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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-11-17 · Heft 47 (17.11.1868) · p. Seite 940

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 47 (17.11.1868)
Date
1868-11-17
Page
Seite 940 (sequence 10)
Language
German
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Das wichtigste von allen, durch die wesentliche Modiftcation, welche es in die weltliche Organisation von Spanien einführen wird, ist die Herstellung der religiösen Freiheit. Das Manifest besteht auf der Rothwendigkeit dieser Reform und erklärt, daß dieselbe der katholischen Kirche nicht schaden, sondern sie durch den Gegenstreit nur stärken werde. Warten wir den Wortlaut des Manifestes ab. Unterdeß bringen die Zeitungen immer wieder Nachrichten von zu erbauenden protestantischen Kirchen und von Synagogen, die bereits in Angriff genommen seien, so jüngst wieder in Sevilla. Das wäre bereits die vierte «Madrid, Barcelona, Gerona lind Sevilla), und wir haben nur dieselbe Frage zur Antwort: woher sollen in Spanien auf ein Mal so viel Juden kommen, um Synagogen erbauen zu wollen und zu können? —. Bon befreundeter Hand erhalten wir folgende Mitthcilung, welche für die schwebende Frage von Interesse ist: Zur Frage der Toleranz in Spanien. Eine der wichtigsten Fragen, welche an das verjüngte Spanien herantritt, ist diejenige der religiösen Freiheit und Toleranz; aber ebenso ist es auch für die Juden von höchster Wichtigkeit, ob sie auf die Halbinsel, auf welcher sie einst eine so bedeutende Stellung eingenommen, wieder werden zugelassen werden. Bei dem allgemeinen Interesse, welches also dieser Gegenstand jetzt einflößt, dürfte es wohl geeignet sein, hervorzuheben, daß die Frage der Wiederzulassung der Juden auf den spanischen Boden eine keineswegs neue ist und nicht erst in der Gegenwart erhoben worden, sondern bereits 250 Jahre früher. Rack dem Tode Philipps II. befand sich Spanien in einer äußerst traurigen Lage. Der Staat war tief verschuldet, die Erträgnisse der arnerikanischen Gold- und Silbermincn auf Jahre hin verpfändet, das Land schwach bevölkert, die Bauern arm, der Kaufmanns - stand durch die schweren Abgaben, welche die beständigen Kriege nöthig gemacht hatten, gänzlich erschöpft. Mit den Niederlanden dauerte der resultatlose Kampf fort, und die feindliche Haltung Frankreichs unter Heinrich IV. machte erhöhte Rüstungen nöthig. Dabei suchten der spanische Hof und seine Vertreter im Auslande durch unsinnigen Luxus den Schein der in Wirklichkeit verschwundenen Macht zurückzuhalten. Unter solchen Umständen war natürlich der Geldmangel am spanischen Hofe sehr groß, und alle Mittel, sich Geld zu verschaffen, wurden eifrig hervorgesucht. Ein Anerbieten verschiedener maurischer Kaufleute, mehrere Millionen Kronen zu zahlen, wenn man den Mohammedanern wiederum den Zutritt und den freien Verkehr in Spanien erlaube (i. I. 1605), wurde freilich als zu gefährlich zurückgewiesen, weil man fürchtete, es könne eine solche Freiheit den Mauren die Möglichkeit geben, sich von neuem in Spanien festzusetzen; dagegen wurde ein ähnlicher Vorschlag von Seiten der Juden nicht sofort verneint, sondern in reifliche Erwägung gezogen. Länger als ein Jahr hindurch blieb er auf der Tagesordnung. Endlich im Juni 1606 wurde er den höchsten Staatskörperschaften vorgelegt, und sowohl der Staatsals auch der Kriegsrath, sowie das Obergericht waren einstimmig der Ansicht, daß als das wichtigste und vorzüglichste Mittel, um den Finanzen wieder aufzuhelfen, dem Könige vorzuschlagen sei, den Juden volle Freiheit, nicht allein des Aufenthalts, sondern auch' der Religion zu gewähren. Eine beträchtliche Summe war für eine solche Erlaubnis von Seiten der spanisch-portugiesischen Juden zugesagt.*» Sicherlich würde Philipp III. auf diesen dringenden Rath seiner ersten Würdenträger eingeganzen sein, wenn nicht ein, für die Juden unglückliches Ereigniß eingetreten wäre. Unverhoffter Weise kam nämlich im März 1607 ein Waffenstillstand zwischen den Niederländern und Spaniern zu Stande, welcher den Bedrängnissen der spanischen. Finanzen für einige Zeit abhalf. Und so war denn von der Rückberusung der Juden nach der Halbinsel nicht inehr die Rede. Hoffentlich wird, was damals die Selbstsucht nicht zu Stande brachte, nunnrehr die Gerechtigkeit wirklich ausführen. Dr. M. Pl>. —. Bei der Wichtigkeit der Frage und um uns nicht vorzeitig Illusionen hinzugeben, wird folgender Rückblick, welchen die „Köln. Zeit." bringt, hier seinen Platz verdienen, er ergänzt unsere frühere Mittheilung. Bekanntlich lvar Olozaga früher ganz entschieden ge- *> S. hierüber die Berichte des englischen Gesandten in Madrid, Sir Charles in Cornwallis, in den Memorials of Affairs of State in the reigns ofv Elizabeth and James I. collected from the original papers of Sir Ralph Winwood, by Edm. Sawyer (London 1725) II. p. 76. 102. 237.

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