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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-11-24 · Heft 48 (24.11.1868) · p. Seite 952

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 48 (24.11.1868)
Date
1868-11-24
Page
Seite 952 (sequence 2)
Language
German
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war und ist es allein das gemeinsame Geschick, das in einzelnen Augenblicken, wenn irgend wo eine härtere Verfolgung Juden betrifft, eine Art Zusammenwirken aus anderen Ländern hervorruft. Sonsthin bildeten die einzelnen Gemeinden stets getrennte Körperschaften, deren Zusammenhang in irgend einem Staate erst von diesem selbst geschaffen wurde, und der sofort wieder aufhörte, sobald der Staat diese Anordnung änderte. Fragt man die Juden in Württemberg und Baden, so wird die Mehrzahl von ihrer sg. Kirchenverfassung frei sein wollen. Wir geben hiermit kein Urtheil über eine solche Organisation ab, sondern vermerken nur die Thatsache. Die Einheit des Gottesdienstes und der Satzungen brachte noch niemals eine Gemeinde dazu, mit ihren Mitteln eine andere, sei es auch die benachbarteste, zur Erhaltung ihres Cultus zu unterstützen. Eine Art losen Zusammenhangs brachten früher die Jeschiboth rabbinischer Capacitäten und die Sitte r"w zu wechseln, d. i. über schwierige Fragen die Gutachten bekannter Rabbinen einzuholen; aber beide haben seit längerer Zeit aufgehört. Ja, es ist merkwürdig, wie äußerst gering der Zusammenhang zwischen den Juden der verschiedenen Länder ist. Man vergleiche z. B. die Verzeichnisse der Gaben, welche im vorigen und in diesem Jahre für die nothleidenden Juden in Ostvreußen und in den angrenzenden russischen Provinzen eingelaufen sind. Schon aus der gesummten österreichischen Judenheit mit fast einer Million Seelen kaum 300 fl., aus England, Holland, Nordamerika nur wenige hundert Thaler, aus Frankreich, mit Ausnahme einer Gabe von Rothschild in Paris, fast garnichts. Es waren also die deutschen Juden allein, denen man die Versorgung nicht blos der ostpreußischen, sondern auch der russischen Juden überließ. Und in ähnlichem Maße geht es bei allen allgemeinen Unternehmungen zu. Was von den deutschen Juden ausgeht, findet bei den Glaubensgenossen anderer Staaten eine äußerst geringe Förderung, und ebenso ist es der Alliance israelite universelle bis jetzt nicht gelungen, außer in Italien und den dabei besonders interessirten orientalischen Gebieten einen wesentlichen Anschluß zu finden. Wir möchten also wohl fragen, worin der Zusammenhang unter den Juden aller Länder bestehe? Vermittelt einen solchen doch nicht einmal die jüdische periodische Presse; denn lediglich deutsche Blätter bringen umfasiende und vollständige Nachrichten über die Vorgänge innerhalb der Judenheit und des Judenthums aller Länder, während die französischen, englischen, italienischen und nordamerikanischen Zeitschriften nur sehr lückenhaft in dieser Hinsicht Mittheilungen machen. Man steht, auch hier unterscheidet sich die Wirklichkeit von der Theorie in sehr hohem Grade. - In der letzteren spräche Alles für die Existenz des festesten Zusammenhangs unter den Juden; aber in der Wirklichkeit zeigt sich fast Nichts davon. Aber auch positiv ist jenes Vorurtheil als völlig grundlos nachweisbar. Es gehört gar keine g^oße Beobachtungsgabe dazu, um zu erkennen, daß die Juden in den verschiedenen Ländern einen sehr verschiedenen Character haben, der der Nationalität, unter welcher sie leben, durchaus näher steht als einem etwaigen Grundcharacter aller Juden. Es war dies seit alter Zeit so. Wenn die spanisch-portugiesischen Juden selbst als Flüchtlinge sich von den übrigen, namentlich den deutsch-polnischen Juden so getrennt hielten, daß sie sich mit diesen nicht einmal verheiratheten, so geschah dies lediglich aus der Ausschließlichkeit und Grandezza heraus, welche die Characteristika der spanischen Nation bilden. Eine bekannte, aus ihrem geschichtlichen Ursprünge erflossene Eigenthümlichkeit der meisten europäischen Juden ist es, daß ihre Familiensprache die deutsche ist. Vom Elsaß bis zur Krimm findet dies statt, und nur der Süden Frankreichs, Italien, ein Theil Hollands und der größte Theil Englands machen hiervon eine Ausnahme. Alle anderen Juden waren eben aus Deutschland weitergewandert. Dies aber verhinderte nicht, daß dieses Deuts ch in den verschiedenen Ländern im Munde der Juden zu den verschiedenartigsten Dialekten wurde, und das Deutsch des russischen Juden ist schon ein anderes als das des polnischen, der wiederum einen dem deutschen Juden kaum verständlichen Jargon spricht, dann aber wieder von dem Juden aus dem Magyarenlande sich völlig unterscheidet. Aber wir brauchen kaum so weit zu gehen, denn schon der süddeutsche Jude hat ein anderes Organ und eine ganz andere Sprechweise als der norddeutsche, und den hessischen Juden wird seiner Sprache nach Niemand für einen Berliner halten. Wir führen dies an, weil kein Ethnograph in der Sprachverschiedenheit schon nicht ein wesentliches Kriterium für die verschiedene National nalität anerkennen wird. Wir können sagen, daß der polnische Jude selbst in seinem Deutsch mehr polnisch als deutsch, der russische mehr sarmatisch, der Elsässer mehr französisch als deutsch spricht. In unserer Zeit nun geht dies noch weiter, denn die galizischen Juden neigen sich dem Polenthume, die ungarischen dem Magyarenthume so vorwiegend zu, daß die Sprache der Enkel

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