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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-11-17 · Heft 47 (17.11.1868) · p. Seite 949

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 47 (17.11.1868)
Date
1868-11-17
Page
Seite 949 (sequence 19)
Language
German
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Veränderung in Joseph II. Da ich mich nun sowohl Franklins als Joseph II. bewußt machen kann und der Aufeinanderfolge der Veränderungen in ihnen, so habe ich den Begriff der Gleichzeitigkeit Beider und ihres Todes, auch ohne daß sie in Ursache und Wirkung mit einander Zusammenhängen. Ich. Sie haben mich völlig verstanden. Aber es giebt noch einen anderen Weg zu unserem Ziele. Der Mensch ist sich jedes Dinges als eines Einzelwesens und zugleich als eines Gliedes einer Gesamtheit bewußt. Wir fassen dieses Pferd als ein für sich bestehendes Wesen, aber zugleich als einen Theil der gesummten Pferdegattung, und diese wieder als einen Theil der Säugethiere, und diese wieder als einen Theil der Thierwelt überhaupt, und so fort. Ebenso findet dies selbst bei den Theilen eines Individuums statt. Der Arm ist uns ein für sich bestehendes Glied, aber zugleich ein Glied des ganzen menschlichen Körpers. So lange wir nun ein Individuum und die in ihm vorgehenden Veränderungen beachten, ist es uns nichts mehr als ein Einzelwesen. Sobald wir aber mehrere dieser Individuen neben einander stellen und vergleichen, gehen wir von dem Begriffe der Gesammtheit aus, von welcher diese Individuen Glieder sind, und wir fassen die Veränderungen, die in ihnen geschehen, als Veränderungen in der Gesammtheit, die wir also als ein Individuum (höherer Art) betrachten. Hiermit ist abermals der Begriff der Gleichzeitigkeit gegeben, da die Veränderungen in den Individuen uns als Veränderungen in der Gesammtheit erscheinen, deren Theile jene sind. A. Lassen Sie mich auch dies Mal einen Commentar zu Ihren Worten geben. Ich fühle Schmerzen in meinem Arm und in meinem Fuße, und sage zum Arzte: ich habe Schmerzen im Arm und im Fuße. Dies setzt von mir als ganzem Menschen die Gleichzeitigkeit jener Schmerzen von selbst, denn sonst würde ich sagen: ich hatte erst Schmerzen im Arme und dann im Fuße, was andrerseits den Begriff der llngleichzeitigkeit gäbe. Kurz, der Begriff des ganzen Menschen giebt von selbst den der Gleichzeitigkeit seiner Glieder. Spreche ich also von Veränderungen in Frankreich und England, so gehe ich von dem Begriff der Gesammtheit der europäischen Staatenfamilie oder von dem der Geschichte als Gesammtheit der Veränderungen im Menschengeschlechte überhaupt aus, also von der Gleichzeitigkeit oder Ungleichzeitigkeit in den Theilen der Gesammtheit. Ich. Völlig einverstanden. A. Aber ich habe noch eine andere Frage. Sie sagten vorher, daß es mit dem Raume wie mit der Zeit sei, auch er sei an sich nichts, sondern nur an den Dingen. Dies will mir nicht in den Sinn; ich begreife die Dinge, wie sie im Raume sich befinden, und doch soll der Raum nur an den Dingen selbst sein? Ich. Wir wollen zusehen. Fragen wir uns einmal, was denn das Gegentheil vom Raume sei? D. Das Unendliche, das Unbegrenzte. Wir drücken uns daher irrig aus, wenn wir von einem unendlichen Raume sprechen. Es muß heißen „unermeßlich", weil wir k.'in Maß und keinen Maßstab für die Ausdehnung desselben haben, nnd die Grenzen des Raumes weder wissen, noch uns vorstellen können. Ich. Sie kommen uns sehr zur Hülfe, lieber Freund. Wenn also der Raum nothwendig etwas Endliches, Begrenztes ist, wir aber dennoch seine Grenzen uns nicht vorstellen können, so ist damit erwiesen, daß er nichts Allgemeines, nichts an sich ist, weil sonst unsere Vorstellung von ihm seinem Begriffe selbst widerspräche. A. Und was wäre er denn? Ich. Raum bedeutet die Grenzen des Stoffes eines Dinges, also aller Dinge. Wo der Stoff eines Dinges aufhört, da hört sein Raum auf, und die Grenzen seines Stoffes bezeichnen diesen Raum. Raum ist der stoffliche Gegenstand, ohne den Stoff selbst gedacht. Darum nennen wir die Mathematik die Raumlehre oder die Lehre von den Raumgrößen. Der Raum ist also nur an den Dingen selbst. A. Dann könnte es aber auch keinen leeren Raum geben, weil da, wo kein Ding wäre, auch kein Raum wäre? Ich. Das ist es denn auch, was die neuere Naturwissenschaft behauptet. Der Natur des Stoffes selbst nach und seinen Gesetzen gemäß kann es keinen stofflichen Raum geben. Doch könnten wir uns dennoch immerhin einen solchen denken; er wäre dann von den Grenzen des Stoffes der ihn umschließenden Dinge bezeichnet und durch diese gebildet; wenigstens widerspricht dies unserer Erklärung nicht, da wir den Raum uns immer vom Inhalte abstrahiren. So wie also die Aufeinanderfolge der Veränderungen in einem Dinge uns den Begriff Zeit giebt, so verleihen uns die Grenzen des Stoffes eines Dinges den Begriff Raum, und wir haben daun wie zu Anfang unserer Unterhaltung das Nacheinander und das Nebeneinander. B. Wie hätten wir es uns dann aber zu erklären, daß in einigen älteren Schriften der Ausdruck Raum, Ort, als ein Name oder eine Bezeichnung Gottes vorkommt? C. Man hat sich wohl hierunter den „Allgegenwärtigen" zu denken. Weiterhin nahm man aber den Raum für ein Unendliches, in welchem Alles vorhanden, wie dies, wenn ich mich recht entsinne, im Midrasch erklärt wird: „Gott heiße Raum, weil er der Raum der Welt ist."*) Dies scheint aber dicht an den Pantheismus zu streifen, dem ja die Kabbalisten sich sehr genähert. Gerade um dessentwillen ist es mir lieb, daß wir diese logisch richtige Erklärung erhalten haben, di dem Kabbalismus in dieser Beziehung die Spitze ab- *) Ber. rab. 69. obi? bu3 fcnrrtf

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