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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-11-24 · Heft 48 (24.11.1868) · p. Seite 953

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 48 (24.11.1868)
Date
1868-11-24
Page
Seite 953 (sequence 3)
Language
German
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so wenig die deutsche sein wird, wie in England und und Nordamerika die Enkel der eingewanderten Juden anders als englisch sprechen werden. — Aber es ist auch Nichts sicherer als die Verschiedenheit des Charaeters in den Juden der verschiedenen Länder unter einander. Wer kann einen polnischen und einen deutschen Juden, einen orientalischen und einen französischen, einen englischen und einen yiagyarischen Juden ihrem ganzen Wesen nach, ihrem Charaeter, ihrer Anschauung, ihren geistigen Richtungen und Bewegungen nach mit einander verwechseln? Der Bildungsgrad macht hierin nur wenig aus. Die deutsche Cultur, soweit sie nach Osten drang, hat hierin wenig Veränderung hervorgebracht, und der fremdländische Jude, der in einem anderen Lande Jahrzehende verweilte, bleibt immer noch in seiner Art erkennbar. Dies ist nicht blos im Bereiche der Gefühlswelt, der Affekte der Fall, sondern auch in den intellectuellen Fähigkeiten und deren Thätigkeit. Die Geistesrichtung in den Juden verschiedener Länder und ihre'Befähigung ist eine verschiedene; bei den Einen herrscht mehr der Scharfsinn, bei. den anderen mehr die Denkthätigkeit, bei den dritten die Eleganz und der Geschmack, bei den vierten das Feuer und der Enthusiasmus vor. Mit einem Worte, sie haben sich überall nationalisirt nach den Nationen, unter denen sie seit Jahrhunderten wohnen. Wie wäre es denn auch anders möglich? Ergeht es doch schon dem Individuum so, daß es von seinen Umgebungen mit der Zeit überaus Vieles annimmt, und seine Individualität nach diesen sich modifieirt, und zwar um so mehr, je abgeschlossener er von anderen Kreisen lebt. Wie sollte irgend eine Volksmasse, wenn sie viele Jahrhunderte in stündlichem Verkehr mit der sie umgebenden Nationalität lebt, mit ihr jedes Geschick theilt, sich in ihre Sitte.und Weise fügen muß, aus ihr einen beträchtlichen Theil ihres geistigen Lebens zieht, nicht zuletzt, selbst der Ausschließung zum Trotze, ihren wesentlichen Charaeter von dieser Nationalität annehmen? Wir wollen nicht zu weit gehen, wir wollen zugeben, daß auch gewisse gemeinsame Grundzüge in den Juden verblieben sind, und die christliche und mohammedanische Bevölkerung hat alles Mögliche gethan, sie in ihnen zu erhalten; wir erkennen diese aber auch als nothwendig für die höheren Zwecke, für die weltgeschichtliche Mission des jüdischen Stammes an, und wünschen sie nicht hinweg. Aber diese gemeinsamen Grundzüge verhindern nirgends die Nationalisirung der Juden unter den einzelnen Nationen, wie denn ähnliche Grundzüge durch die germanischen und lateinischen Völkerschaften gehen, und doch in den deutschen, britischen, holländischen Germanen, in den französischen, spanischen und italienischen Lateinern sich national sehr von einander abheben. In der neueren Zeit schwächen sich diese Grundzüge des jüdischen Stammes immer mehr ab, je mehr sie sich mit den Nationen amalgamiren, ja in einem Grade, wie es vom allgemeinen Standpunkte aus kaum wünschenswerth ist. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 6. November. Zwei tüchtige wissenschaftliche Werke über Geschichte und Geographie Palästinas nach den talmudischen Quellen sind in der jüngsten Zeit in französischer Sprache, aber aus der Feder deutscher, zu Paris lebender Gelehrten geflossen. Das erste erschien im vorigen Jahre von I. Derenbourg, und beabsichtigte „die Geschichte und Geographie Palästinas nach den Talmudim und den anderen rabbinischen Quellen" zu behandeln, wovon nun der gelehrte Verfasser den ersten Theil, die Geschichte Palästinas von Serubabel bis zu den jüdischen Kriegen unter Trajan und Hadrian, erscheinen ließ. Wir haben hierüber in d. Bl. bereits berichtet. Unierdeß veröffentlichte soeben Adolf Neubauer seine von der Akademie der Inschriften und freien Künste gekrönte Preisschrift: la Geographie du Talmud, mdmoire couronnd par l’acaddmie des inscriptions et belles-lettres. Par Adolphe Neubauer. Paris, Michel Levy, 1868. Die Akademie hatte 1863 als Preisfrage aufgestellt: „Alle geographischen, topographischen und historischen Angaben über Palästina zusammenzustellen, wie sie in den beiden Talmuden, in den Midraschen und in den anderen Büchern der jüdischen Tradition (Megillath Taanith, Seder Olam, Siphra, Siphri rc.) zerstreut stehen. Diese Angaben in ein systematisches Ganzes zusalnmenzufügen, indem man sie einer gründlichen Kritik unterziehe und sie mit denen vergleiche, welche die Schriften von Josephus, Eusebius, des heiligen Hieronymus und anderer geistlichen und weltlichen Schriftsteller enthalten." Das vorliegende Werk enthält nun die Schrift, welcher die Akademie den Preis zuerkannt hat; aber der Verfasser ging über die ihm gestellte Aufgabe noch hinaus, indem er seinem Werke auch die talmudischen Angaben über außerpa- 48*

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