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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-11-17 · Heft 47 (17.11.1868) · p. Seite 948

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 47 (17.11.1868)
Date
1868-11-17
Page
Seite 948 (sequence 18)
Language
German
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948 Gemea bricht in Thränen aus und will von dannen gehen. — Paula aber hält sie zurück und versichert sie ihrer innigsten Theilnahme. — Gemea ist hiervon tief gerührt, will aber dennoch sich entfernen, indem sie jammert: „O, laßt mich! Ihr seid glücklich; doch der Anblick Eures Glückes macht mir Schmerz, — er zeigt mir erst die Größe meines Unglücks. — Das Herz meiner Tochter schlagt nicht für mich, die Stimme der Natur ist eine Fabel! Mein Haus bleibt öde, wie es war, und wenn ich sterbe, wird Niemand an meinem Grabe eine Thräne weinen. — O, laßt mich, laßt mich fort von hier!" — Es versteht sich von selbst, daß von diesen Worten die empfindsame Paula nur noch mehr gereizt wird, die Fremde zurück zu halten. Sie bittet und beschwört dieselbe, nicht von hinnen zu weichen, ohne daß sie ihren Schmerz ganz offenbart, ihr Herz völlig ausgeschüttet hätte. Die Jüdin weiß nicht, was sie thun soll; sie schwankt zwischen Bleiben und Gehen, zwischen Verschweigen und Entdecken, — unv es ist ein gar gewaltiger Kampf, der da tobt in ihrem Herzen. — Endlich doch siegt die Macht der Natur, und den Lippen Gemea's entströmen die Worte: „Du, Mädchen, bist meine Tochter! Ich — die Du vor Dir siehst — bin Deine Mutter!" Paula ist natürlicher Weise grenzenlos erstaunt, dies zu hören. — Doch Gemea läßt sie gar nicht zu Worte kommen, sondern theilt schnell mit, daß und warum sie die „Kartenlegerin" als Maske angenommen, berichtet hastig von den Millionen, die sie unter der Hülle der Dürftigkeit verborgen habe, und fordert das Mädchen auf, ihr — seiner wahren Mutter — sofort zu folgen. Allein Paula schüttelt ungläubig das Haupt, weicht scheu zurück und giebt durch ihr ganzes Gebühren zu erkennen, daß sie die Fremde für verrückt halte. Die Jüdin gewahrt dies nur allzubald, geräth auf's Neue in Verzweiflung und stürzt mit dem Ausruf: „Allmächtiger Gott! habe ich noch nicht genug geduldet? ist die Zeit meiner Prüfung noch nicht vorüber?" völlig erschöpft zu Boden. — In diesem Augenblicke treten Ottavio und Rutchioni ein, in ihrer Mitte die Gräfin Bianca. Und nun folgt eine der stürmischesten Scenen des ganzen Stückes. — Die Gräfin ist von dem Anblick der Jüdin so tief getroffen, daß sie bereit ist, auf der Stelle das Schloß und die Stadt zu verlassen. Gemea hindert sie daran. — Ottavio will auf Gemea Herstürzen, um sie zu durchbohren. Paula hält ihn davon zurück. „Denn" — so ruft sie aus — „sie ist vielleicht meine Mutter!" — Die Gräfin aber bittet und beschwört sie, dies zu widerlegen und das Gegen - theil zu beweisen. Heftiger noch dringt Gemea in die Gräfin, zu schwören, „bei dem Bilde des gekreuzigten Heilandes" zu schwören, daß Paula wirklich ihre Tochter. — Bianca ist hierzu bereit. Denn schon ist sie zum Betpulte geeilt, und schon hat sie das Krucifix ergriffen. Doch bald läßt sie dies wieder fahren und ruft, von innerm Gewissensdrang überwältigt, mit herzzerreißender Stimme aus: „Nein, ich bin es nicht! Diese da lauf die Jüdin deutend) ist die rechte Mutter!" * Gemea triumphirt. Ottavio steht wie versteinert, — kaum mächtig, einen Laut hervorzubringen. Paula aber ruft ihrem Verlobten, wie fthrer Pflegemutter, ein Lebewohl zu — und läßt von ihrer leiblichen Mutter sich fortführen. - Wohin wird sie von dieser gebracht? (Fortsetzung folgt.) Gespräche ans einem Familienkreise. i. (Schluß.) Es war eine kleine Pause eingetreten, während welcher man die Gedanken, die wir gewonnen hatten, in sich zu verarbeiten schien. Da hob an: D. Mir will Ihre Erklärung doch noch nicht genügen. Wenn Zeit durchaus nichts Allgemeines ist, sondern nur die Veränderungen, die an einem Einzelwesen in ihrer Aufeinanderfolge vor sich gehen, also nur an einem Einzelwesen ist und gefaßt werden muß, wie gelangt man zu dem Begriff der Gleichzeitigkeit, die ja ein Allgemeines voraussetzt? Ich. Ihr Einwand ist allerdings erheblich; aber er scheint mir auf zwei Wegen beseitigt werden zu können. Zuerst: worin besteht denn das Bewußtsein des Menschen? In dem Bewußtsein seiner selbst und seines Verhaltens zu anderen Dingen. Wir vermögen also Beobachtungen an uns selbst und an anderen Dingen zu machen. Gehen nun während der Veränderungen an uns selbst auch Veränderungen an anderen Dingen vor, und zwar solche, die uns der Beobachtung werth erscheinen, so haben wir durch die Aufeinanderfolge der Veränderungen an anderen Dingen und die der Veränderungen an uns selbst den Begriff der Gleichzeitigkeit und Ungleichzeitigkeit. Weiterhin bedürfen wir dann aber nicht einmal der Beachtung der eigenen Veränderungen, sondern wir können die Vergleichung schon an anderen Individuen vornehmen, und es kommt nicht mehr darauf an, ob dies Individuen, die neben uns bestehen, sind, oder die früher bestanden, also in der Vergangenheit. A. Dies scheint mir doch völlig genügend. In der Geschichte sage ich z. B. Franklin und Joseph II. starben gleichzeitig, und das heißt nichts Anderes als: während in Franklin die Veränderung eintrat, die ihn aus dem Leben zum Tode brachte, geschah eine gleiche

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