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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-11-24 · Heft 48 (24.11.1868) · p. Seite 958

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 48 (24.11.1868)
Date
1868-11-24
Page
Seite 958 (sequence 8)
Language
German
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tigkeit werden geführt werden. Man ist darum allgemein auf den 18. Novbr., den allgemeinen Wahltag, sehr gespannt. Man mußte bereits wegen der complizirten Vorbereitungen der nicht sehr klaren „Wahlstatuten" von dem früher anberaumten 3. Nov. abgehen und den Wahltag auf den 18. Novbr. verschieben. Ein starkes Contingent werden zum Congresse die Doctoren der Medicin und die sogenannten Fiscale (Advocaten) stellen, die sich gewaltig vordrängen und wenn schon dem jüdischen Gemeindeleben sehr häufig ferne stehend, dennoch gerne bei dieser Gelegenheit ihre parlamentarischen Sporen sich verdienen möchten. Jüdische Fiscale und Juristen gibts freilich nicht in so großer Zahl wie Mediciner; aber dafür glauben sich die Herren, analog den Landtagsabgeordneten (denn hier zu Lande hat jeder Gebildete, der es im öffentlichen Leben zu etwas bringen will, an irgend einer juridischen Akademie, Preßburg, Eperies, Fünfkirchen, Saros-Patak rc. seinen zweijährigen juridischen Cursus frequentirt und die Fiscalsprüfung gemacht), dazu am meisten berufen und qualifizirt. — Biel Lärm im orthodoxen Lagen machte eine kleine List des „Isr. Közlöny“ und seiner Partei, der den im ministeriellen Einleitungsschreiben vorkommenden Ausdruck: vslläsiigyek, fälschlich anstatt „Religionsangelegenheiten" mit „Gemeindeangelegcnheiten" übersetzte und steif und fest behauptete, daß der Congreß gar keinen religiösen Character habe. Die orthodoxe Partei war hier grammatisch und lexicalisch im vollen Rechte, denn abgesehen von der Bedeutung der Wortes valläs= Religion, so ist doch die ganze Tendenz des Congresses eine religiöse und confessionelle. Die Gemeinden sind ja conf essiosnclle, nicht polit. Corporationen; die Schulen sind wie die Synagogen streng jüd. Institute. Es war lächerlich, mit welchen stumpfen Waffen die „Fortschrittspartei" für ihre falsche Ansicht kämpfte. Endlich machte das hohe kön. ung. Ministerium mit der Verordnung v. 4. Oct. l. I. Z. 1193 dem Streit ein Ende. Die Verordnung lautet im amtlichen Kuäspssii Közlöny wie folgt: „Das kön. ung. Ministerium für Cultus rc. hat in Erfahrung gebracht, daß isr. Staatsbürger der irrigen Meinung sind, es solle in dem isr. Landescongresse auch über „Religionsangelegenheiten" berathen werden. — Um alle bezüglichen Zweifel zu beseitigen wird hiermit auf's Neue erklärt, daß in der Einleitung in den Wahlstatuten — unter Aufrechthaltung der Landesge, setze und des oberste« Aufsichtsrechtes Sr. Majestät — als Berathungsgegenstände des erwähnten Congresses die Organisation der Cultusgemeinden, die Einrichtung von Comitats-, Bezirks- und Landesorganen, dann die allseitige Feststelluilg der gegenseitigen Beziehungen dieser Körperschaften, und demzufolge die Modalitäten ihrer Constituirung, schließlich die zei-tzgemäße Organisation der Schulen vorgeschlagen sind, — daß daher rel'igiöse (dogmatische) oder gottesdienstliche (rituale) Fragen den Gegenstand der Berathung nicht bilden werden und daher dem Kreise der Dismssion fern bleiben müssen. Ofen, 3. October 1868." Diese Verordnung macht dem unerquicklichen Streit zum Theil ein Ende. Der Congreß ist wohl ein confessioneller, da Schulen, Lehrer- und Rab Linerbildungsanstalten in den Kreis seiner Besprechung gehören; aber kein dogmatischer und ritualer, denn alle diese Fragen, die eigentlich vor ein Concil oder eine Synagogenversammlung gehören, sind ausgeschlossen. Aus Ungarn, im November. (Privatmitth.) Wenn es eine alte Ansicht gewesen, daß die Juden jedenfalls verbrannt werden müssen, mögen sie das Eine oder das Andere thun, so lebt diese Ansicht doch immer wieder auf, und noch jetzt wird wenigstens mit Worten auf sie losgeschlagen, mögen sie Vorgehen »wie sie wollen. Dies ist besonders das Schicksal der Juden in den verschiedenen Kronländern des österreichischen Kaiserstaates. Die Magyaren schimpfen auf die Juden, daß sie sich gar nicht magyarisiren wollen und immer noch deutsch sprechen, predigen und unterrichten. Zeigen sie aber ein wenig Tendenz dazu, und richte« ihre Schulen magyarisch ein, so erheben die Deutschen einen Wchcruf, daß sie sich der deutschen Bildung entziehen wollten. Ganz ebenso ergeht es den Juden in Polen und in den Landstrichen, wo allein Czccheu,, wohnen. Nun ist es allerdings wahr, daß nicht selten die Juden, sobald sie in irgend eine monotone Strömung eingetreten, sich alsbald überstürzen. So hat z. B. jüngst die Gemeinde zu St. Marton, dem Hauptsitze der Nordsla ven in Ungarn, beschlossen in ihrer Schule ausschließlich die ungarische Sprache als Unterrichtssprache einzuführeu, obschon weder Eltern noch Kinder Ungarisch sprechen, so daß also den Kindern das Ungarische aufgezwunge» wird. Allein Niemand kan« es den Jude« verübeln, dcch sie sich der Nation anzuschließen suchen, für deren berechtigte Glieder sie er-

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