubien“ bringt aus dem „Curierul de Jassv“, einem sonst durchaus nicht judenfreundlichen Blatte, folgende Schilderung. „Das 4tz