Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 48 (24.11.1868)
- Date
- 1868-11-24
- Page
- Seite 955 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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denken Tcrnti," und „büs Düsem des Seldstbewußtseins? gerade darin besteht, nicht ein anderes zu sein;" deshalb j „kann das Bewußtsein nicht mit dem Tode aufhören und J muß fortdauern." „Nichts werden ist, wie das Nichts; selbst, für den denkenden Geist eine logische Unmöglichkeit; er muß also die Fortdauer des Bewußtseins uothwendig präsümiren." Wir können hier nur andeuten, und bemerken nur, daß der Verf. anderen Beweisen der Unsterblichkeit, namentlich denen ^us dem Wesen Gottes heraus, geringen Werth beilegt. Wir stimmen ihm in allem diesem nicht Lei. Auf dialektischem Wege kann auch das Gegentheil erwiesen werden , und aus denselben "Gründen, daß der Mensch sich als ein Nichtseiendes nicht zu begreifen vermag, müßte ebensowohl die Nichtgebutt der menschlichen Seele, also eine ewige Bvrdauer wie eine ewige Fortdauer erstießen. Die Beweise aus dem Wesen Gottes dagegen erscheinen uns von größerer Bedeutung und geben uns einen sicheren: Anhalt als das Selbstbewußtfein an sich, das täglich so viele Stunden unterbrochen und bei irgend krankhaften Affectivnen so leicht als von ganz anderem Inhalte auftritt. In der Borlesnng (7.) über „die Lehre vor: der Unsterblichkeit m den Religionen der Offenbarung, im Judenthume" führt der Vers, ebenfalls dialectische Beweise, warum die heilige Schrift die Unsterblichkeitslehre nur andeutet, aber nicht präeis ausspricht und geltend macht. Diese Gründe scheinen uns nicht sämmtlich zutreffend. Schon der erste, weil jene Lehre eine selbstverständliche Wahrheit sei, könnte durch die Frage beseitigt werden: warum die Schöpfung durch Gott an so vielen Stellen der h. Schrift ausdrücklich gelehrt werde, da sie mindestens eine ebenso selbstverständliche Wahrheit ist wie die Unsterblichkeit? — Diese Andeutungen zeigen unseren Lesern, daß die vorliegende Schrift durchaus keine nach der gewöhnlichen Schablone ist, und daß sie sich daher wohl mit ihr beschäftigen mögen. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 11. Rovbr. «Privatmitth.) Der berühmte Botaniker, Professor l)r. N. Pringsheim ist von der Akademie der Wissenschaften zum ordentlichen Mitglieds derselben gewählt und in dieser Eigenschaft vom Könige bestätigt worden. Es ist dies der zweite Israelit, welcher dieser gelehrten Körperschaft angehört, «der erste war Di'. Rieß). — Dem jetzt versammelten Landtage ist ein Gesetzentwurf über die juristischen Prüfungen und die Anstellung im höheren Justizfache vom Justizministerium zugegangeu. Mögen auch bei dieser Gelegenheit die liberalen Parteien des Abgeordnetenhauses nicht vergessen, daß aus dem Gebiete der Rechtspflege in Preußen den Juden noch immer nicht ihr verfassungsmäßiges Recht zugestanden wird. Es wäre wohl angemessen, in das Gesetz einen eigenen Paragraphen zu bringen, der bestimmt, daß nach zurückgelegten Prüfungen Niemandem aus confessionellen Rücksichten die Anstellung verweigert werden dürfte. — Unsere hiesige Gemeinde hat jetzt ihr Deficit so gut wie der preußische Staat, und zwar aus dem Jahre 1867. Es betrugen nämlich die laufende« Einnahmen 82,872 Thlr., die laufenden Ausgaben 91,723 Thlr., so daß das Deficit 8,85 l Thlr. beträgt, welches aus den Kosten der großen neuen Synagoge geflossen sein soll. Indessen ist dieses Deficit für eine fast 30,006 Seelen fassende Gemeinde wie die hiesige kein Beträchtliches und wird bei immer vorrückender Abzahlung der Bauschuld bald wieder verschwinden. — Wie Sie bereits gemeldet, wird jetzt von der religiös-conservativen Gesellschaft Schocher Tob eine neue Synagoge gebaut, die gewiß recht schön ausgestattet wird, da einige reiche Männer an der Spitze stehen. Wir hätten dann also bereits vier Synagogen hier, welche verschiedene Fractionen vertreten: die alte Synagoge, welche die Sachs'schen Modificationen repräsentirt, die neue Synagoge mit den Aub'scheu Reformen, das Gotteshaus der Reformgenossenschaft vom extremsten Typus, und diese neue conservative Synagoge, die jedoch auch nicht unterlassen wird, Chorgesang, Predigt und dgl. anzubringen. Es versteht sich, daß diese neue Synagoge lediglich auf Kosten des Vereins gebaut und erhalten wird, und damit ein Ausscheiden aus der Gesammtgemeinde nicht damit verbunden ist, vielmehr wiederum ein Zeugniß von der Opferwilligkeit giebt, welche die Juden heute mehr als je für ihre religiöse Ueberzeugung beseelt. Merkwürdig ist es, wie in unserer Zeit die beiden großen Triebe des Menschen, sich in seiner Individualität geltend zu machen und dennoch wieder sich zu associiren, namentlich auf religiösem Gebiete zu gleicher Zeit vorwalten. Man will seiner individuellen Richtung Befriedigung schaffen, und sucht dies immer