Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 48 (24.11.1868)
- Date
- 1868-11-24
- Page
- Seite 954 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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lästruische Länder hinzugefügt hat. In feinem Vorwort giebt er eine Darstellung der Geschichte, Zusammenstellung und des Inhalts des Talmuds, die zwar nichts Neues enthält, aber klar und übersichtlich, für den mit dem Gegenstände wenig Bekannten belehrend und verständlich ist. In dem ersten Theile handelt er über Namen, Lage und Ausdehnung, Grenzen, Gewässer, Gebirge und Ebenen Palästinas; über Judäa und dessen Städte, Samarien und dessen Städte, Galiläa, das transjordanische Land (Peräa), fügt dann ein Kapitel über Namen zweifelhafter Oertlichkeiten hinzu und schließt mit einem Resmn6. Der zweite Theil nun sammelt und verarbeitet die talmudischen Angaben über Syrien, Kleürasien, Babylonien, andere Länder Asiens, Afrikas und Europas. Gute Register erleichtern die Brauchbarkeit des Werkes. Herr Neubauer hat mit großem Fleiße, mit Sachkenntniß und Umsicht seine Aufgabe gelöst, alles im Talmud über seinen Gegenstand Vorhandene gesammelt/und gesichtet, so daß sein Werk sowohl der Geographie Palästinas als auch dem Verständniß des Talmuds nach dieser Seite £;iii zugute kommt. Aber er vermochte die Natur des dargeboteneu Materials nicht zu ändern, nämlich von der einen Seite die Dürftigkeit der Angaben und Nachrichten, von der andern die außerordentliche Zweideutigkeit derselben, so daß man zuvielfachen Cynjecutren seine Zuflucht nehmen muß. So sind z. B. selbst über Jerusalem die Angaben des Talmuds von überraschend geringein Umfange und Werthe. Es lag dies eben im Geiste der Talmudisten, denen es um geographische Bemerkungen nid>t zu thun war und sich nur feilen Gelegenheit bot, derartige Bemerkungen einfließen zu lassen, wobei es ihnen denn auch auf Genauigkeit nicht ankam. Um so dankbarer müssen wir der französischen Akademie und dem Verfasser für Stellung und Lösung der Aufgabe sein. Außer den noch vielen schätzbaren Bemerkungen, welche das Werk über alte Geographie liefert, wird für den tiefer Blickenden auck durch diese Arbeit in Verbindung mit anderen Monographien das Gesammtbild des Talmuds immer deutlicher gezeichnet, und Character und Tendenz treten immer durchsichtiger hervor. — „Ueber die Lehren von der Unsterblichkeit der Seele bei den verschiedenen Völkern von Dr. H. S. Hirschfeld." (Gleiwitz, Karfunkel, 1868.) Der Verfasser hat im vorigen Winter über obigen Gegenstand einige Vorlesungen vor einem gebildeten, aber gemischten Publicum gehalten, und diese jetzt durch den Druck veröffentlicht. Wie bei solchen Vorlesungen selbstverstänblich ist, 'können sie weder iti wissenschaftlicher Sprache abgefaßt, Noch mit wisftUschüstlichem Apparate versehen werden. Aber sie wüsten dennoch, wenn sie Werth haben sollen, das Ergebniß wissenschaftlichen Forschens und Denkens sein, und oft enthalten einige Zeilen derselben das Resultat einer größeren Gelehrsamkeit und eines größeren Fleißes, als ebenso viele Bogen dickleibiger sg. gelehrter We^e. Wir heben dies an dieser Stell/ hervor, weil uns nicht selten die Mißachtung lächerlich erschien, welche eine gewisse Klasse, die Wissenschaft im Munde führender Männer vor solchen, der Citate entbehrenden Vorlesungen aussprechen — freilich nur so lange, bis sie selbst dergleigen gehalten haben. Aber das ist das Eigene solcher Vorlesungen, daß sie mehr und klareren Geist erfordern, als ein bloß gelehrtes Werk. Denn die Beurtheilung, wie weit sich wissenschaftliche Resultate in die allgemeine Denkatmosphäre einpassen lassen, und die Klarheit, mit welcher sie, nur Eingang zu finden, vorgetragen werden müssen, ist nicht Jedermanns Sache. Die vorliegenden Vorlesungen sind sehr dankbar auszunehmen, stind aber weit entfernt, eine bloße historische Relation zu sein, nennen vielmehr einen eigenthümlichen Standpunkt ein. Der Vers, ist als ein philosophisch geschulter Mann bekannt, der also auch auf dem Gebiete dieser Vorlesungen seinen eigenen Weg geht. Er betrachtet die Unsterblichkeit als eine sich von selbst verstehende Grundwahrheit. Er sagt: „Und da bezeichnen wir vorweg die Fortdauer der Seele als eine Wahrheit, die sich dem denkenden Geiste sowohl, als der unbefangenen Wahrnehmung des Menschen ganz von selbst ergiebt, als ein notwendiger Grundsatz seines Denkens, eine Bedingung seines Wesens, eine Folge seiner Beschaffenheit, und ein Ergebniß seiner Selbsterfahrungen; sie ist vor Allem eine Voraussetzung und eine Thatsache des natürlichen Bewußtseins. Alle Menschen, wenn sie nicht durch irrige Reflexionen sich selbst verdunkeln, durch ihre begriffsmäßige Unerfaßlichteit sie in Zweifel ziehen, oder durch eine Trägheit des Denkens sie sich entrücken, stimmen in ihr überein, und alle Völker, wie verschieden sie auch die Weise der Fortdauer sich denken, verkünden sie in ihren Religionen, und setzen sie voraus. Sie zeigt sich somit ebenso geschichtlich von allen erkannt und anerkannt, wie sie im Menschen selbst begründet ist." — Daß dies sich so verhalte, daß die Fortdauer der Seele von selbstverständlicher Wahrheit sei, weist der Vers, auf d i a l e k t i s ch e m Wege nach, indem der Mensch „Alles, nur nicht das Nichts