Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 47 (17.11.1868)
- Date
- 1868-11-17
- Page
- Seite 941 (sequence 11)
- Language
- German
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gen die Cultusfreiheit für sein Vaterland. Artikel 2 deL. Verfassungs-Entwurfs von 1837 lautete: „Die Nation verpflichtet sich zur Unterhaltung des Cultus und der Diener der katholischen Religion, zu der die Spanier sich bekennen." Der Deputirte Lopez beantragte einen Zusatz, in welchem den Andersgläubigen Schutz vor Verfolgung zugesichert würde. Olozaga, der im Verfassungs-Ausschüsse saß, erklärte diesen Zusatz für überflüssig: „es gebe'keine religiösen Spaltun- . gen unter den Spaniern und es sei wichtig, ihrer kostbaren religiösen Glaubenseinheit auch die politische Weihe zu ertheilcn." Der Antrag fiel durch. Nach der Revolution von 1854 wurde 1855 die Verfassung umgeschmolzen. Der neue Verfassungs-Ausschuß wollte nun den Artikel 2 von 1837 so erweitern, daß „kein Spanier, so wie kein Fremder seines Glaubens halber verfolgt werden solle, so lange er denselben nicht durch öffentliche Handlungen gegen die Religion kundgebe." Mehrere Amendements auf Toleranz wurden gestellt, doch eifrig von den sonst liberalsten Mitgliedern bekämpft. Lafuente, Historiker und Fortschrittsmann vom reinsten Wasser, fragte, was denn Spanien seit 1836 in der Toleranz geleistet habe? „Toleranz liegt nicht in den spanischen Sitten!" rief Lafuente. Olozaga sprach auch bei dieser Debatte entschieden „für alles, was uns die Glaubenseinheit bewahren kann." Die Religion „stehe", fügte er freilich hinzu, „in Spanien mit den Ideen des Patriotismus, der Freiheit und der Zukunft im Bunde und selbst die Devotion nehme hier eine gewisse patriotische Farbe an." Auch damals sielen nach dreiwöchentlicher Discussion alle Toleranz-Anträge durch. Wenn man dies bedenkt, so zeigt das Rundschreiben für das Ausland, wie das Manifest an das Volk von 1868 einen mächtigen Fortschritt, so vorsichtig die Sätze, die diesen heiklen Punkt berühren, auch immer noch gehalten ' sind. Es wird sich zeigen, ob Olozaga auch heute noch in den Cortes bei der neuen Verfassung in Glaubenssachen den maurischen Standpunkt*) zu verfechten und die Toleranz als jenseit der Pyrenäen nicht für acclimatisirbar hält. *) Mit welchem Rechte die K. Z. die spanische Inquisition als einen maurischen Standpunkt bezeichnet, begreifen wir nicht, da geschichtlich die Mauren eine für jene Zeit außergewöhnliche Toleranz übten. Red. d. A. Z. d. I. Amerika. Chicago, im October (Privatmitth.i Kürzlich ist das hiesige ncuerbaute Hospital, welches auch Nichtjuden die Krankenpflege nicht verweigern wird, seiner Bestimmung übergeben worden. Wie dies Institut überhaupt ein ehrendes Denkmal für den Wohlthätigkeitssinn der Judenschaft Chicago's bildet, so bietet es zugleich einen sprechenden Beweis dafür, daß die Theilung der Orts-Judenschaft in abgesonderte Cultus-Gemeinden, je nach der Verschiedenheit der religiösen Richtung — sehr wohl bestehen könne, ohne dem Zusammenwirken zu gemeinsamen Zwecken hinderlich zu sein. Als hier vor zwei Jahren die Massenversammlung der Juden stattfand, in welcher die ersten grundlegenden Beiträge für das Hospital-Unternehmen erzielt werden sollten, hielt ebenso der Religionslehrer der orthodoxen Gemeinde, Herr Adler, eine betreffende Ansprache, wie der Rabbiner der Reform gemeinde, Dr. Chronik. Es hatte sich hüben und drüben ein gleicher Enthusiasmus kund gegeben, der in Zeichnungen von ungefähr 11,000 Doll, zum Ausdruck gelangte. Auch in den ferneren Beisteuern war Einmüthigkeit unter den Angehörigen der verschiedenen Gemeinden. Obschon das Gebäude unseres Hospitals stattlich genug ist, wurde gleichwohl vorgesorgt, daß bei etwaigem spätern Bedürfnisse noch ein Flügel hinzugebaut werden könnte, ohne die Symmetrie des Ganzen zu stören. In Anbetracht des rapiden Zuwachses unserer allgemeinen, wie auch der jüdischen Bevölkerung durch die europäische Einwanderung scheint ein solcher Vorbedacht wohl am Platze. — Es ist in der „A. Z. d. Judenth." schon erwähnt worden, daß wir hier, außer der deutsch-orthodoxen, auch eine sg. polnisch-orthodoxe Gemeinde haben. Diese Gemeinde hat neulich einen geistlichen Funktionair, Namens Herr Messing angestellt, der in sich den Borbcter und Prediger, oder richtiger, Maggid vereinigt. Derselbe soll früher in Militsch (Niederschlesien) als Schächter und Vorbeter fungirt haben; später hat er bei einer polnischen Gemeinde in New- Jork eine gleiche Stellung wie hier eingenommen. Er „sagt auf Deutsch" und scheint dem Geschmack seiner Gemeinde sehr zu„zusagen" in der Manier der Meschalim von „Schikzeß" und sonstigen Liebenswürdigkeiten. Er soll sich fest vorgenommen haben, die ganze 47*