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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-11-17 · Heft 47 (17.11.1868) · p. Seite 950

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 47 (17.11.1868)
Date
1868-11-17
Page
Seite 950 (sequence 20)
Language
German
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bricht. Darum ist es auch am besten, die Bezeichnung Makom von Gott nicht zu gebrauchen. A. Da hätten wir denn heute genug philosophirt, und die Herren müssen es dem Interesse unseres Gespräches selbst zuschreiben, wenn ich der Theetassen vergessen habe. Ich will aber meine Nachlässigkeit sogleich gutmachen. Kleine Mittheilungen. In dem Jahrbuch für Nationalökonomie von Hildebrand (II, l) befindet sich ein Aufsatz von A. Frantz über die Bedeutung der Religionsunterschiede für das physische Leben der Bevölkerungen. Unter vielem Bekannten greifen wir eine interessante Uebersicht über die Auswanderungsverhältnisse der Juden im preußischen Staate und seinen Provinzen in den Jahren 1858— 1864 heraus. Es geht aus der folgenden Tabelle hervor, daß bedeutend mehr Juden aus Preußen ausals eingewandert sind. Besonders stark ist die Auswanderung aus der Proinz Posen, dann aus Schlesien. In Sachsen fand eine ganz unbedeutende Mehreinwanderung statt, in Brandenburg eine beträchtliche, die wahrscheinlich durch die Hauptstadt Berlin veranlaßt worden ist. In den übrigen Provinzen treffen wir überall Mehrauswanderung an. In der nachstehenden Tabelle bedeutet das Zeichen + die Mehrein-, das Zeichen — die Mehrauswanderung. Provinzen. Protestanten. Katholiken. Juden. Preußen Posen — 1619 4- 1266 853 — 7715 — 19081 — 8390 Brandenburg + 54057 4- 21261 ■f“ 6216 Pommern — 39100 4- 1886 598 Schlesien — 21027 4- 5279 — 1433 Sachsen — 21764 4- 2958 + 6 Westphalen — 2080 — 9473 714 Rheinland + 8698 — 2958 — 353 Hohenzollern + 157 — 2309 — 69 Ausw. Militär + 9305 + 8142 + 112 Staat — 21108 + 6944 — 6078 Es findet sich eine Zunahme durch Zuzug nur bei den Katholiken, bei den Juden ist aber der Abgang unverhältnißmäßig stark. Daß der Mangel an vollständiger Durchführung der Gleichstellung hierzu viel beigetragen hat, liegt auf der Hand. Es kommt jetzt bereits vor, daß Männer, welche bis zu ihrem Alter ihren Aemtern und Geschäften in Europa oblagen, sich für ihre alten Tage nach Amerika zur Ruhe begeben. So verließ vor Kurzem der Camvr Marx Levi, der vierzig Jahre in Saarlouis fungirt hatte, diese Stadt, um sich zu seinen Kindern in Amerika zu begeben und den Rest seines Lebens dort zu verbringen. Die Gemeinde, die sein verdienstliches Wirken würdigte, überreichte ihm zum Andenken einen schönen silbernen Pokal und,gab ihm ein solennes Abschiedessen. Curiosum. Was in unserer Zeit auf dem Gebiete geistlichen Hochmuths wieder geleistet wird, ist in der That unerhört, und sticht gegen die vielbespöttelte Aufklärung des vorigen Jahrhunderts zum Nachtheil des unsrigen sehr ab. Die Münchener „Neuesten Nachrichten" berichten über die Primizpredigt eines baierischen Cooperators, die nachfolgende Stellen enthält: „Wir vertreten Gottes Stelle. Priesterwort ist Gotteswort. Gehen wir nun zum Himmel, und wer übertrifft dort die priesterliche Gewalt? Vielleicht die Engel, die sich's zur höchsten Gnade rechnen würden, wenn sie einen Priester bei der heiligen Messe bedienen könnten. Und was kann die große Himmelskönigin sonst? Eine Fürsprecherin bei ihrem Sohne machen? Die Priester strafen und verzeihen aus eigener Machtvollkommenheit; will sie sich vielleicht deshalb über uns erheben, weil sie den Sohn Gottes geboren hat? Was ist wohl einmal gebären gegen das Gebären eines Priesters — wir gebären den Weltheiland so oft und wo wir wollen, sie brauchte neun Monate und wir gebrauchen fünf kleine Worte, so muß er aus dem Schooße seiner Herrlichkeit herab. Wenn wir's genau nehmen wollen, so muß Gott selbst dem Priester in der heiligen Messe gehorchen. — Darum sei dein Schicksal gesegnet, hvchwürdiger Herr Primiziant, daß du zu einem Priester ausersehen warst." (Nun folgt die Nennung einer Anzahl heiliger Kaiser und Könige, welche sich vor den Priestern gebeugt.) — „Ja," sagte der Prediger weiter, „so müssen wir zuerst den Priester, sodann den Engel begrüßen." Nach mehreren ähnlichen Tiraden fuhr er fort: „Erfreue dich, hochwürdiger Herr Primiziant! — Die Hölle muß vor dir zittern — die ganze Welt muß sich vor dir im Staube beugen — und der Himmel ist dir zu Gebot . . ." — Ist das ein beueidenswerther Mensch — dieser Primiziant! — Wir möchten hinzufügen: gleicht Obiges mcht einer wahren Gotteslästerung? Verlag von Dinrmgärtner's Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verain vortlicher Redakteur H. Ldtze.

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